Kevin Gloor, wieso treten Sie mit knapp 32 Jahren bereits zurück?

Kevin Gloor: Für mich ist es der perfekte Zeitpunkt. Ich habe vor einigen Monaten mein Studium in Betriebsökonomie abgeschlossen. Und meine Frau und ich bauen derzeit in Kölliken ein Einfamilienhaus. Ende Februar war Spatenstich. Dazu hatte ich in den letzten drei Saisons doch einige Probleme mit meinem Knie, das ich dreimal operieren lassen musste. Derzeit ist das Knie zwar wieder tiptop. Aber ich will auch nichts überstrapazieren, bin froh, dass ich den Zeitpunkt meines Rücktritts selber bestimmen kann und er nicht von einer Verletzung diktiert wird. Ich hatte eine schöne und lange Karriere, für mich stimmt es so.

Wurmt es Sie, dass Trainer Kevin Schläpfer in den Playoffs nicht mehr auf Sie zählte?

Was soll ich da sagen! Klar will man immer spielen. Ich kann aber nicht sagen, dass ich deswegen extrem enttäuscht bin. Für mich war der Entscheid okay.

Sie realisierten bei Ihrem Einsatz gegen den SC Bern in der letzten Runde der Qualifikation nicht, dass dies soeben Ihr Abschiedsspiel war!

Ich kann damit leben, es war ja auch kein Entscheid, den ich über Nacht getroffen habe. Ich habe mich mit meiner Ausbildung auch auf das Ende der Sportlerkarriere vorbereitet. Deshalb ist der definitive Moment des Rücktritts für mich auch keine extrem emotionale Sache. Ich freue mich auf das, was kommt.

Beim EHC Biel herrscht Aufbruchstimmung: Alle freuen sich auf die neue Eishalle. Nur Sie werden dort nie spielen!

Natürlich ist das Stadion eine tolle Sache für den EHC Biel. Ich erinnere mich an meine erste Vertragsunterzeichnung mit Biel, als es hiess, in zwei Jahren würde ich im neuen Stadion spielen. Nun musste man sich doch sechs Jahre gedulden. Ich habe mir überlegt, ob ich noch eine Saison anhängen will. Aber es hat sich mit Biel nicht ergeben, ich erhielt keine neue Vertragsofferte. Dies machte den Entscheid zum Rücktritt einfacher.

Viele Spieler lassen ihre Karriere in der NLB oder in der 1. Liga ausklingen. Wieso Sie nicht?

Ich habe mir kurz überlegt, ob ich in der NLB weiterspielen soll. Aber der Aufwand ist dort beinahe gleich gross. Selbst in der 1. Liga ist man mit wöchentlich drei Trainings und zwei Spielen viele Abende nicht zu Hause. Ich freue mich auf die Zeit mit meiner Frau und meinem eineinhalbjährigen Sohn. Neben dem Aufwand ist es auch der Wille, nach 13 Jahren als Eishockey-Profi nun etwas Neues machen zu wollen.

Aber Ihr Stammclub, die Argovia Stars, haben zumindest angefragt?

Noch nicht, aber ich müsste auch ihnen eine Absage erteilen.

Wie wird Ihr zukünftiges Leben ohne Eishockey aussehen?

Dies ist schwierig zu beantworten. Ich bewerbe mich derzeit ganz normal. Ich weiss, in welchen Bereichen ich mich sehe, aber es ist noch nichts konkret. Natürlich habe ich durch den Sport auch einige Kontakte, die hilfreich sein können. Im Eishockey kann ich mir als Beschäftigung höchstens einen Einsatz im Juniorenbereich vorstellen – vielleicht, wenn der eigene Junior eines Tages Lust auf Eishockey haben sollte. So wie mein Vater, der damals zusammen mit mir als Juniorentrainer beim EHC Aarau angefangen hat.

In welchem Bereich sehen Sie sich?

Finanzen und Versicherungen haben mich seit dem KV stets interessiert. Diese zwei Bereiche faszinierten mich auch in meinem Studium.

Ist Ihre Karriere so verlaufen, wie Sie sich das vor 14 Jahren bei Ihrem NLA-Debüt vorgestellt hatten?

Ich denke schon. Mein Ziel war es, in der NLA spielen zu können. Ich habe es doch auf 379 Einsätze in der höchsten Liga gebracht. Und mit Ausnahme der letzten drei Jahre blieb ich auch vor Verletzungen verschont.

Was hätten Sie im Nachhinein anders gemacht?

Ich würde nicht viel anders machen. Ich bin auch froh, dass ich zuerst einige Jahre in der NLB gespielt habe. Dort bekam ich viel Eiszeit, konnte Powerplay- und Boxplay spielen und lernte dabei, eine Führungsposition einzunehmen. Das hat mir gut getan und bildete meine Basis für die Zeit in der NLA. Für mich der bessere Weg, als mit 18 Jahren einfach irgendwo in der NLA im vierten Block dabei zu sein.

Sie werden als «harter Arbeiter» und «kompletter Spieler, der auf allen Positionen spielen kann» beurteilt. Entspricht dies dem Eigenbild?

Ja, ich kann das unterschreiben. Ich war schon immer ein Spieler, der weniger Risiko nahm, mehr auf Sicherheit bedacht war. Da ich kein Spieler bin, der auf dem Eis brilliert, stand ich auch praktisch nie im Rampenlicht.

Sie haben parallel zum Leben als Profi studiert. Wieso war Ihnen dies wichtig?

Ich bin ein Realist. Man kann schliesslich nicht bis zur Pensionierung Eishockey spielen. Für mich war es bereits während der Lehre nie ein Thema, ausschliesslich auf den Sport zu setzen. Als Eishockeyspieler hatte ich das Privileg, über relativ viel Freizeit zu verfügen. Diese wollte ich sinnvoll nützen.

Welche Momente Ihrer Karriere werden Ihnen auch in 20 Jahren noch präsent sein?

Es gibt viele emotionale Momente. Der Meistertitel und der Gewinn der Champions League mit den ZSC Lions. Aber auch die Ligaqualifikation mit Biel gegen Lausanne, als es in Spiel 7 drei Minuten vor Schluss noch unentschieden stand. Wenn damals Lausanne das Tor gelungen wäre, hätte ich bereits früher keinen Job mehr gehabt…

Welche Mitspieler werden Sie in Erinnerung behalten?

Mathias Seger von den ZSC Lions ist für mich der Captain schlechthin. Er arbeitet unglaublich hart und ist ein Spieler, der alles für das Team macht.

Und welche Gegenspieler?

Ivo Rüthemann, respektive dessen Schuss, der mir vor drei Jahren die Kniescheibe kaputt gemacht hat. Es gibt wenige Spieler, gegen die ich wirklich nicht gerne gespielt habe.