Handball 1. Liga

Reservist in der NLA, Leader in der 1. Liga: Daniel Parkhomenko kämpft dank Doppellizenz mit dem HV Olten um den Aufstieg

«Ich gehe kopfvoran dorthin, wo es wehtut», sagt Daniel Parkhomenko (Mitte) über sich selbst. Bild Markus Müller

«Ich gehe kopfvoran dorthin, wo es wehtut», sagt Daniel Parkhomenko (Mitte) über sich selbst. Bild Markus Müller

Daniel Parkhomenko ist einer von rund zehn Suhr-Aarau-Spielern, die dank einer Doppellizenz mit Olten am Aufstieg in die NLB feilen. Während er beim HSC Suhr Aarau als Reservist nur zu gelegentlichen Einsätzen in der NLA kommt, gehört er bei Olten zu den Leistungsträgern.

«Wenn nicht gerade Prüfungen anstehen, schaue ich sehr viele Spiele der Handball-EM», sagt Daniel Parkhomenko, der gleich mit zwei Nationen mitfieberte. Seine Familie stammt aus Russland; er wuchs in der Ukraine auf und kam mit knapp zehn Jahren in die Schweiz. Obwohl er zwei Eisen im Feuer hatte, gab es nicht viel zu jubeln.

Die Ukraine musste die Segel nach drei Pleiten streichen. «Die Gegner waren eigentlich nicht so stark. Da wäre sicher mehr möglich gewesen», sagt er. Sein Fazit zu den Auftritten der Schweiz fällt ähnlich aus: «Schade, dass es nicht zu mehr gereicht hat.» So weit wie die EM-Teilnehmer ist der 18-Jährige noch lange nicht. Sein Aufwand unterscheidet sich allerdings kaum von dem eines Profis. Parkhomenko «gehört» dem NLA-Klub Suhr Aarau und spielt dank der Partnerschaft der beiden Klubs auch in der 1. Liga bei der SG HV Olten.

Nicht weniger als sieben Hallentrainings plus zwei Einheiten im Kraftraum und die Spiele am Wochenende stehen pro Woche an. «Wenn du an die Spitze kommen willst, ist dies das Minimum, das du machen musst, denn mit Talent alleine kommst du irgendwann nicht mehr weiter», sagt der Rückraumspieler. «Natürlich ist es anstrengend, aber das muss so sein. Mir macht es Spass.»

Eigentlich wollte er es mit Fussball versuchen

Zum Handball kam Parkhomenko per Zufall. Eigentlich wollte er sich als Fussballer präsentieren. Das Probetraining, das er besuchte, entpuppte sich aber als Handball-Training. Er probierte es aus, blieb hängen. «Es ist ein schneller, taktischer und körperbetonter Sport», begründet er. «Es gibt so viele Varianten, wie du spielen und decken kannst, dass du nie auslernst. Es gibt immer wieder neue Dinge zu entdecken, das fasziniert.»

Seit er 2011 in die Schweiz kam, wohnt er in Ammerswil in der Nähe von Lenzburg. Bei der HSG Lenzburg fand er damals keinen Anschluss, so lancierte er seine Karriere eben in Wohlen. 2014 wechselte Daniel Parkhomenko zur U15-Equipe des HSC Suhr Aarau, wo er auf Anhieb auch den Sprung in die Regionalauswahl schaffte. «Ab dann ging es schnell aufwärts», blickt er zurück.

Diese Saison kam der Reservist zu gelegentlichen Einsätzen in der NLA. «Ich will mich weiter verbessern und so nahe wie möglich an die Konkurrenten auf meiner Position herankommen», sagt er über seine Rolle beim HSC Suhr Aarau, dem Tabellensechsten der NLA. Bei der SG HV Olten dagegen zählt er zu den Leadern. Letzte Saison habe er noch Mühe damit bekundet, für zwei Teams zu spielen. «Jetzt kenne ich auch in Olten alle Spieler und weiss, wie die Feinabstimmungen sind. Da macht es nichts aus, wenn ich die ganze Woche mit Suhr Aarau trainiere und am Wochenende mit Olten spiele», sagt er.

Die Aussicht, mit Olten NLB zu spielen, gefällt ihm

Parkhomenko ist mit seiner Doppellizenz aber kein Einzelfall: Im aktuellen Kader der Oltner figurieren rund zehn Spieler, die sowohl für Suhr Aarau als auch für Olten auflaufen dürfen. Ein Aufstieg in die NLB wäre für alle Parteien, für die beiden Klubs und für die Spieler, sinnvoll. Nachdem die Oltner die Qualifikation in der Gruppe 3 auf dem Spitzenplatz beendet hatten, starteten sie am Samstag mit einem 31:27-Sieg gegen Yverdon in die Finalrunde. «Wir wollen unbedingt aufsteigen», stellt Parkhomenko klar.

Wenn es keine Überschneidungen gibt im Spielplan, steht er an den Wochenenden jeweils bei beiden Klubs im Einsatz. «Finden die Spiele gleichzeitig statt, entscheiden die Trainer, wo ich eingesetzt werde», sagt er. Vereinbarungen im Sinne von, dass er nur eine Halbzeit spielen darf für Olten, um sich für mögliche Aufgaben bei Suhr Aarau zu schonen, gibt es nicht. «Das will kein Spieler. Ich zumindest will so viel spielen wie möglich.»

Ob er die ganze Finalrunde bestreiten wird, weiss er nicht. Weil dies auch von Faktoren abhängt, die er nicht beeinflussen kann, wie zum Beispiel Verletzungen von Stammkräften bei Suhr Aarau. Er hofft, dass er bei allen Spielen dabei sein kann. «Ich will dem Team helfen und mit Olten aufsteigen», sagt er. Dann wären er und viele andere Suhr-Aarau-Spieler nächste Saison in der komfortablen Lage, sich in der NLB Spielpraxis holen zu können, um sich weiter an das NLA-Niveau heranzutasten.

Autor

Raphael Wermelinger

Raphael Wermelinger

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