Corona-Alltag im Aargau

Selbständigen Fotografen und Journalisten trifft die Coronakrise ganz brutal: Geld kommt frühestens im September wieder rein

Fotograf und Journalist Alexander Wagner im Büro in seiner Wohnung.

Fotograf und Journalist Alexander Wagner im Büro in seiner Wohnung.

Sport- und Eventfotograf Alexander Wagner steht vor dem Nichts. Der 51-jährige arbeitet seit 20 Jahren als selbständiger Fotograf und Journalist. Weil die Margen in seiner Branche knapp sind, konnte er sich nie Reserven anlegen – und zittert nun deshalb um seine Zukunft als Selbstständiger.

Dass ihn die Coronavirus-Pandemie ganz brutal treffen würde, war Alexander Wagner schon sehr früh klar. «Als der Reusslauf in Bremgarten, immerhin der zweitgrösste Laufanlass im Kanton, am Tag vor seiner Austragung abgesagt wurde, war mir klar, dass es dramatisch werden wird», sagt der 51-jährige Fotograf, Journalist und Präsident der Vereinigung Aargauer Sportjournalisten (VASJ).

Etwas mehr als einen Monat später sieht er sich in seiner Annahme bestätigt. Wagner, in der Sportszene unter seinem Kürzel «awa» bekannt, treffen die Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus direkt ins Mark.

Als selbstständiger Sport- und Eventfotograf hat er schlicht und einfach keine Aufträge mehr. «Vom Kasperlitheater für Kinder über den Handball-Cupfinal bis hin zur Aargauer Sport-Gala und Generalversammlungen – die Veranstaltungen wurden reihenweise abgesagt», sagt er und ergänzt: «Meine Aufträge wurden storniert, die Bezahlung ist futsch.»

Das lange Warten auf neue Aufträge

Zwar zeigen sich einzelne Auftraggeber und Veranstalter kulant, erstatten Wagner einen Teil der vereinbarten Auftragssummen. Doch das reicht nicht, um die massiven Einkommensausfälle zu decken.

Besonders bitter ist auch, dass selbst die mittelfristigen Aussichten kaum Besserung versprechen: «Mir werden bereits Aufträge von Ende Mai und Anfang Juni storniert. Weil der Juli als Ferienmonat seit jeher schwach ist, heisst das für mich, dass ich erst ab August wieder mit Aufträgen rechnen kann – wenn sich der Alltag bis dahin wieder etwas eingerenkt hat», sagt Wagner.

Geld fliesst also frühestens wieder im September, wenn seine Kunden ihre Rechnungen begleichen.

Ärger über alt Grossrat Markus Kunz

«Wie ich finanziell überleben soll, weiss ich nicht. Ich brauche von irgendwoher Geld», sagt Wagner, der sich sowohl beim RAV als auch für die in Aussicht gestellten Bundesgelder angemeldet hat. Inwiefern sein Berufsstand aber von Letzteren profitieren wird, steht derzeit noch in den Sternen.

Umso mehr ärgert es Wagner, wenn er in der Zeitung liest, dass alt Grossrat Markus Kunz auch von Kleinunternehmen erwartet, dass sie sich drei bis vier Monate über Wasser halten können: «Es mag sein, dass es in gewissen Branchen möglich ist, sich eine ‹Kriegskasse› für schwierige Zeiten anzulegen. Unsere Margen sind aber so tief, dass das nicht geht. Wir leben von der Hand in den Mund. Ich muss meine eiserne Privatreserve anzapfen, um Rechnungen zu bezahlen und einzukaufen», sagt der in Mellingen wohnhafte ehemalige Sportredaktor des damaligen Badener Tagblatts.

Die Zukunft ist völlig offen

Wie es weiter gehen soll, weiss Wagner nicht. Auch Gedanken über ein Ende seiner Selbstständigkeit hat er sich gemacht – «gezwungenermassen», wie er betont.

Gerade einmal zwei kleinere Aufträge hat er in den vergangenen zwei Wochen erhalten. Den Rest der Zeit sitzt er im Büro in seiner Wohnung ab – immer in der leisen Hoffnung, doch noch einen unerwarteten Auftrag zu erhalten.

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