Fussball
Riesiges Angebot an Fussballcamps: Abzocke oder Ferienplausch?

Die steigende Anzahl von Fussballcamps ist den Aargauer Vereinen kein Dorn im Auge – ganz im Gegenteil: Die Verantwortlichen sehen in den professionell organisierten Camps eine Chance, den Kindern Bewegung und Fussballlektionen zu ermöglichen.

Fabian Sangines
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Eines haben Banken, Fast-Food-Ketten und Fussballklubs gemeinsam: Einige von ihnen organisieren in den Schulferien Camps für Kinder, oder ihre Namen prangen über den entsprechenden Anmeldeformularen.

Weil das Angebot von einwöchigen Trainings für den Nachwuchs ständig wächst, ist die Verlockung für die Organisatoren gross, sich mittels klingender Namen aus dem Fussballzirkus von der Konkurrenz abzuheben.

So wird mittlerweile kaum mehr ein Camp durchgeführt, ohne dass nicht ein – zumindest ehemaliger – Super-League- oder gar Nationalspieler die Teilnehmer mit Autogrammkarten beglückt.

Mit der Anzahl von solchen Camp-Angeboten steigt aber auch die Beunruhigung über deren Zweck. So hinterfragen sich die Kinder (oder eher deren Eltern), ob die Anbieter wirklich am Glück der Sprösslinge, oder nur an der Begleichung der Rechnung und dem daraus resultierenden Reingewinn interessiert sind.

Faires Preis-Leistungs-Verhältnis

Raimondo Ponte junior, Juniorenobmann des Aargauer Cupfinalisten FC Windisch, sieht kein Problem in der Entwicklung der Ferienangebote: «Solange die Camps gut organisiert sind und ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis angeboten wird, ist das eine gute Sache. Ich selber unterstütze einige Camps, indem ich als Trainer aktiv bin.»

Organisator: «Wir machen nicht das grosse Geld»

«Wir machen mit den Fussballcamps nicht das grosse Geld», sagt Stefan Huber, Geschäftsführer der Pro Fussballevent GmbH, die die Axpo-Fussballcamps organisiert. In diesem Jahr sind es 29 Camps mit insgesamt rund 3500 Kindern, die unter der Obhut der Pro Fussballevent ein Fussballcamp besuchen. «Wir wollen gar nicht mehr Camps veranstalten, sondern haben uns bewusst ein Limit gesetzt. Nur so können wir die Qualität unserer Trainer garantieren.» Die Camps seien häufig ausgebucht. Ähnlich sieht es auch Mario Sager, Inhaber von MS Sports. Sein Unternehmen führt die Raiffeisen Football Camps durch. «Dank unseren Partnerfirmen und Sponsoren können wir den Betrag mit 215 Franken auf einem Niveau halten, das auch Vereine für Trainingscamps verlangen müssen», sagt er. MS Sport lege viel Wert auf die Professionalität der Camps. «Wir beschäftigen nur Trainer, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen», sagt Sager. (DFS)

Ponte junior habe aber auch schon von Camps gehört, die über 500 Franken verlangen, oder solchen, in denen die ganze Woche nur «gmätschlet» wird. «Von diesen lässt man besser die Finger», so der Neffe des Sion-Trainers und Windisch-Präsidenten Raimondo Ponte.

Ins selbe Horn bläst Robert Rütimann, Juniorenobmann und Präsident vom FC Küttigen. «Wir haben mit einem externen Anbieter schon sehr gute Erfahrungen gemacht», so Rütimann.

Das Vorstandsoberhaupt des FCK geht noch einen Schritt weiter: «Das Angebot, welches den Kids mittlerweile präsentiert wird in solchen Camps, ist überragend. Beispielsweise werden neben Fussballtrainings unter anderem auch Gymnastikübungen mit Musik durchgeführt, was den Kindern immer grossen Spass macht.»

Wie Ponte jun. ist auch Rütimann der Meinung, dass die «schwarzen Schafe» wohl existieren, aber die klare Minderheit darstellen.

Informationen einholen

Eltern, die im überwältigenden Angebot an Fussballcamps das richtige für ihren Sprössling finden möchten, sollen gemäss den Juniorenobmännern unbedingt Erfahrungen von Bekannten einholen.

Zudem solle man darauf achten, dass die Camps in den letzten Jahren eine konstante oder gar steigende Teilnehmerzahl vorweisen können. Dann stehe einer sinnvollen und lehrreichen Woche für den Junior nichts mehr im Wege.