Ganz ehrlich, Hans Aemisegger: Haben Sie nach den drei Kündigungen von Geschäftsführer Hannes Hurter, Stellvertreter Jonas Manouk und dem Leiter Spielbetrieb Marc Grütter an Rücktritt gedacht? «Nein, ein Rücktritt ist kein Thema», sagt Aemisegger.

«Es sind momentan zwar keine leichten Zeiten, aber das ist für mich noch lange kein Grund aufzuhören und aufzugeben. Im Gegenteil. Die schwierige Situation mit den drei Abgängen in der Geschäftsstelle des Aargauischen Fussballverbandes (AFV) ist für mich eine Herausforderung. Ich werde alles daransetzen, dass sich die Amateurvereine in unserem Kanton bezüglich Organisation, Administration und Spielbetrieb in Zukunft keine Sorgen machen müssen.»

Das Wohl der Vereine hat höchste Priorität 

Die Aussage ist typisch für Aemisegger. Während seiner achtjährigen Zeit als Präsident des AFV hatte das Wohl der 85 Vereine immer höchste Priorität. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Nach eigener Aussage liegt Aemisegger auch das Wohl der Angestellten der AFV-Geschäftsstelle am Herzen. Die Kündigungen von Hurter, Manouk und Grütter hat er zur Kenntnis genommen, bedauert sie, will sich dazu in der Öffentlichkeit aber nicht äussern.

«Die Kündigungen haben mich emotional sehr berührt. Aber ändern kann ich jetzt nichts mehr.» Hans Aemisegger AFV-Präsident

«Die Kündigungen haben mich emotional sehr berührt. Aber ändern kann ich jetzt nichts mehr.» Hans Aemisegger AFV-Präsident

«Ich wurde von den drei Abgängen überrascht, werde dazu allerdings keine Stellungnahmen abgeben», sagt er. «Das sind persönliche Dinge, die nicht an die Öffentlichkeit gehören. Ich werde auch keine Gerüchte kommentieren oder Gerüchte in die Welt setzen.

Als Präsident und Vorstandsmitglied nehme ich die Kündigungen sachlich entgegen, akzeptiere sie, schaue aber vor allem in die Zukunft. Meinen Vorstandsmitgliedern und mir bleibt bis Ende Mai Zeit, die entstandene Personallücke zu schliessen. An Bewerbern für die offenen Stellen fehlt es nicht.»

Bleibt seinen Prinzipien treu 

Aemisegger nimmt die Herausforderung an und bleibt seinen Prinzipien trotz des Drucks, der auf seiner Person lastet, treu. Er arbeitet zielgerichtet, ist konsequent in seinem Handeln und bereit zu kämpfen. An Selbstbewusstsein fehlt es ihm nicht.

«Eines darf man bei allen Diskussionen nicht vergessen», sagt er. «Die Führung und die Strategie des Aargauischen Fussballverbands liegen nicht in den Händen der Angestellten der Geschäftsstelle, sondern einzig und allein bei den Vorstandsmitgliedern. Wir geben die Richtung vor.»

Das heisst im Klartext: Hans Aemisegger, Luigi Ponte, Maurice Besson, Richard Zwicker und Armando Granzotto haben das Sagen. Und dieses Quintett zieht nach Aussage des Präsidenten trotz der drei Kündigungen in der Geschäftsstelle am gleichen Strick. Gibt es wirklich keine Unzufriedenen im Vorstand?

«Es ist niemand glücklich über die entstandene Situation», sagt Aemisegger. Das gilt vor allem für eine Person. Der Präsident der Wettspielkommission, Armando Granzotto, ist zwar nach wie vor im Vorstand mit dabei, macht aber keinen Hehl daraus, dass er sich nach den Abgängen von Hurter, Manouk und Grütter nicht gut fühlt, ja sich sogar Sorgen macht. Mehr möchte Granzotto zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.

Differenzen im Operativen

Sei’s drum; Aemisegger ist ein Präsident mit einer klaren Linie. Er kennt keine Sentimentalitäten. Wirklich nicht? Im Gespräch mit der «Aargauer Zeitung» zeigt der 62-jährige Architekt durchaus menschliche Züge. «Glauben Sie ja nicht, dass mich die Abgänge von Hurter, Manouk und Grütter kalt lassen», sagt er.

«Die Kündigungen haben mich emotional sehr berührt. Aber ändern kann ich jetzt nichts mehr.» Berührt hat Aemisegger auch der Abgang von Jürg Widmer als Leiter des im vergangenen Sommer lancierten Nachwuchs-Projekts «Kicker Talents».

Da waren sie noch eine Familie: AFV-Präsident Hans Aemisegger, Vizepräsident Luigi Ponte, Geschäftsführer Hannes Hurter und Projektleiter Jürg Widmer (v.l.).

Da waren sie noch eine Familie: AFV-Präsident Hans Aemisegger, Vizepräsident Luigi Ponte, Geschäftsführer Hannes Hurter und Projektleiter Jürg Widmer (v.l.).

Unter der Führung von Widmer wurde ein modernes Ausbildungsprogramm für die talentiertesten Aargauer Junioren ab elf Jahren lanciert. Vier Monate nach dem Amtsantritt hat Widmer das Amt als Projektleiter bereits wieder niedergelegt.

Über die Gründe kann momentan nur spekuliert werden: Gemäss AZ-Recherchen gab es Differenzen zwischen Aemisegger und Widmer im operativen Geschäft. Das ging so weit, dass das Tuch zwischen den beiden langjährigen Freunden zerschnitten sein soll.

Aemisegger ist gefordert

Aemisegger ist seit acht Jahren Präsident des AFV. Nach dem Rücktritt von Präsident Hansruedi Rohr und einem Umbruch lief es in den Reihen des Verbandes nicht zuletzt dank ihm lange Zeit wie am Schnürchen. Jetzt ist die Zeit der Wohlfühloase vorbei.

Aemisegger ist gefordert. Der Druck auf seine Person steigt. Hurter, Manouk und Grütter haben gute Arbeit geleistet und sind nicht so leicht zu ersetzen. Mal schauen, was für ein Trio Aemisegger und seine Vorstandskollegen in den nächsten Wochen und Monaten aus dem Hut zaubern wird.