«Ich hätte nicht damit gerechnet, dass ich das heimbringen kann», sagte Petra Eggenschwiler im Ziel. Mit «damit» meinte sie ihren Vorsprung, den sie sich auf den 150 Radkilometern erarbeitet hatte. Die 30-jährige Solothurnerin führte zuvor das Rennen lange mit Melanie Maurer an. Das Schweizer Duo drückte zuerst kräftig aufs Lauftempo, «ich war aber nie am Limit», so Maurer.

Auf der zweiten Radrunde musste die in Wikon aufgewachsene Bernerin aber abreissen lassen. «Ich fuhr beim ersten Anstieg richtiggehend in eine Mauer, spürte, dass ich Petras Tempo nicht mitgehen kann und dass ich mein eigenes Rennen fahren muss.» Während bei der Vorjahressechsten die Kräfte allmählich schwanden, drehte die Führende so richtig auf. Bei Kilometer 135 auf dem Rad, kurz vor dem höchsten Punkt der Strecke auf dem Wiliberg, lag sie fast vier Minuten vor der gesamten Konkurrenz.

«Das grösste, was ich je errreicht habe»

Als Petra Eggenschwiler auf die abschliessenden 30 Laufkilometer wechselte, verlor Melanie Maurer bereits 6:33 auf die Leaderin. Ähnlich komfortabel war der Vorsprung der Zweitplatzierten auf den Rest des Feldes. «Weil ich wusste, dass ich ein gutes Polster habe, ertrug ich das Leiden ab Rennhälfte und nun bin ich mit dem zweiten Rang super zufrieden. Ich gönne Petra den Sieg.»

Letztere konnte ihr Glück kaum fassen, als sie 22 Minuten vor Maurer die Ziellinie passierte, zumal sie im Sommer fast nur Berglauf-Trainings absolviert hatte. Dies brachte ihr vor zwei Wochen Rang 2 am Inferno-Triathlon und die Gewissheit, auch auf dem Rad «top zwäg» zu sein. Und so entschied sich die Langendörferin quasi spontan, doch am Powerman Zofingen statt am Jungfrau Marathon zu starten. Zum Glück, denn nun ist Petra Eggenschwiler Duathlon-Langdistanz-Weltmeisterin: «Das ist das Grösste, was ich je erreicht habe, es ist Wahnsinn und es bedeutet mir sehr, sehr viel.»

Viele Aufgaben bei den Männern

Lang und prominent war die Liste der «DNF» bei den Männern. Triathlet Ronnie Schildknecht, der angetreten war, um die Duathleten herauszufordern, kämpfte sich auf dem Velo auf Platz 4 vor, eher er auf den Pflastersteinen der Altstadt, von Krämpfen geplagt, forfait gab, auch, um seinen Start am Ironman Hawaii nicht zu gefährden. Der Sieger von 2016, Seppe Odeyn (Be), erwischte «ganz schlechte Beine, es hätte keinen Sinn gemacht, weiter zu leiden». Der Zürcher Fabian Zehnder zollte seinem engagierten Rennen Tribut. Bis zur zweiten Radrunde war er vorausgeprescht, als gäbe es die letzten 30 Laufkilometer nicht, was ihm zum Verhängnis wurden.

Besser teilten sich die Franzosen Gaël Le Bellec und Yannick Cadalen die Kräfte ein und holten sich Gold und Silber. Für Le Bellec, der in Zofingen schon 2014 und 2015 triumphiert hatte, war es ein emotionaler Sieg. Mit brüchiger Stimme waren die ersten Gedanken des 30-Jährigen im Ziel bei Alistair Eeckman. Le Bellec, der im Juni nach einer zehnmonatigen Verletzungspause sein Comeback gab, und Eeckmann hatten vor zwei Wochen den Powerman Austria gefinisht, kurz darauf verstarb der 24-jährige Amerikaner bei einem Trainingsunfall.

«Er war ein aufstrebendes Talent. Ich hätte ihm einen Titel, wie ich ihn heute gewonnen habe, auch einst gewünscht und bin dankbar, dass ich nach meiner Verletzung zurückkommen durfte.» Und wie – nach gut der Hälfte der letzten 30 Laufkilometer überholte Le Bellec Cadalen und kontrollierte das Rennen von der Spitze aus. «Die letzten 10 Kilometer waren die längsten 10 meines Lebens», so der Weltmeister.