Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung Aargauer Sportler des Jahres?
Loris Benito: Sie macht mich stolz. Ich war schon über die Nominierung überrascht und sehr erfreut. Dass es nun sogar für den Sieg gereicht hat, ist wunderschön.

Sie sagen von sich, ein stolzer Aargauer zu sein. Welchen Bezug haben Sie noch zum Kanton?
Einen sehr grossen Bezug. Meine Familie und Freunde sind im Aargau. Meine engsten Beziehungen habe ich im Aargau. Es zieht mich immer wieder zurück in meinen Heimatkanton, in meine Heimatstadt Aarau. Ich denke sehr gern zurück an meine Kindheit im Aargau, an meine Schulzeit und an meine Schulfreunde.

Ihre ersten Schritte im Profifussball haben Sie beim FC Aarau gemacht. Wie stark verfolgen Sie den Verein noch heute?
Stark. Selbst während der Sport-Gala habe ich parallel verfolgt, wie sich der FC Aarau im wichtigen Spiel gegen Servette (3:3; die Red.) schlug. Ich drücke dem Verein bis heute die Daumen. Mein bester Freund, Olivier Jäckle, spielt immer noch beim FC Aarau. Darum bin ich in Gedanken auch immer beim FC Aarau dabei. Auch in den schlechten Zeiten, wie am Anfang dieser Saison.

Benito ist Aargauer Sportler des Jahres

Benito ist Aargauer Sportler des Jahres

Der 27-Jährige ist am Samstag zum Aargauer Sportler des Jahres gekoren. Der YB-Verteidiger bekam 30 Prozent bei der Zuschauerwahl.

Ihr Vertrag bei YB läuft im Sommer aus. Wie sieht Ihr Fahrplan aus?
So, wie es im Fussball-Business meist läuft. Sobald ein Verein Interesse zeigt, wird es einen ersten Kontakt geben. Aber daran will ich im Moment gar nicht denken. Meine Priorität hat YB, die Saison fertig zu spielen. Wir haben die Chance auf zwei Titel (Meisterschaft und Cup; die Red.), die wir unbedingt holen wollen. Der Rest wird sich ergeben. Wenn ein spannendes Angebot kommt, dann kommt es. Und wenn sich nichts ergibt, dann ist das auch okay.

Haben Sie bereits Angebote?
Nein, bis jetzt noch nicht.

Ist eine Vertragsverlängerung mit YB ein Thema?
Im Moment nicht. Ich will mir alle Optionen offenlassen. Ich fühle mich genug stark und motiviert, um noch einmal ein Auslandabenteuer zu wagen. Ich möchte das unbedingt. Darum wird es für mich im Sommer hoffentlich zu einem nächsten Schritt kommen.

Auf einen Wechsel zu spekulieren, ist auch ein gewisses Risiko. Sie waren in Ihrer Karriere schon oft verletzt. Was, wenn Sie sich jetzt verletzten und plötzlich ohne Vertrag dastehen?
An so etwas denke ich keine Sekunde. Wenn man das Verletzungsrisiko auch nur im Hinterkopf hat, kann man nicht die Leistung erbringen, die es auf dem Niveau Super League braucht. Ich gehe genau gleich in die Zweikämpfe, ob ich nun einen Vertrag habe oder nicht. Ich gebe alles für YB und will auch dem Trainer Danke sagen, dass er mir trotz meiner Pläne jedes Wochenende das Vertrauen gibt. Das ist nicht selbstverständlich.

2014 wechselten Sie schon einmal ins Ausland, vom FC Zürich zu Benfica Lissabon, und kamen zu wenigen Einsätzen. Würden Sie die Reise nun anders antreten?
Die Erfahrungen von damals helfen sicher. Doch es ist immer schwierig, sich im Ausland durchzusetzen. Egal bei welchem Verein. Aber ich würde anders gehen, was meine Person betrifft, den mentalen Bereich, aber auch die Physis. Ich schaue auf 18 erfolgreiche Monate zurück, in denen ich jedes Spiel spielen konnte. Das war vorher in meiner Karriere nicht immer der Fall. Daher würde ich gestärkt in das neue Abenteuer gehen.

Kam der Wechsel damals zu früh?
Nein. Ich würde es nochmals genau gleich machen. Die Zeit in Lissabon war wahnsinnig lehrreich. Ich wäre heute nicht der Fussballer, der ich bin, ohne diese schwierige Zeit bei Benfica.

War der Schritt zurück in die Schweiz ein Rückschritt?
Nein. Ich kam zurück, um mich für die Nationalmannschaft aufzudrängen. Dann habe ich mich bei YB aber bald verletzt und das musste warten. Ich stehe über der Kritik, dass ich mit der Rückkehr eingestand, gescheitert zu sein. Dass diese Kommentare kamen, war klar. Aber schauen wir auf Roger Federer, den grössten Sportler aller Zeiten: Sogar er wird gelegentlich kritisiert. Darum mache ich mir erst recht keine Gedanken.

Im November 2018 wurde der Traum vom Debüt für die Schweizer Nationalmannschaft dann endlich wahr.
Das war hoch emotional. Es flossen sogar Tränen. Ich bin in der Schweiz aufgewachsen, die Schweiz ist für mich mein Land. Für die Schweiz zu spielen, macht mich extrem stolz. Es war fast so etwas wie ein Geschenk an mich selbst, für die lange Zeit mit Verletzungen, die ich durchgestanden und mich zurückgekämpft habe.

Sie haben auch spanische Wurzeln. Träumten Sie nie vom spanischen Nationalteam?
Vielleicht maximal als Kind.

In Ihrer ersten Profisaison sind Sie mit dem FC Aarau aus der Super League abgestiegen. In der vergangenen Saison wurde Sie mit den Young Boys Meister. Was war emotionaler?
Der Abstieg. Nein, vielleicht auch der Meistertitel. Ich weiss es nicht. Beim Abstieg war ich frisch dabei. Ich als Mann aus Aarau bin mit dem FC Aarau abgestiegen. Ich war extrem enttäuscht und traurig. Der FC Aarau war der Unabsteigbare. Und dann abzusteigen, war extrem hart. Ich habe das vom Schmerz her fast mehr als Fan erlebt. Der Meistertitel hingegen war etwas, für das ich die ganze Saison gespielt und extrem hart dafür gearbeitet habe. Wenn man merkt, dass man nahe dran ist und es dann tatsächlich ins Ziel bringt, das ist etwas, das ich emotional nie mehr vergessen werde. Es war wunderschön, diesen Titel mit meinen Teamkollegen und den YB-Fans zu feiern.

Könnten Sie sich vorstellen, Ihre Karriere irgendwann beim FC Aarau zu beenden?
An das Ende denke ich noch lange nicht. Aber natürlich: Der FC Aarau liegt mir sehr am Herzen. Und wenn meine Karriere irgendwann mal hier enden sollte, wäre das eine schöne Geschichte.