Gerade einmal 48 Stunden ist es her, da hat die Welt noch ganz anders ausgesehen: Der HSC Suhr Aarau stand mit dem Rücken zur Wand und musste nach zwei Niederlagen in Serie einen Weg finden, das vorzeitige Saisonende zu verhindern. Das ist mit dem 29:25-Sieg auswärts in Thun gelungen. In der Playoff-Viertelfinalserie gegen Wacker Thun steht es 2:2 Unentschieden, heute Abend kommt es in der Aarauer Schachenhalle zur Finalissima um den Halbfinaleinzug.

Darauf hätten im Vorfeld von Spiel 4 wohl nur die Mutigsten gewettet. Auch Zeno Läber nicht: «Ich muss zugeben, ich habe den HSC nach der Heimniederlage bereits abgeschrieben. Ich war sehr überrascht, wie die Mannschaft in Thun aufgetreten ist. Das hat mich extrem gefreut», sagt der 43-Jährige.

Läber weiss, wovon er spricht. Er war Ende der 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre wesentlicher Bestandteil des TV Suhr und stemmte zusammen mit Leistungsträgern wie Suik-Huong Lee, Goran Perkovac, Robbie Kostadinovich und Carlos Lima gleich zwei Mal in Serie den Meisterpokal.

Zeno Läber ist mittlerweile 43-jährig.

Zeno Läber ist mittlerweile 43-jährig.

Dass Läber am Dienstagabend nicht mehr so richtig an den HSC geglaubt hat, zeigt sich auch darin, dass er die erste Halbzeit der Partie eher nebenbei auf dem Handy im Livestream verfolgt hat. «In der Pause habe ich dann auf den grösseren Bildschirm gewechselt, um das Spiel genauer verfolgen zu können.» Läber gefiel, was er zu sehen bekam. Er ist begeistert davon, dass sich der HSC von den beiden Niederlagen zuvor nicht hat beeindrucken lassen und sich am Dienstag mit viel Vehemenz in die Serie zurückgekämpft hat.

Die Vorfreude auf Spiel 5 ist gross

Läber freut sich schon auf das alles entscheidende Spiel 5 von heute Abend. Er wird zusammen mit seinem ältesten Sohn in der Schachenhalle live mit dabei sein. «Ich hoffe, dass die Hütte voll wird und die Mannschaft von der guten Stimmung zum Sieg getragen wird. Mein Herz schlägt noch immer – oder wieder – für den HSC!»

Wieder deshalb, weil sich Läber nach seinem Rücktritt 2003 im Alter von gerade einmal 28 Jahren eine zehnjährige Handball-Auszeit genommen hat. «Ich habe etwas Abstand gebraucht, mittlerweile bin ich aber wieder mitten drin.»

Läber spielt selber in der HSC-Plauschmannschaft HC Hopfenperle und amtete bis in diesem Frühling als Nachwuchstrainer beim HSC. Zuletzt stieg die U13 in der abgelaufenen Saison unter Läbers Führung in die höchste Stufe ihrer Altersklasse auf – mit dabei war auch sein Sohn. Das intensive Amt hat Läber mittlerweile aber abgegeben. Dem dreifachen Familienvater, der heute bei der Post im Bereich der Geschäftsentwicklung arbeitet und in Suhr wohnt, fehlt schlichtweg die Zeit dafür.

Kaum Parallelen zu damals

Läber sieht keine grossen Parallelen des Suhrer Meisterteams um die Jahrtausendwende zum aktuellen HSC: «Klar, beim ersten Titel 1999 waren wir, wie der HSC heute, nicht Titelfavorit. Aber unser Kader war sehr prominent bestückt und rein in dieser Hinsicht etwas näher an der nationalen Spitze.»

Trotzdem ist Läber überzeugt, dass seiner Herzensmannschaft der Coup – und einem solchen käme ein Halbfinaleinzug gleich – gelingen kann. «Dafür muss beim HSC aber wohl alles zusammenpassen. Insgesamt sehe ich die Thuner etwas im Vorteil. Aber wer weiss, wenn die zweite Garnitur um Mathias Müller, Manuel Zehnder und Lukas Laube das Feuer aus der starken Partie vom Dienstag mitnehmen kann ... Ich würde es dem HSC gönnen!»

Im Jahr 2000 waren 2400 Zuschauer in der Schachenhalle

Läber erinnert sich an Spiele in den Meisterjahren, als in der Schachenhalle in den Gängen oberhalb der Tribünen mit Paletten zusätzliche Zuschauerreihen geschaffen wurden. «Ich nehme aber an, dass das heutzutage aus feuerpolizeilichen Gründen nicht mehr erlaubt wäre.»

Rund 2400 Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgten im Jahr 2000 das dritte und letzte Spiel der Playoff-Finalserie des TV Suhr gegen die Kadetten Schaffhausen – und bejubelten nach Spielschluss den Meistertitel.

So viele Zuschauer werden es heute Abend definitiv nicht sein. Rund 1500 Zuschauer beträgt das Fassungsvermögen der Schachenhalle heutzutage. Und einen Meistertitel wird es ganz sicher auch nicht zu feiern geben. Noch nicht.