Riniken

Sabine Eichenberger bleibt das Mass aller Dinge

Sabine Eichenberger auf der Aare-Brücke in Brugg mit Blick Richtung Lauffohr, wo sie lebt und aufgewachsen ist.

Sabine Eichenberger auf der Aare-Brücke in Brugg mit Blick Richtung Lauffohr, wo sie lebt und aufgewachsen ist.

2009 hat Sabine Eichenberger den Rücktritt erklärt. Zwei Jahre später den Rücktritt vom Rücktritt. Nun hat sie mit 43 Jahren und reduziertem Training zum vierten Mal den Gesamtweltcup gewonnen. In zwei Tagen beginnt die WM in La Plagne.

Die Finanzverwalterin der Gemeinde Riniken ist keine Frau der grossen Töne, keine, die das Rampenlicht sucht und verkrampft im Mittelpunkt stehen muss. «Ich bin ein eher ruhiger Mensch», sagt Sabine Eichenberger und schweigt dann ein Weilchen. Ihr Element ist das Wasser, das Wildwasser. In reissenden Strömen hat sie Legenden-Status erreicht. In einer populären Sportart wie Tennis wäre sie mit ihrem Palmarès längst Millionärin. Aber Eichenberger arbeitet in einem 90-Prozent-Pensum auf der Gemeinde, fernab vom Rampenlicht.

Auch vor einem Rennen sucht die zweifache Weltmeisterin aus Lauffohr die Ruhe, schottet sich ab. «Vor dem Start ist Sabine eine Schwierige», sagt Nationaltrainerin Kristin Amstutz mit einem Lachen, «aber wenn sie im Ziel ist, ändert sich das, dann gibt es meistens etwas zu feiern.» So auch Anfang Juni, als Eichenberger zum vierten Mal den Gesamtweltcup für sich entschied. Das verwundert nicht nur wegen ihrer bald 44 Jahre, es verwundert auch, weil Eichenberger im Vergleich zu früher ihr Trainingspensum deutlich reduziert hat. «Heute beträgt der Aufwand noch 70 Prozent», sagt die Aargauerin; sie profitiere von ihrer Erfahrung und von ihrer Kraft.

Eichenberger glaubt zudem, dass ihr die zwei Jahre Pause gutgetan haben. «Früher war ich vor einem Rennen oft nicht erholt, weil ich direkt aus dem Training kam.» Auch der Druck war vor dem Rücktritt grösser. «Heute nehme ich alles viel lockerer. Alles, was jetzt noch kommt, betrachte ich als Zugabe.»

Kanutin Sabine Eichenberger über ihre WM-Chancen

Kanutin Sabine Eichenberger über ihre WM-Chancen

Dennoch ist sie überzeugt, dass vor dem WM-Start eine gewisse Anspannung auftreten wird. Die braucht es vor Spitzenleistungen. Als Weltcupsiegerin zählt Eichenberger ohnehin zu den Favoritinnen. Und wenn sie wie bisher alle vier Jahre einen WM-Titel holt, wäre sie 2012 eigentlich wieder an der Reihe. Doch Eichenberger warnt: «Die Isère ist ein Wuchtbach, ein richtiges Wildwasser. Ein Fehler, und es ist vorbei.» Die einheimischen Französinnen und die Deutschen sind die grösste Konkurrenz. Von Platz 1 bis 15 sei alles möglich, glaubt Eichenberger, «wichtig ist, dass ich am Ende sagen kann, ich bin ein gutes Rennen gefahren».

Ein Vierteljahrhundert mischt Eichenberger nun an der Weltspitze mit. Wäre da der Gewinn des dritten WM-Titels nicht der ideale Schlusspunkt hinter eine einmalige Karriere? Eichenberger lacht und sagt: «Über dieses Thema können wir in einer Woche nochmals reden.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1