Für die Weltmeisterschaften der Orientierungsläufer hat Swiss Orienteering sieben Männer und sechs Frauen aufgeboten, die in Schweden um Topplatzierungen kämpfen sollen. Konkret heisst das: Sechs Medaillen sowie alles Top­-15­-Resultate bei den Frauen und Top-10-Resultate bei den Männern.

«Diese Ziele sind sehr hoch, ich bin aber überzeugt, dass wir sie erreichen können», sagt Patrik Thoma, Chef Leistungssport beim nationalen Verband. Am Mittwoch reist die WM-Delegation nach Schweden, um dort die letzten Vorbereitungen auf die Titelkämpfe in Strömstad vorzunehmen.

Die Männer nehmen mit Routinier Daniel Hubmann die WM in Angriff: Der 33-Jährige wird als amtierender Europameister über die Langdistanz und amtierender Weltmeister über die Mitteldistanz in den beiden Walddisziplinen als einer der Favoriten an den Start gehen. Zudem kann auch im Sprint mit einem Topresultat des sechsfachen Gesamtweltcupsiegers gerechnet werden.

Der gebürtige Thurgauer hat sich in seiner Karriere bisher 13 WM-Einzelmedaillen gesichert. Die Erwartungen sind entsprechend hoch und Hubmann träumt von einer erneuten Goldmedaille, aber: «Ich bin mir auch bewusst, dass es nicht immer so gut laufen kann.»

Starke Konkurrenz erhält Daniel Hubmann aus dem eigenen Team: Der 26-jährige Matthias Kyburz aus Möhlin wird ebenfalls alle Einzelrennen bestreiten. Der Sprint- und Mittel-Europameister will an der WM sein Palmarès erweitern und nach Sprint-Gold von 2012 in den Einzeldisziplinen weiteres Edelmetall holen: «Ich will in Schweden an meine Leistungen der EM anschliessen. Wenn die gleichen Ränge resultieren, wäre dies top.» 

Neben Daniel Hubmann und Matthias Kyburz kommt bei den Männern ein weiterer Schweizer zu mehreren WM-Einzeleinsätzen. Andreas Kyburz, der ältere Bruder von Matthias, wird die Mittel- und Langdistanz bestreiten. Der Fricktaler hat noch keine WM- Medaille vorzuweisen, sein bestes Einzelresultat war der fünfte Rang an den Titelkämpfen vor zwei Jahren. Zuletzt hatte Andreas Kyburz mit einer Verletzung am Fuss zu kämpfen. Die Formkurve zeigt jedoch aufwärts: «Ich bin bereit», so der 28-Jährige.

Mit Martin Hubmann (Sprint), Fabian Hertner (Mitteldistanz), Florian Howald (Mitteldistanz) und Baptiste Rollier (Langdistanz) werden vier weitere Schweizer Männer in Schweden dabei sein. Für den 24-jährigen Howald ist es die erste WM-Teilnahme seiner Karriere, während Routiniers wie Rollier und Hertner bereits auf sieben respektive neun WM zurückblicken können.

Der gebürtige Baselbieter Hertner hatte im Winter und Frühjahr mit Knieproblemen zu kämpfen und musste beispielsweise auf die EM in Tschechien verzichten: «Mit dem Gewinn eines Diploms wäre ich zufrieden», so der sechsfache WM-Medaillengewinner zu seinen Zielsetzungen.

Frauen mit Judith Wyder an Spitze

Die Schweizer Frauen nehmen die Weltmeisterschaften in Schweden mit Teamleaderin Judith Wyder in Angriff. Die Bernerin darf auf fünf WM-Teilnahmen zurückblicken, wobei sie sich schon viermal eine Goldmedaille umhängen lassen durfte. Die 28-Jährige, die im Frühling Europameisterin über die Sprintdistanz wurde und sich zudem Silber über die Mitteldistanz sicherte, will nun auch an den Weltmeisterschaften wieder zu Medaillen laufen.

Um sich optimal auf die Titelkämpfe vorzubereiten, hat Wyder seit Anfang Jahr ihren Wohnsitz vorübergehend ins WM-Land Schweden verlegt, wo sie schliesslich an den WM über die Sprint- und Langdistanz an den Start gehen wird. Das Ziel für sie ist klar: «Ich möchte mit einer Medaille nach Hause reisen.» 

Wie Wyder werden auch Sabine Hauswirth und Julia Gross zwei Einsätze in den Einzelrennen bestreiten. Die 28-jährige Hauswirth und die 25-jährige Gross gehen über die Mittel- und die Langdistanz an den Start. Einen Einzel-Einsatz bestreitet derweil Sarina Jenzer. Die 25-Jährige geht an ihrer dritten WM über die Mitteldistanz an den Start.

Hauswirth, Gross und Jenzer haben an den interkontinentalen Meisterschaften noch nie eine Einzel-Auszeichnung geholt. Dies soll sich nun sicherlich für Hauswirth ändern: «Meine Zielsetzung sti ein WM- Einzeldiplom», sagt sie.

Gar um die Medaillen mitlaufen will Rahel Friederich. Die gebürtige Baslerin nimmt mit dem Sprint sowie der Sprintstaffel die beiden schnellen Disziplinen in Angriff. Mit der Sprintstaffel feierte Friederich ihren bisher grössten Erfolg ihrer sieben WM-Teilnahmen. 2014 sicherte sich mit dem Schweizer Team die Goldmedaille.

Zu einer Premiere kommt derweil Elena Roos. Die 25-jährige Tessinerin bestreitet in Schweden ihre erste WM. Im Sprint - in dieser Disziplin hatte sie im Mai ein Diplom an den Europameisterschaften gewonnen - gibt sie ihr Debüt: «Ich freue mich auf einen anspruchsvollen Wettkampf», sagt Roos mit Vorfreude.

Staffel-Zusammensetzung offen

Die Verantwortlichen von Swiss Orienteering haben ebenfalls die Selektionen für die beiden Staffeldiszplinen vorgenommen. Die Sprintstaffel werden Judith Wyder, Rahel Friederich, Martin Hubmann und Florian Howald bestreiten. Für Howald ist es der erste Einsatz in der Sprintstaffel an internationalen Titelkämpfen.

Die Zusammensetzung für die klassische Staffel der Männer und Frauen wird erst kurzfristig publiziert und bleibt vorher lediglich teamintern bekannt.

Die Weltmeisterschaften im Orientierungslauf werden vom 20. bis 27. August in Strömstad ausgetragen. Das schwedische Städtchen liegt rund 150 Kilometer nördlich von Göteborg an der Westküste des Landes. Im Mutterland des OL-Sports erwartet die Teilnehmenden vor allem technisch anspruchsvolles Gelände.

In jeder Einzeldisziplin hat die Schweiz bei den Frauen und Männern drei Startplätze zur Verfügung. Zudem haben die amtierenden Europa- und Weltmeister in den Disziplinen Mitteldistanz und Langdistanz zusätzlich einen persönlichen Startplatz auf sicher. Davon profitieren aus Schweizer Sicht Daniel Hubmann (Mittel/Lang) sowie Matthias Kyburz (Mittel).