Volleyball

Schönenwerd-Trainer: «Volleyball gibt mir einen Kick – genetisch bedingt»

Hat nun Zeit für seine Familie: Bujar Dervisaj.

Hat nun Zeit für seine Familie: Bujar Dervisaj.

Er ist ein Fanatiker und ein Perfektionist. Trainer Bujar Dervisaj will am Mittwoch (19.30 Uhr, Mülimatt in Windisch) mit dem TV Schönenwerd in die dritte Runde des Europacups einziehen.

Montagmorgen. Es ist der einzige Halbtag, den Bujar Dervisaj nicht in einer Sporthalle verbringt – Samstag und Sonntag eingeschlossen. Doch selbst dann schafft es der 48-Jährige nicht, Abstand von seinem Sport zu gewinnen. «Der Montagmorgen ist für die administrativen Arbeiten reserviert», sagt Dervisaj. Am Nachmittag steht er bereits wieder in der Halle und leitet das Training der Nachwuchsvolleyballer von SwissVolley der Region Aargau, wo er seit fünf Jahren Chef Leistungssport und Nachwuchsförderung ist. Eigentlich eine 100 Prozent Stelle, doch Dervisaj ist seit zwei Jahren auch noch Coach des NLA-Vereins TV Schönenwerd. So dauern seine Arbeitstage regelmässig bis spät in die Nacht, denn schliesslich müssen die Trainings auch vor- und nachbereitet werden.

Fanatiker und Perfektionist

Bujar Dervisaj hat hohe Ansprüche an seine Arbeit. Er ist ein Perfektionist mit unbändigem Siegeswillen. Bereits als Spieler zeichneten ihn diese Fähigkeiten aus. Dervisaj, der in Pristina aufgewachsen war, durchlief die harte Volleyballschule im ehemaligen Jugoslawien. Eine Zeit, die ihn geprägt hat. «Es wurde mit sehr viel Druck gearbeitet. Der Trainer grüsste uns nicht, er schrie uns lediglich während des ganzen Trainings an. Das war sehr hart», blickt er zurück.

Doch Dervisaj biss sich durch. Als Profi war er in Griechenland und danach 18 Jahre in Deutschland tätig. Zuerst als Spieler, dann als Trainer. «In Oldenburg war ich zwei Saisons Spielertrainer. Aber die Belastung war zu gross. Ich erkrankte an Gürtelrose und entschied mich, bereits mit 28 nur noch als Trainer zu arbeiten.» Ganz konnte er die Finger auch als Trainer nicht vom Spielen lassen. Wenn sich ein Spieler verletzte, sei er auch in der Meisterschaft ab und zu wieder aufs Feld, gesteht er.

2008 ist Bujar Dervisaj mit seiner Frau Merita und seinen Kindern Flaka (23) Granita (21) und Leon (17) nach Unterentfelden gezogen, um als Trainer für SwissVolley zu arbeiten. Dabei verfolgt er eine klare Philosophie: «Ich will meinen Spielern mit Ehrlichkeit und Offenheit die Freude am Volleyball vermitteln. Sie sollen jedes Spiel geniessen und als geschlossene Einheit auf dem Platz kämpfen.»

Der Erfolg gibt ihm Recht. 15 Spieler aus der Talentschule sind in der Junioren-Nati und mit Schönenwerd steht er dank dem 3. Rang in der letztjährigen Meisterschaft erstmals im Europacup. Nach dem 3:1-Auswärtssieg gegen den zypriotischen Vertreter Pokka A.E. Karava steht heute Abend das Rückspiel auf dem Programm (19.30 Uhr, Mülimatt in Windisch). Dem TV Schönenwerd genügen zwei Satzgewinne für den Einzug in die nächste Runde. Dass der ehrgeizige Mann an der Seitenlinie den Sieg anpeilt und nicht zwei gewonnene Sätze, liegt auf der Hand. «Wir müssen noch aggressiver auftreten als im Hinspiel», fordert Bujar Dervisaj, der im kommenden Jahr auch noch Junioren-Nationaltrainer wird.

«Ich bin ein wenig verrückt»

Woher er die Zeit für sein drittes Traineramt nimmt, weiss er noch nicht. Etwas weiss er aber ganz genau: «Volleyball gibt mir einen Kick, den ich nicht beschreiben kann. Ich bin ein wenig verrückt, aber das ist genetisch bedingt. Ich wurde so geboren.» Obwohl diese Aussage von einem Schmunzeln begleitet wird, lässt es keine Zweifel am Inhalt aufkommen – im Gegenteil.

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