Laufsport

Samuel Kellers hohe Ziele am Gigathlon

Samuel Keller lief seinen ersten Marathon in 2:30 Stunden.

Samuel Keller lief seinen ersten Marathon in 2:30 Stunden.

Der Gebenstorfer Samuel Keller ist ein ausgezeichneter Orientierungsläufer und Strassenläufer. Doch der 23-Jährige ist zwischen den beiden Welten gefangen. Denn er ist in beiden Disziplinen eine Spur zu wenig gut, einem nationalen Kader anzugehören.

Der Gebenstorfer Samuel Keller ist ein ausgezeichneter Orientierungsläufer und ein ausgezeichneter Strassenläufer. Der 23-Jährige pendelt elegant von einer (Lauf-)Welt in die andere. Und dennoch ist er irgendwo dazwischen gefangen. Denn letztlich ist Keller in beiden Disziplinen eine Spur zu wenig gut, um einem nationalen Kader anzugehören.

So gilt für sein Leistungssportlerdasein die Gleichung: Investieren wie ein Millionär, ernten wie ein Bettler. «Deshalb ist die Frage, die sich mir für die Zukunft stellt, nicht, ob ich auf OL oder auf Strassenlauf setzen soll. Sondern die Frage: Leistungssport ja oder nein», sagt der ETH-Student.

Beantworten kann er sie noch nicht. Nur feststellen: «Mit einem deutlichen Stück weniger Trainingsaufwand könnte ich noch immer auf einem guten Niveau Wettkämpfe bestreiten.» Mit dem Bachelor in Geomatik und Planung in der Tasche wird er sich in zweieinhalb Jahren der Berufswelt zuwenden. Er sieht sich in der Raum- und Verkehrsplanung. Spätestens der Schritt ins Berufsleben wird ohnehin eine Bestandesaufnahme auch im Leistungssport erfordern.

Von Haus auf ist Samuel Keller Orientierungsläufer. Wobei der Tanz auf zwei Hochzeiten bereits eine Spezialität seiner Mutter Jacqueline Keller war und ist. Die Gebenstorferin ist wahrlich eine Ikone des Aargauer Laufsports. Von ihr hat er die Faszination für das Rennen geerbt. Im OL gehörte Keller dem Nachwuchskader an, nahm erfolgreich an einer Junioren-Weltmeisterschaft teil.

Knapp hinter den Kaderathleten

Den Sprung ins Elite-Kader verpasste der laufstarke Aargauer allerdings und nun reiht er sich regelmässig knapp hinter den absoluten Cracks der Szene ein. Kellers Problem ist auch ein wenig, dass die Schweiz ins Sachen OL-Cracks die weltweit grösste Dichte hat.

Ein 14. Platz an der Schweizer Sprint-Meisterschaft und eine starke Leistung im WM-Testlauf über die Mitteldistanz mögen zwar beachtliche Erfolgsmeldungen sein, aber sie bringen letztlich nichts Zählbares ein. «Im Moment reicht es mir im OL nicht einmal für einen internationalen B-Anlass», erkennt der 23-Jährige.

Und das «Hamsterrad» dreht unerbittlich: Ohne Kaderzugehörigkeit kommt Keller nicht zu genügend spezifischen Kartentrainings und so wird der Abstand zur nationalen Spitze sicher nicht kleiner. Die Chance, dass bei der nächsten Elite-Kaderselektion ein erfolgreicher Junior vor ihm den Sprung schafft, ist gross. «Ich habe nun mal nicht das Talent eines Matthias Kyburz», sagt Keller mit dem Verweis auf den Sprint-Weltmeister aus Möhlin.

Dennoch übt OL auf Keller die grössere Faszination aus, als der Laufsport. Selbst wenn der Gebenstorfer der derzeit beste Aargauer Strassenläufer ist. «Beim OL weiss ich, wie weit weg ich von der Spitze bin», sagt er. Auf der Strasse sei der Vergleich schwieriger. Für OL geht Samuel Keller auch weite Wege.

Knapp hinter den Kaderathleten

Den April verbrachte er in Schweden, um sich auf die bedeutendste Staffel der Welt vorzubereiten. Und prompt zeigte er auf der Startstrecke der «Tiomila» eine sehr starke Leistung, kam mit weniger als einer Minute Rückstand auf die Weltbesten zur Übergabe. Und nach dem Gigathlon führt ihn der sportliche Weg erneut nach Schweden zum berühmten 5-Tage-OL.

Emotional ist Keller dem OL verbunden, leistungsmässig kann er aber auch auf der Strasse mit aussergewöhnlichem Potenzial überzeugen. Wer als 23-Jähriger seinen ersten Marathon in 2:30 Stunden läuft (Barcelona Ende März 2015), darf sich für die Zukunft einiges ausrechnen. Samuel Keller bleibt Realist. «Um sich im Marathon für einen Grossanlass aufzudrängen, muss man 2:15 laufen. Dieses Ziel erscheint mir derzeit noch sehr weit weg. Um eine solche Zeit in Angriff zu nehmen, brauchst du brutal viel Motivation.»

Genügend motiviert ist Samuel Keller auf jeden Fall hinsichtlich des Gigathlons. Dort will er als Läufer mit dem Team «aargauersport.ch» um den Sieg mitkämpfen. Die Routen hat er bereits inspiziert. Für die coupierten Strecken mit Passagen auf schmalen Waldwegen sind seine Fähigkeiten aus OL und Strassenlauf vielleicht die perfekte Kombination.

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