Serie Lenzburg Hurricanes
Schlechte Trainingsmoral: Lenzburger Inlinehockey-Trainer schmeisst den Bettel hin

Hurricanes-Spielertrainer Daniel Maurer entbindet sich per sofort von seiner Aufgabe als Trainer. Die unzureichende Trainingsmoral der Spieler sei einer der Hauptgründe für seinen gewichtigen Entscheid.

Calvin Stettler
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Pure Ernüchterung - die Hurricanes stehen führerlos da.

Pure Ernüchterung - die Hurricanes stehen führerlos da.

Calvin Stettler

Und plötzlich verabschiedet sich das Flutlicht – früher als geplant. Die fehlende Sicht setzt einem folgenschweren Abend auf dem Wohlener Freiluft-Hockeyfeld ein gespenstig treffendes Ende.

Denn die Wirbelstürme tappen von nun an im Dunkeln. Grund dafür ist ein unerwartet abrupter Abschied. Spielertrainer Daniel Maurer gab seinen Rücktritt bekannt. Ein wahrer Paukenschlag.

Der 30-Jährige tritt sein Traineramt per sofort ab und figuriert von nun an nur noch als Spieler in den Reihen der Lenzburger. Eine Nachricht, die viel Diskussions- und Interpretationsstoff liefert.

Seit Januar kein vollzähliges Training

Sein Entscheid sei nicht von gestern auf heute gefallen, bekräftigt Maurer im Gespräch nach seinem letzten Training unter seiner Leitung. «Es war ein schleichender Prozess, denn bereits vor ein paar Jahren habe ich der Mannschaft mit meinem Ausstieg gedroht.»

Dieser wird jetzt zur Tatsache. Dabei wollten die Hurricanes gerade jetzt nach der Sommerpause noch einmal richtig angreifen. «Wir nahmen uns vor, dass wir im Hinblick auf die Playoffs disziplinierter und fokussierter trainieren und spielen werden». Dieses Ziel hatte man sich ursprünglich schon im Frühjahr gesetzt.

Die Bilanz fällt allerdings nüchtern aus. «Es kann nicht sein, dass wir seit Januar noch nie eine vollzählige Trainingseinheit durchführen konnten», so der resignierte Maurer.

Generell könne er den nonchalanten Auftritt seiner Hurricanes nicht ganz nachvollziehen. Eine prinzipielle Unachtsamkeit und regelmässige Verspätungen schlichen sich in der letzten Zeit ein. Das seien nicht die Tugenden, die ein Daniel Maurer fordert: «Wenn ich beispielsweise zu spät wäre – was jedem durchaus einmal passieren kann -, dann würde ich regelrecht zum Training spurten und während der gesamten Einheit Vollgas geben – das ist das Mindeste».

Es ist also die Frage des Willens, die bei den Hurricanes gestellt wird. Wie viel darf man als Inlinehockey-Trainer verlangen und wie weit dürfen sich die Ideologien innerhalb eines Teams entfernen?

Viele offene Fragen

Es sind schwierige Fragen, die Maurer mit seinem sofortigen Rücktritt auf eine akkurate Weise beantwortet. Er, der letzte Gründungsvater des Vereins, hat vorerst genug gesehen. Nun konzentriert sich Maurer erstmal auf seine neue Aufgabe als reiner Feldspieler.

Doch da stehen bereits die nächsten Konflikte an: Wie wird er im Team als reiner Spieler aufgenommen? Kann er die taktischen Anordnungen Mitspielern gegenüber einfach einstellen? Was passiert, wenn es tatsächlich ein neues Gesicht an der Bande geben wird? Wird es dann Hierarchie-Differenzen geben? Wie geht Maurer damit um, wenn ihm plötzlich seine Einsatzzeit gekürzt würde? Gäbe es Widerstand oder würde er sich den Anweisungen eines neuen Generals einfach unterordnen?

Zwei Dinge stehen auf jeden Fall fest: Vereinsbindeglied Maurer will unter diesen Umständen nicht weiter machen und den Hurricanes stehen mit Sicherheit aufwirbelnde Tage bevor. Mit oder ohne Daniel Maurer in der Rolle des Strategen.