Bob

Rico Peter will mit holländischer Unterstützung eine Medaille holen

Janne Bror van der Zijde will für die Schweiz eine WM-Medaille gewinnen.

Janne Bror van der Zijde will für die Schweiz eine WM-Medaille gewinnen.

An der Viererbob-WM vom Wochenende in Winterberg (De) hält das Team von Rico Peter die Schweizer Fahne hoch. Ein Holländer soll mithelfen, dass die Mannschaft am Ende auf dem Podest landet.

Winterberg ist im Winter des Holländers liebster Ferien-Ort, hätte man meinen können, wenn man in den letzten Tagen durch das Städtchen im Bundesland Nordrhein-Westfalen geschlendert ist. An jeder Ecke begegnet man oranger Kleidung und gelben Nummernschildern. Den Gastronomen im Hochsauerland ist längst bewusst, was sie am westlichen Nachbarland haben.

Sie stellen sich auf die Holländer ein wie ihre Kollegen auf Mallorca im Sommer auf die Deutschen. Wer aus den Alpen kommt, der hat für das Skigebiet des 668 Meter über Meer gelegenen Winterberg nur ein müdes Lächeln übrig. Für die aus dem topfebenen Holland stammenden Touristen jedoch scheinen die dortigen Hügel das Nonplusultra darzustellen.

Win-Win-Situation

Janne Bror van der Zijde ist ebenfalls Holländer. Er weilt aber nicht in Winterberg, um Ferien zu machen, sondern um für die Schweiz um eine Medaille an der Viererbob-WM zu kämpfen. Nach Rang 7 im Zweier wollen er und sein Aargauer Pilot Rico Peter sich an diesem Wochenende weiter vorne klassieren. Thomas Amrhein und Simon Friedli werden sie dabei unterstützen.

Halsbrecherisch: Sturz von Rico Peter am Weltcuprennen in Sochi.

Das war im Februar am Weltcuprennen in Sotschi: Der halsbrecherische Sturz von Rico Peter.

Wie kommt ein Holländer dazu, plötzlich unter Schweizer Flagge Bobs anzuschieben? Van der Zijde erklärt: "Ich kenne Rico Peter schon lange. Wir sind uns früher im Europacup regelmässig über den Weg gelaufen. Und Rico hat mich aus Spass immer wieder gefragt, wann ich denn endlich für ihn fahren werde. Daraus ist dann vor dieser Saison Ernst geworden, weil die Gelegenheit günstig war."

Die Verpflichtung von Van der Zijde erweist sich für Peter als Glücksfall. Der "Legionär" hat sich im Team zum stärksten Hintermann entwickelt. Der frühere Hammerwerfer (seine Bestleistung in dieser Disziplin liegt bei rund 54 Metern) und Motorrad-Rennfahrer (sein sportliches Idol ist Valentino Rossi) bringt nicht nur Anschub-Power, sondern mit 114 Kilogramm auch die notwendige Masse mit.

Dank Van der Zijde hat sich Peter in der erweiterten Weltspitze etablieren können. Für beide ist es eine Win-Win-Situation. Van der Zijde hätte ohne den Transfer zu Swiss Sliding nicht mehr so hohe Ambitionen hegen können. Nach den Olympischen Spielen in Sotschi gingen in Holland die kompetitiven Steuerleute aus. Ivo de Bruin verabschiedete sich nach Kanada, und dieser Nationenwechsel wäre für Van der Zijde wesentlich komplizierter gewesen. Und Edwin van Calker liess seine Piloten-Karriere ausklingen. So musste Van der Zijde fast zwangsläufig sein Glück in einem anderen Land suchen.

Im Bobsport kann ein Nationenwechsel recht unkompliziert abgewickelt werden. Die Reglemente setzen nur wenig Leitplanken. Van der Zijde ist für die Schweiz nur bei Olympischen Spielen nicht einsatzberechtigt. Der 26-Jährige hat sogar seinen Wohnsitz in Waddinxveen in der Provinz Südholland behalten können. Für die Anreise nach Winterberg brauchte er nur dreieinhalb Stunden. Dennoch sieht er seine Heim-Bahn in Igls im Tirol, weil sich die Holländer in erster Linie dort zu Bobfahrern ausbilden lassen.

Streit nur wegen dem Käse

Van der Zijde fühlt sich sehr gut aufgenommen im Team Peter. Die Integration sei ihm einfach gemacht worden. Und obwohl alles kritisch hinterfragt werde, sei der Zusammenhalt innerhalb der Truppe gross. Streit gebe es nur bei der Frage, ob die Schweiz oder Holland den besten Käse der Welt produziere, meint der aus der Nähe von Gouda stammende Van der Zijde lachend. An den Schweizern schätzt er ihren Hang zur Perfektion. "95 Prozent sind dem Schweizer nicht gut genug. Er will 100 Prozent und arbeitet hart dafür. Das gefällt mir", so Van der Zijde.

Für Van der Zijde ist klar, dass er weiterhin in Schweizer Diensten stehen will. Er ist nach den zuletzt starken Resultaten motivierter denn je, Rico Peter zu helfen. Im Sommer, wenn er nicht gerade seinem Job im Bereich Human Resources nachgeht, wird Van der Zijde regelmässig für Trainings in die Schweiz reisen. Noch ist die Rückkehr ins holländische Bob-Kader kein Thema. "In Holland werden sie Zeit brauchen, um wieder etwas auf die Beine zu stellen", vermutet Van der Zijde - und schiebt nach: "Wir in Ricos Team sind noch nicht fertig. Wir können noch ganz viel Spass zusammen haben."

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