Ranko Jakovljevic ist ein angenehmer, sympathischer und ruhiger Trainer. Kurz gesagt: Ein guter Typ! Mag sein, dass der Trainer des FC Wohlen etwas zu freundlich und zu brav ist für das knallharte Fussballgeschäft. Der 51-Jährige zeigt fast nie Emotionen. Fast!

Denn nach dem Heimspiel gegen Chiasso (3:4) platzte ihm der Kragen. «Was Schiedsrichter Horisberger gepfiffen hat, ist ein Skandal», sagte Jakovljevic unmittelbar nach dem Schlusspfiff. «Wir werden in jedem Spiel benachteiligt. Jetzt ist es an der Zeit, mich zu wehren.»

Klare Worte, die vieles über seinen aktuellen Gemütszustand aussagen. Jakovljevic ist in der Rolle als Trainer des freiwilligen Absteigers Wohlen nicht zu beneiden. Seit Beginn dieses Jahres kommt es knüppeldick über ihn. Mit Kristian Kuzmanovic, Aleksandar Cvetkovic, Kilian Pagliuca und Dylan Stadelmann verlor er zu Beginn der Rückrunde gleich vier Stammspieler.

In den neun Partien der Rückrunde und dem Nachtragsspiel gegen Servette gab es acht Niederlagen und zwei Unentschieden. Wohlen ist seit 17 Spielen sieglos. Den letzten Erfolg feierte man am 30. September des vergangenen Jahres. Es war ein 3:2 gegen Winterthur.

So wurde Jakovljevic im Verlauf der vergangenen Monate zum Prügelknaben der Challenge League. Für mich wäre es nicht verwunderlich gewesen, wenn er nach den schlechten Resultaten der vergangenen Wochen den Bettel hingeschmissen hätte. Als Dauerverlierer hat man irgendwann mal die Nase voll. Dass er sich trotz der widrigen Umstände durchbeisst, verdient grössten Respekt.

Zwei Termine sollte sich Jakovljevic in seiner Agenda als Wohlen-Trainer noch rot anstreichen: Am Montag, 7. Mai, kann er Geschichte schreiben. Noch nie konnten die Freiämter im Stadion Niedermatten gegen Erzrivale Aarau gewinnen. Klappt es ausgerechnet im für lange Zeit letzten Derby? Bleibt der Pfingstmontag, 21. Mai.

Zum Abschluss der Saison reist Jakovljevic mit Wohlen ausgerechnet zum undankbaren Gegner Chiasso. Ich wünsche Ranko einerseits alles Gute für sein letztes Spiel mit dem FC Wohlen, anderseits eine schöne Heimreise. Im Stau vor dem Gotthard-Tunnel am Pfingstmontag wird er nochmals genug Zeit haben, um auf die Saison voller Pleiten, Pech und Pannen zurückzublicken.