Schwimmen
Rücktritt: Olympionike Karasek ging lieber zur Arbeit als ins Training

David Karasek aus Meisterschwanden wollte eigentlich 2016 nochmals an Olympischen Spielen teilnehmen. Nun arbeitet der 27-Jährige bei einer Bank und hat die Badehosen an den Nagel gehängt.

Fabio Baranzini
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David Karasek in Arbeitskluft am Hallwilersee.

David Karasek in Arbeitskluft am Hallwilersee.

Fabio Baranzini

Wenn David Karasek etwas anpackt, muss es ihm Spass machen. Das betont er immer wieder. Es passt daher ins Bild, wenn er erzählt, dass er abends mit Kollegen gerne ausging, auch wenn am nächsten Morgen um 6 Uhr in der Früh ein Training auf dem Programm stand.

Und es passt auch, dass er – gefragt nach seinen grössten Erfolgen als Sportler – folgenden Satz zu Protokoll gibt: «Ich bin stolz, dass ich so viele Freundschaften knüpfen und so viele Länder und Städte bereisen konnte.» Dass er 2012 in London an den Olympischen Spielen über 200 Meter Lagen an den Start ging und einen neuen Schweizer Rekord aufstellte, erwähnt der Meisterschwander erst an zweiter Stelle.

Das Schlüsselerlebnis in den USA

Die Jagd nach Siegen und Rekorden war David Karasek wichtig, aber sie hatte nicht Priorität. «Rekorde kann man mir nehmen, das gehört zum Schwimmsport. Aber all die Erinnerungen, Freundschaften und Erfahrungen, die ich in meiner Karriere gemacht habe, bleiben für immer.»

Diesbezüglich haben ihn die vier Jahre an einer Universität in Amerika geprägt. Dort hat Karasek erkannt, dass Schwimmen auch ein Teamsport sein kann. Ein Schlüsselerlebnis für Karasek, der an allen grossen internationalen Meisterschaften teilgenommen und mehr als zehn Schweizer Meistertitel gewonnen hat.

Wäre David Karasek noch erfolgreicher gewesen, wenn er seiner Sportkarriere alles untergeordnet und noch seriöser trainiert hätte? «Das ist wohl die 1-Million-Dollar-Frage», meint Karasek lachend.

Er überlegt kurz und fügt dann hinzu: «Vielleicht wäre ich tatsächlich besser geworden, aber es ist auch gut möglich, dass mir das Schwimmen dann weniger Spass bereitet hätte und ich deswegen nicht so erfolgreich gewesen wäre.»

Wahrscheinlicher ist Letzteres, denn auch der Grund, weshalb David Karasek seine Spitzensportkarriere beendet hat, hängt – wie könnte es anders sein – mit dem Faktor Spass zusammen.

Fehlende Konsequenz

Eigentlich war die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio 2016 sein grosses Ziel. Nachdem er 2013 in Madrid seinen Masterabschluss in Finance gemacht hatte, wollte er drei Jahre lang aufs Schwimmen setzen.

Er absolvierte die Spitzensport-RS in Magglingen und trainierte danach in Zürich. Doch obwohl er diszipliniert an die Sache heran ging, war er nicht zufrieden. Einerseits stimmten die Resultate nicht und andererseits fehlte die letzte Konsequenz.

Zu dieser Zeit absolvierte David Karasek neben den Schwimmen ein Teilzeit-Praktikum bei der Bank Julius Bär. Dabei tauchte der 27-Jährige in eine andere Welt ein, eine Welt die ihm – zu seiner eigenen Überraschung – viel Spass bereitete. «Ich ging lieber zur Arbeit als ins Training. Da wusste ich, dass etwas nicht mehr stimmte.»

Den Rücktrittsgedanken trug David Karasek einige Monate mit sich herum, dachte viel nach und diskutierte mit Familie und Freunden. Der Entschluss reifte und als dann von der Bank Julius Bär auch noch ein Angebot für eine Vollzeitstelle ins Haus flatterte, war der Entscheid gefallen. Badehose, Schwimmbrille und Schwimmkappe legt David Karasek vorerst beiseite. Seine neuen Arbeitskleider sind ab dieser Woche Hemd, Anzug und Krawatte.

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