Die Planung und Realisation der Sportanlagen in den Niedermatten waren für die Freiämter Gemeinde und die Sport-Vereine eine Zangengeburt. Nach einer mehr als 20-jährigen Leidensgeschichte mit vielen Irrungen und Wirrungen und politischem Geplänkel war es endlich so weit: Ausgerechnet im August 2004, also 100 Jahre nach der Gründung des FC Wohlen, folgte die Einweihung des neuen Stadions.

Dem Bau und der Fertigstellung des Projekts ging ein langer, steiniger Weg voraus. Der entscheidende Vorstoss kam Ende der 1990er-Jahre von Andy Wyder und Hugo Bächer. Der damalige Präsident des Vereins und der frühere Präsident der Stiftung Sportplatz Wohlen gelangten mit einem Vorprojekt an den Regierungsrat und legten damit die Basis für ein weiteres Projekt, das der Gemeinderat von Wohlen ein knappes Jahr später mit einem Gesuch für finanzielle Unterstützung einreichte.

Ein Tausender für ein Namensschild

Der Regierungsrat reagierte positiv auf das Begehren und bewilligte gleich einmal vier Millionen Franken aus dem Sport-Toto-Fonds. Weitere fünf Millionen kamen für den Verkauf des Areals Paul Walser hinzu. Der Fussballklub, die Leichtathleten und die Tennisspieler steuerten je 500 000 Franken bei. Die halbe Million des FC Wohlen kam durch den Verkauf von Namensschildern auf mehr als 450 Plätzen der Haupttribüne zustande.

Wer einen Tausender lockermachte, konnte sich mit seinem Namen auf den Schalensitzen verewigen. Während dieser Sammelaktion zeigte sich, wie gross die Solidarität der Fans für ihren FC Wohlen ist. Den Rest der Finanzierung in Höhe von mehr als sieben Millionen Franken stellte die Gemeinde Wohlen sicher.

Schliesslich legte der Gemeinderat das Projekt mit einem Hautspielfeld mit Stadiongebäude und zwei weiteren Spielfeldern für den FC Wohlen, einer Tennisanlage mit neun Plätzen und Klubhaus und einer Leichtathletik-Anlage vor. Der Kostenvoranschlag belief sich auf 17,7 Millionen Franken. Am 10. Dezember genehmigte der Einwohnerrat den Kredit. Am 3. März 2002 sprach sich das Stimmvolk mit 2835 Ja zu 1578 Nein für das Sportzentrum Niedermatten aus. «Diese klare Zustimmung ist ein positives Zeichen für die Gemeinde Wohlen und das Freiamt», erklärte der damalige Gemeinderat Christian Müller.

Am 28. Oktober 2002 folgte der Spatenstich. Mit dabei waren rund 100 Zuschauer. Nicht fehlen durfte natürlich Walter Dubler. «Was in den vergangenen Jahren rund um das neue Stadion geleistet wurde, verdient grossen Respekt», sagte der damalige Gemeindeammann. «Wir haben viel Arbeit hinter uns, aber auch viel Arbeit vor uns.»

Die Schlusstabelle der Saison 2004/05

Die Schlusstabelle der Saison 2004/05

Stolz war natürlich auch Andy Wyder. «Auf dieses Ziel haben viele Generationen hingearbeitet», erklärte er. «Die Paul-Walser-Stiftung hatte einen ganz speziellen Charme. Hier fühlten sich die Fans des FC Wohlen wie zu Hause. Mit dem Umzug ins neue Stadion auf die Saison 2004/05 hin wird für uns eine neue Zeitrechnung beginnen. Nicht nur in sportlicher, sondern auch in finanzieller Hinsicht.»

Das Ende der Paul-Walser-Stiftung

So ging am 8. Mai 2004 die 80-jährige Geschichte der Paul-Walser-Stiftung mit einem Heimspiel gegen den FC Sion zu Ende. 2100 Zuschauer feierten das 2:2 gegen die Walliser wie einen Sieg und nahmen danach während einer rauschenden Party Abschied von der alt-ehrwürdigen Sportstätte.

Nicht nur die Geschichte der Niedermatten, sondern auch jene der Paul-Walser-Stiftung ist eine spezielle: Der Wohler Strohindustrielle Paul Walser zog Anfang der 1900er-Jahre vom Freiamt nach London. Seiner Wertschätzung zum FC Wohlen tat das keinen Abbruch. Die Sympathie Walsers für Wohlen ging sogar so weit, dass er dem Klub 1923 ein Präsent in Form eines Landerwerbs für Sportzwecke machte. Der grosszügige Gönner schenkte dem FCW also einen Sportplatz an idealer Lage, der im Frühling 1924 eröffnet wurde.

Bis zum Umzug in die Niedermatten 2004 blieb die Paul-Walser-Stiftung das Zuhause des FC Wohlen. In dieser Zeit wurde aus dem kleinen FCW ein grosser FCW. Der Höhepunkt? Natürlich das 0:0 gegen den FC Schaffhausen am 8. Juni 2002 – gleichbedeutend mit dem Aufstieg in die Nationalliga B, der Beginn eines 16 Jahre anhaltenden Märchens.