FC Aarau

«Sag es bitte nicht den Spielern»: Aarau-Verteidiger Schindelholz denkt auch nach der Krebs-Diagnose ans Team

Diagnose Lungenkrebs: FCA-Spieler schwer erkrankt

Diagnose Lungenkrebs: FCA-Spieler Nicolas Schindelholz schwer erkrankt – der Bericht von Tele M1.

Was zunächst nach einer verschleppten Lungenentzündung aussah, entpuppte sich als niederschmetternde Diagnose: Aarau-Verteidiger Nicolas Schindelholz hat Lungenkrebs. Sportchef Sandro Burki lobt den 32-jährigen für dessen Teamdenken.

Als der FC Aarau am Dienstagmittag einlädt, um über die Ziele für die bevorstehende Saison zu informieren, die schleppende Suche nach Neuzugängen zu erklären und das neue Trikot zu präsentieren, liegt ein Schatten über dem Anlass. Kurz zuvor hat der FC Aarau eine traurige Nachricht vermelden müssen, sie stellt die Jagd nach Punkten und alle anderen emotional diskutierten Themen rund um einen Fussballverein in den Hintergrund: Innenverteidiger Nicolas Schindelholz ist schwer erkrankt.

Die Diagnose, die der 32-Jährige in den zweiwöchigen Sommerferien von den Ärzten erhält, ist niederschmetternd: Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium. Bereits in der finalen Woche der vergangenen Saison, als der FC Aarau gegen GC (2:2) und Schaffhausen (3:2) spielte, fehlte Schindelholz. Damals gingen die Ärzte noch von einer aus dem Winter in den Sommer verschleppten Lungenentzündung aus. Weitere Abklärungen führten schliesslich zur Schockdiagnose.

Via Basel, Thun und Luzern zum FC Aarau

Der gebürtige Basler, der beim heimischen FCB fussballerisch ausgebildet wurde und dessen Profikarriere ihn nach Stationen beim FC Thun und beim FC Luzern vor zwei Jahren nach Aarau führte, war nie ein Schönspieler, er hat den Ruf des «harten Hundes». Einst sagte Schindelholz: «Ich brauche harte Zweikämpfe, um ins Spiel zu finden.» Für den FC Aarau bestritt er bislang 39 Partien.

Als die Mannschaft im Sommer 2018 reihenweise von den Gegnern überfahren wurde, widerstandslos, titelte die «Aargauer Zeitung»: «Elf Schindelholzer müsst Ihr sein!» Daneben prangte eine Nahaufnahme vom Gesicht des Verteidigers, gezeichnet von einer grossen Platzwunde über dem Auge, Pflastern und Blutergüssen. Nun kämpft der dreifache Familienvater nicht mehr gegen flinke Stürmer, er kämpft um sein Leben. Patienten mit Lungenkrebs haben statistisch eine geringe Überlebenschance. Andererseits gibt es aus der Vergangenheit Beispiele von Profisportlern, die den Krebs trotz schlechter Prognose besiegt haben.

Sportchef Burki lobt den Charakter von Schindelholz

Schindelholz lässt via FCA ausrichten, man möge ihn nicht kontaktieren. Im Austausch steht er mit Sportchef Sandro Burki, der vom Moment erzählt, als ihm der Spieler von seiner Erkrankung berichtet: «Seine ersten Worte waren: ‹Sandro, bitte sag es den anderen Spielern nicht. Sie sollen die Ferien geniessen und nicht abgelenkt werden.› Das zeigt, welch starker und sozialer Charakter Nicolas ist.»

Die Mannschaft hat so am Montag vor dem ersten Training der neuen Saison vom Schicksal ihres Kollegen erfahren. Dabei wurde den Spielern auch gesagt, dass Schindelholz sich wünsche, dass keine Trauerstimmung aufkomme, sondern weiterhin Freude in der Kabine und auf dem Platz herrsche. «Er will nicht, dass seine Krankheit nun omnipräsent ist und alle lähmt», so Burki. Beim FCA will man Schindelholz diesen Wunsch erfüllen und sich auf die Vorbereitung auf die neue Saison konzentrieren, auch wenn dies natürlich gerade in der Anfangszeit sehr schwerfallen wird.

Das tragische Schicksal des bei Teamkollegen, Trainerstaff und Mitarbeitern sehr beliebten Schindelholz bewegt – Burki sagt: 

Schindelholz hat beim FC Aarau einen bis Ende nächster Saison gültigen Vertrag. An Mannschaftstraining ist nicht zu denken, doch im Raum steht, dem Spieler in anderer Form – etwa Mithilfe im Nachwuchs – ein Stück Normalität zu ermöglichen, solange dies seine körperliche Verfassung zulässt.

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