Dass Nino Schurter und Jolanda Neff die grossen Stars der hiesigen Mountainbike-Szene sind und an der WM zu den Topfavoriten zählen, ist hinlänglich bekannt.

Was jedoch viele nicht wissen: Mehr als ein Viertel – nämlich zehn der 38 nominierten Schweizer WM-Starter – gehören dem Racing Club Gränichen an (siehe Box).

Das sind so viele wie noch nie zuvor. Doch was macht den Aargauer Verein zu einer der Topadressen in der Schweizer Mountainbikeszene?

Der Erfolg der Gränicher Mountainbiker ist eng verbunden mit der Person von Beat Stirnemann. Der 55-Jährige ist bereits seit 1976 Mitglied des Vereins, hat 1993 begonnen, die Nachwuchsfahrer zu coachen und brachte zwei Jahre später mit Fränzi Baumgartner die erste Athletin an eine Junioren-WM. Das war der Startschuss der intensiven Juniorenförderung beim RC Gränichen.

Der gute Ruf lockt

Stirnemann war zehn Jahre Junioren-Nationaltrainer und vier Jahre Cheftrainer der Elite mit dem Höhepunkt der Olympischen Spiele 2012 in London. Während diesen Engagements hielt er dem RC Gränichen stets die Treue und gab sein Know-how an die Athleten weiter. Alle aktuellen WM-Teilnehmer des RC Gränichen haben bei Beat Stirnemann das Mountainbike-ABC erlernt und viele von ihnen trainieren noch heute regelmässig bei ihm in Gränichen. «Dank den Erfolgen unserer Athleten erarbeiteten wir uns einen guten Ruf. Das hat weitere Fahrer angelockt. Gerade die Jungen nehmen beachtliche Wege auf sich, um bei uns zu trainieren», sagt Beat Stirnemann.

Heute trainieren gegen 60 Kinder ein bis zwei Mal wöchentlich in drei verschiedenen Stärkeklassen. Während es bei den jüngsten primär darum geht, den Spass zu vermitteln, arbeitet Beat Stirnemann mit den Besten intensiv auf hohem Niveau. In dieser Gruppe, die als regionaler Stützpunkt von Swiss Cycling geführt wird, trainieren sowohl die stärksten Nachwuchsfahrer, als auch Elite-Athleten wie Esther Süss oder Beat Stirnemanns Kinder Kathrin und Matthias, die beide zur Weltspitze gehören.

Training unter Kollegen

Zwei Nachwuchsfahrer, die in der stärksten Gruppe mittrainieren, sind Nick Baumann und Dario Gemperle. Beide besuchen die Sportkanti in Aarau und haben sich erstmals in ihrer noch jungen Karriere für die WM qualifizieren können. «Das ist für uns bislang ganz klar der grösste Erfolg», freuen sich die beiden, die bei ihrer Premiere im U19-Rennen eine Top-15-Klassierung anstreben.

Zwischen zwölf und zwanzig Stunden pro Woche trainieren die beiden. Zumeist gemeinsam mit Joel Roth, der ebenfalls und für die WM aufgeboten wurde. Die beiden schätzen die Trainings in Gränichen sehr. «Wir trainieren nicht nur zusammen, sondern wir sind gute Kollegen und unternehmen auch sonst viel gemeinsam», sagt Baumann. Und Gemperle ergänzt: «Von den Trainings mit den Profis können wir enorm viel profitieren. Sie geben uns Tipps und helfen mit ihrer Erfahrung.»

Als Vater und Fan dabei

Für die Trainingsplanung der Nachwuchsfahrer ist Beat Stirnemann zuständig, der zugleich auch der kantonale Athletenbetreuer ist und den Jungen hilft, Schule und Sport unter einen Hut zu bringen. Auch an der WM ist Stirnemann mit dabei. Wie gewohnt reist er mit dem Wohnmobil nach Tschechien. Jedoch nicht als Trainer. Diesen Job übernehmen die Nationalcoaches. Beat Stirnemann ist als Fan dabei und unterstützt seine Kinder. Den einen oder anderen Tipp wird er aber garantiert weiter geben – gerade auch an die jungen Athleten des RC Gränichen.