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Schiefer Haussegen auf der Trinermatten

Trotz einer gelungenen Vorrunde wurde Radovan Nikolic beim SC Zofingen II als Trainer entlassen. Nun haben 13 von 16 Spielern die Mannschaft verlassen.

Pascal Kamber
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«Meine Spieler wissen, dass ich eine sehr disziplinierte und in höchstem Masse organisierte Person bin.» Radovan Nikolic, ehemaliger Trainer des SC Zofingen II.

«Meine Spieler wissen, dass ich eine sehr disziplinierte und in höchstem Masse organisierte Person bin.» Radovan Nikolic, ehemaliger Trainer des SC Zofingen II.

Otto Lüscher

Die zweite Mannschaft des SC Zofingen war eine der Lichtblicke in der vergangenen Vorrunde. Obschon der 3.-Ligist in Gruppe 1 am letzten Spieltag vor der Winterpause die Tabellenspitze abgeben musste, weist er im Vergleich mit sämtlichen Ligakonkurrenten die zweitbeste Offensive und die drittbeste Defensive auf. Dennoch scheint der Haussegen schief zu hängen. Spielertrainer Radovan Nikolic musste seinen Platz an der Seitenlinie räumen und wurde durch Aleksandar Veljanovski, Coach des Team Regio Zofingen A (TRZA), ersetzt. In der Folge solidarisierte sich ein Grossteil der Mannschaft mit Radovan Nikolic, 13 von 16 Spielern verliessen den Thutstädter Klub.

Vorwürfe gegen die Sportkommission

Nach dem Eklat erhebt Radovan Nikolic nun Vorwürfe in Richtung der Sportkommission des SC Zofingen, welche aus Daniel Erni, Daniel Kirchhoff und Mauro Nembrini zusammengesetzt ist. In einem Gespräch sei er vor vollendete Tatsachen gestellt worden. «Sie teilten mir mit, dass die Zusammenarbeit beendet wird, weil meine Philosophie nicht mit jener des Vereins übereinstimmt», sagt der 33-jährige Ex-Spieler des SC Zofingen. Dabei sei er der Ansicht, dass der eingeschlagene Weg kein schlechter war.

«Das belegen die Resultate», sagt Nikolic, für den die Entlassung «einem grossen Vertrauensbruch» gleichkommt. Ihn ärgern nämlich die aus seiner Sicht fadenscheinigen Begründungen, dass er mehrere Termine mit der Sportkommission verpasst habe oder das Gerücht aufkam, mehrere Akteure seiner Mannschaft hätte den Mitgliederbeitrag nicht bezahlt. «Meine Spieler wissen, dass ich eine sehr disziplinierte und in höchstem Masse organisierte Person bin», erklärt Nikolic. Der gebürtige Serbe vermutet zudem, dass nicht nur sportliche Gründe den Ausschlag zur Trennung gaben. «Nachdem ich seinen Sohn im Meisterschaftsspiel gegen Lenzburg II nicht aufgestellt habe, verweigerte mir Daniel Erni vor versammelter Mannschaft den Handschlag», sagt Nikolic, «seither war mir klar, dass es sich auch um eine persönliche Angelegenheit handelt.»

Viel investiert

Für Daniel Kirchhoff, der in der Sportkommission für die Betreuung der zweiten Mannschaft zuständig ist, sind Radovan Nikolics Vorwürfe haltlos. Er betont, dass man ihn nicht entlassen habe, um Aleksandar Veljanovski als neuen Trainer zu installieren. «Radovan ist kein schlechter Trainer, ich schätze ihn als sehr talentiert ein», sagt Kirchhoff. Er bestätigt aber die verschiedenen Auffassungen, was die Arbeit mit der zweiten Mannschaft des SC Zofingen betrifft. «Wir sind davon überzeugt, dass die getroffene Lösung der Philosophie des Vereins besser entspricht», so Kirchhoff.

Künftig soll Veljanovski als Bindeglied zwischen der ersten und zweiten SCZ-Equipe sowie dem TRZA-Team dienen. Deshalb habe die Sportkommission mit dem Entscheid nicht bis zum Ende der Saison warten wollen, obschon es sportlich relativ rund lief. «Wir sind zwar Tabellenfünfter, aber wir wollen an die Spitze und haben dafür viel investiert», sagt Kirchhoff. Die zweite Mannschaft kam etwa in den Genuss von einem breiten Materialangebot oder profitierte von den Diensten eines medizinischen Betreuers.

Gerüchte erweisen sich als falsch

«Das ist auf 3.-Liga-Niveau eher unüblich», erklärt Kirchhoff. Die geschaffenen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeit seien jedoch nur ungenügend umgesetzt worden. «Wir haben gegen das Schlusslicht verloren», sagt das SCZ-Vorstandsmitglied, «da frage ich mich, ob es nicht auch an der Taktik oder Einstellung der Spieler und des Trainers lag.»

Das Gerücht betreffend des ausstehenden Mitgliederbeitrags sei laut Daniel Kirchhoff ebenso erfunden wie der Vorwurf, dass Daniel Erni seine Position in der Sportkommission als Vater eines Spielers missbraucht habe. «Sein Sohn hat zwar keine gute Vorrunde gespielt, aber das hat nichts mit unserem Entscheid zu tun», betont Kirchhoff. Er erwarte von seinen Kommissions-Kollegen, «dass sie die Vaterrolle in ihrem Amt nicht wahrnehmen.» Im Hinblick auf die Rückrunde werden die vielen Abgänge bei der zweiten Mannschaft des SC Zofingen mehrheitlich mit jungen Akteuren aus dem eigenen Nachwuchs kompensiert. «Wir sind aber auch daran interessiert, den einen oder anderen Zwei-Spieler doch noch halten zu können», signalisiert er Gesprächsbereitschaft.

Radovan Nikolic hat die Sache indes abgehakt, auch seinen Spielern zuliebe. «Trotz allem möchte ich dem SC Zofingen danken, dass ich die Möglichkeit erhalten habe, mich als Trainer weiter zu entwickeln.»

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