Mittwochnachmittag, 13.57 Uhr. Endlich ist fix, was sich mehr und mehr abgezeichnet hat: Die FC Aarau Frauen spielen in der kommenden Saison definitiv in der NLA – zum ersten Mal wieder seit 39 Jahren. Als Drittplatzierte der Auf-/Abstiegsrunde erben sie den Platz des FC Neunkirch, der sein Fanionteam nur vier Tage nach dem Gewinn des Meistertitels und damit des Doubles aus der NLA zurückzieht.

Ein echter Krimi bis zum definitiven Bescheid

Was war das für ein Krimi, den die FC Aarau Frauen in den vergangenen Tagen und Stunden durchlebt haben. Zuerst der vergeigte Aufstieg, dann die kursierenden Gerüchte um den FC Neunkirch, die regelmässig zwischen Rückzug des Teams und der Rettung in letzter Sekunde hin und her pendelten.

Seinen Höhepunkt erreicht der Krimi aber erst am Mittwochmorgen, als der FC Neunkirch auf seiner Website den Rückzug aus dem Frauen-Spitzenfussball bekannt gibt. Schnell ist beim Verband zu erfahren, dass die FCA-Frauen damit in die NLA nachrücken. Nur kurz darauf folgt aber das Dementi, es sei noch nicht ausgeschlossen, dass der FC Schaffhausen die Organisation inklusive des NLA-Platzes doch noch übernehme. Den Aarauerinnen bleibt nichts anderes übrig, als zu warten. Schlimmstenfalls bis zum Ablauf der Meldefrist beim Verband am 30. Juni.

Whatsapp-Gruppenchat droht zu explodieren

Das ganz grosse Warten bleibt den FCA-Frauen dann aber doch erspart. Um 13.57 Uhr informiert der SFV die Klubs via E-Mail über den definitiven Rückzug des FC Neunkirch aus der NLA und legt gleich dar, wie es für die direktbeteiligten Klubs weiter geht: Der Drittplatzierte der Auf-/Abstiegsrunde spielt demnach in der Spielzeit 2017/18 definitiv in der NLA.
Kurze Zeit später leitet Andreas Zürcher, Trainer und Technischer Leiter der FC Aarau Frauen, den Bescheid des SFV an seine Spielerinnen weiter.

«Wir greifen wieder an!»: Trainer Andreas Zürcher.

«Wir greifen wieder an!»: Trainer Andreas Zürcher nach dem 1:1 gegen Worb am Wochenende.

Es ist der Moment, als der Whatsapp-Gruppenchat der FCA-Frauen zu explodieren droht. «Das war ein ganz schlimmer Morgen», sagt Zürcher. «Die Drähte liefen ab dem Moment heiss, als es plötzlich überall hiess, wir seien aufgestiegen. Gleichzeitig wusste ich, dass es noch nicht fix ist. Für mich wäre es das Schlimmste gewesen, wenn ich meinen Spielerinnen hätte mitteilen müssen, dass doch nichts aus dem Aufstieg wird.»

Konzentrationsschwierigkeiten in der Schule

Dieses Szenario bleibt Zürcher erspart. Auch für das Team waren die vergangenen Tage und Stunden eine echte Nervenprobe. «Ich habe den Display meines Handys keine Sekunde aus den Augen gelassen», sagt Verteidigerin Nicole Tiller. Die 17-jährige Sportkanti-Schülerin bekundete am Mittwoch verständlicherweise Konzentrationsprobleme im Unterricht.

«Obwohl wir alle daran geglaubt haben, kann ich es irgendwie noch gar nicht so richtig fassen», sagt die Suhrerin und fügt an: «Ich freue mich riesig, mit diesem Team in der NLA spielen zu dürfen.» Tiller vergisst auch nicht, die grossartige Unterstützung der «Szene Aarau» zu erwähnen: «Was da abgegangen ist, ist Wahnsinn. Das hat uns unglaublich gepusht.»

«Wir haben gekämpft»: Julia Höltschi

«Wir haben gekämpft»: Julia Höltschi nach dem – vorerst – verpassten Aufstieg am Wochenende.

«Die Freude ist umso grösser»

Auch Michelle Stierli ging der Krimi der vergangenen Tage an die Substanz: «Die Enttäuschung am Samstag war unglaublich gross. Danach habe ich versucht, die Spekulationen, um ein Nachrücken unseres Teams auszublenden. Jetzt ist die Freude dafür umso grösser», sagt die 19-jährige aus Muri. Die Tränen vom Samstag, als die FCA-Frauen den zweiten NLA-Platz hinter den Grasshoppers am letzten Spieltag der Auf-/Abstiegsrunde noch Yverdon überlassen mussten, sind bei der Sportkanti-Schülerin längst vergessen. «Es war schon immer mein Ziel, in der NLA zu spielen. Dass das nun mit diesem tollen Team klappt, ist schlicht und einfach grossartig.»

Für Trainer Zürcher geht es unmittelbar nach dem definitiven Aufstieg gleich in die Vollen: «Der Juni ist extrem arbeitsintensiv, da warten lange Tage auf mich.» Er will sein Team mit «drei bis vier Zuzügen» verstärken. Sein Ziel ist es, mehr Breite und auch noch etwas mehr Erfahrung und Routine ins Team zu bringen.

Kommt Edelhelferin Mehmeti zurück?

Dass da Jehona Mehmeti – die 26-Jährige hat die FCA-Frauen während der Auf-/Abstiegsrunde kurzfristig verstärkt – wieder zum Thema werden könnte, liegt auf der Hand. Unmittelbar nach ihrer vorerst letzten Partie im FCA-Dress hatte sie gegenüber der «az» gesagt: «Ich bin geschäftlich stark eingebunden. Aber weil mich das Team so gepackt hat, kann ich mir durchaus vorstellen, zwischendurch einmal auszuhelfen.» Eine unwiderrufliche Absage klingt auf jeden Fall anders.

«Wir haben uns mehr vorgenommen»: Jehona Mehmeti

Jehona Mehmeti: «Ich bin geschäftlich stark eingebunden. Aber weil mich das Team so gepackt hat, kann ich mir durchaus vorstellen, zwischendurch einmal auszuhelfen.»

Das ist aber noch Zukunftsmusik. Die NLA-Saison beginnt Ende August. Gestern Abend wurde nun erst einmal der Aufstieg gefeiert: Anstelle des ursprünglich geplanten Trainings wurde kurzfristig ein gemeinsames Nachtessen in Aarau angesetzt – ganz ohne Spekulationen darum, ob es tatsächlich stattfinden soll. Der Krimi ist vorbei.

Am Samstag gab es noch Tränen, am Mittwoch sind diese vergessen: