Was waren das für friedliche Zeiten Anfang, Mitte der 1990er-Jahre. Der FC Wohlen dümpelte auf dem legendären Sportplatz Paul-Walser-Stiftung in den Niederungen der 2. Liga und spielte gegen Brugg, Spreitenbach und den SC Schöftland. Nach dem Schlusspfiff feierten die Fans mit ihren kleinen Idolen in der nicht mehr ganz taufrischen Stadionbeiz und machten die Nacht zum Tag. «Früher im Amateurbereich war alles einfacher, lockerer und gemütlicher», schrieb mir ein Anhänger des FC Wohlen Anfang dieser Woche. Nicht etwa per Mail, nein, ich erhielt einen von Hand geschriebenen Brief. Das gibt es tatsächlich noch. Ja, ja, die modernen Zeiten!Dort, wo früher die Paul-Walser-Stiftung mit der altehrwürdigen Holztribüne war, stehen heute Einkaufszentren mit vielen Parkplätzen und einem Laden für Hundefreunde mit dem vielsagenden Namen Fressnapf.

Mag sein, dass der FC Wohlen mit dem Aufstieg in die Challenge League 2002 eine Sensation geschafft hat. Mag sein, dass der Verbleib in der zweithöchsten Spielklasse bis zum heutigen Tag ein kleines Wunder ist. Aber was bleibt dem FC Wohlen ausser sportlichen Auszeichnungen? Unter dem Strich erinnert man sich vor allem an Negatives. An Funktionäre wie die Ehrenpräsidenten René Meier und Andy Wyder, die für das Wohl des Vereins während Jahrzehnten einen Grossteil ihrer Freizeit opferten, sich dann aber wegen der leidigen Geschichte um den Doppelvertrag im «Fall Wellington» vor dem Bezirksgericht Bremgarten zu verantworten hatten. Oder an das kurze Gastspiel von Geschäftsführer Urs Bächer,der wegen des gleichen Falls seinen Job verlor und ebenfalls vor Gericht stand.

Das Sportliche steht im Hintergrund

Und die Negativschlagzeilen rund um den FC Wohlen nehmen kein Ende. Vor dem Heimspiel gegen Wil spricht man in der Freiämter Metropole nicht in erster Linie über Fussball, über das Fehlen der gesperrten Spieler Nico Abegglen und Olivier Kleiner und den wegen einer Innenbandverletzung im Knie nicht einsatzfähigen Cristian Ianu. Nein! Man diskutiert momentan vor allem über ein Referendums-Komitee, das Unterschriften gegen einen vom Einwohnerrat der Gemeinde bewilligten Kunstrasen auf dem Hauptplatz im Stadion Niedermatten sammelt. Und treffen in Wohlen Sympathisanten und Gegner des ortansässigen Fussballklubs aufeinander, sind in der Regel die Dreckschleudern nicht weit. Wieder einmal ist ein Kleinkrieg angesagt. Schade eigentlich! Aber was soll’s? Ob Sport, ob Politik; viel schlechter kann das Image von Wohlen wirklich nicht mehr werden.