Sechzehntelfinal
Im Schweizer Cup besteht für den FC Aarau Stolpergefahr: Klingend ist am Gegner Paradiso nur der Name

Letzte Saison stürmte der FC Aarau im Cup bis in den Halbfinal (1:2 gegen Luzern): Um dieses Kunststück zu wiederholen, muss als nächstes Sechzehntelfinal-Gegner FC Paradiso aus dem Weg geräumt werden (Samstag 18 Uhr im AZ-Liveticker). Eine schwierigere Aufgabe, als der Name des Gegners erahnen lässt.

Sebastian Wendel
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Jubel bei den Paradiso-Spielern über den Aufstieg in die 1. Liga im Frühsommer 2019.

Jubel bei den Paradiso-Spielern über den Aufstieg in die 1. Liga im Frühsommer 2019.

Gehofft haben sie auf ein Seederby gegen den grossen Nachbarn FC Lugano – nun bekommt es der FC Paradiso im Cup-Sechzehntelfinal mit dem FC Aarau zu tun. Enttäuscht? «Nein», schreibt Generalsekretär Thierry Morotti aus dem Tessin, «wir sind glücklich, gegen einen berühmten Klub aus der Challenge League zu spielen. Der Match gibt uns Präsenz auf der Schweizer Fussball-Landkarte, das ist wichtig.»

In der Tat: Vom FC Paradiso haben wohl – zumindest in der Deutschschweiz – die wenigsten schon einmal gehört. Und als die Losfee das Duell gegen Aarau zog, dürfte mancher FCA-Fan anlässlich des gegnerischen Klubnamens gedacht haben: «Wieder ein Ausflug in den Süden – und auch sportlich wohl etwa die genau gleich (kleine) Hausnummer wie in der ersten Runde Viertligist Someo aus dem Maggiatal!»

Ja, Paradiso, übrigens kein Quartier von Lugano, sondern eine eigenständige 4200-Einwohner-Gemeinde, ist in erster Linie ein Touristenziel. Hier kann man herrlich am Seeufer flanieren mit Blick auf den Springbrunnen «Fontana Paradiso», ein paar Meter weiter hinten liegt die Talstation der Standseilbahn auf den San Salvatore, inoffizieller Hausberg von Lugano und auch «Zuckerhut der Schweiz» genannt.

Doch seit einigen Jahren spielt in Paradiso auch der Fussball eine Rolle, was dem Aufstieg des ortsansässigen «FC» zu verdanken ist: Lange dümpelte man durch die unteren Ligen, ehe von 2017 bis 2019 zwei Mal hintereinander die nächsthöhere Liga erreicht wurde – und so ist seit zwei Jahren die 1. Liga die Bühne des Vereins. Mehr noch: Gemäss Generalsekretär Morotti soll im Frühling 2022 der nächste Aufstieg in die semiprofessionelle Promotion League resultieren.

Das Spielfeld des FC Paradiso - mehr ist es auch nicht. Zuschauer müssen rund um den Platz stehen.

Das Spielfeld des FC Paradiso - mehr ist es auch nicht. Zuschauer müssen rund um den Platz stehen.

Die Entwicklungen in der jüngeren Vergangenheit des 1917 gegründeten Vereins berufen auf Antonio Caggiano: Tessiner Unternehmer, Politiker und seit 17 Jahren Präsident des FC Paradiso. «Er verfolgt klare Ziele. Dank seiner Unterstützung konnte die sportliche Qualität gesteigert werden und es entstand ein Teamgeist, der seinesgleichen sucht», sagt Morotti. Bekanntester Name im Team von Trainer Fernando Cocimano ist der frühere Lugano- und St. Gallen-Verteidiger Daniele Russo, seine 35 Jahre stehen symbolisch für die routinierte Truppe der Tessiner.

Unprätentiöse Bühne zwischen Fabrikhallen

Mit neun Punkten aus vier Spielen ist Paradiso gut in die Saison gestartet – entsprechend rechnet man sich Chancen für das Weiterkommen gegen Aarau aus. «Wir sind Aussenseiter, aber wir haben Ambitionen», sagt Morotti und fügt an: «Träume gehen ja manchmal in Erfüllung.»

Ein Weiterkommen Paradisos – oder ein Ausscheiden des FC Aarau wäre für letzteren ein Albtraum. In der Liga war spielerisch zuletzt ein Abwärtstrend erkennbar gegen massiv stehende gegnerische Abwehrreihen. Das gleiche Bild dürfte sich den FCA-Profis auch gegen Paradiso bieten: Ein Gegner, der seinen Strafraum dicht macht und auf Konter gegen die anfällige FCA-Abwehr lauert.

Wie ernst Trainer Stephan Keller die Aufgabe «Paradiso» nimmt, beweist die Tatsache, dass der FCA-Car bereits am Freitag Richtung Tessin losgefahren ist. Die Spieler sollen am Samstag ohne dreistündige Busfahrt in den Knochen mit erholten Beinen in die Partie gehen.

Gespielt wird im Industriequartier Pian Scairolo - nicht gerade eine Visitenkarte für den Ferien-Hotspot Tessin.

Gespielt wird im Industriequartier Pian Scairolo - nicht gerade eine Visitenkarte für den Ferien-Hotspot Tessin.

Gespielt wird nicht in Paradiso selber, sondern hinter dem San Salvatore im Quartier «Pian Scairolo» – auf einem Kunstrasen-Platz zwischen einer Kiesgrube und Fabrikhallen. Alles andere als eine schmucke Bühne – doch weil die Basis zum Weiterkommen für den FC Aarau harte Arbeit sein wird, passt die Location im Industriequartier ganz gut. 500 Zuschauer dürfen an den Platz, Zutritt nur mit Covid-Zertifikat.

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