Unihockey
Renato Wyss – Die schillernde Figur an der Bande bei Zweitligist Aargau United

Zweitligist Aargau United vertraut auf den reichhaltigen Trainer-Erfahrungsschatz von Renato Wyss (51) aus Küttigen.

Ruedi Burkart
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Erfahrener Mann: Renato Wyss.

Erfahrener Mann: Renato Wyss.

Ruedi Burkart

Im Frühling 2014 wurde der Dachverein Unihockey Aargau United (UAU) aus der Taufe gehoben. Die Klubs aus Lenzburg, Wohlen und Bremgarten schlossen sich zusammen mit dem Ziel, dem Nachwuchs bessere Trainingsbedingungen auf dem Grossfeld bieten zu können und somit der Abwanderung der talentierten Junioren zu Grossklubs wie Zug United oder den Grasshoppers entgegenzuwirken.

Man hatte aber auch ehrgeizige Ziele mit der Zweitliga-Mannschaft. «Damals erarbeiteten wir einen Dreijahresplan, der den Aufstieg in die 1. Liga vorsah», so Sportchef Fredrik Berglund. Der Plan ging nicht auf, Aargau United spielt auch in der vierten Saison nach der Gründung weiterhin in der 2. Liga.

«Einen Aufstieg kann man nicht erzwingen»

Nicht nur das: Letzte Saison stand man dem Abstieg in die 3. Liga bedeutend näher als der Promotion. Warum bleibt der sportliche Erfolg seit Jahren aus? «Einen Aufstieg kann man nicht erzwingen», sagt Berglund, «es gibt nie Garantien für das Gelingen.»

Einer, der in der eben angelaufenen Saison den Erfolg bringen soll, heisst Renato Wyss, ist 51-jährig und wohnt in Küttigen. Wyss ist in Unihockey-Kreisen eine schillernde Figur und hat in seinen drei Jahrzehnten in diesem Sport schon einiges erlebt.

So stieg er mit den Frauen von Zug United in die Nationalliga A auf, hielt UH Mittelland in der obersten Spielklasse und betreute auch Lok Reinach sowie Uster in der NLA. Zudem gewann Wyss als Trainer der Nationalmannschaft Deutschlands die B-WM. Aktuell ist Wyss neben seinem Amt bei Aargau United auch als Übungsleiter des österreichischen Männernationalteams tätig.

Weshalb Aargau United?

Aber wie kommt eine solche Koryphäe zu einem bescheidenen Zweitliga-Verein wie Aargau United? Oder, wie es auf der Homepage von UAU formuliert ist: «Warum tut sich ein solch erfahrener Mann so etwas an?» Wyss sieht das sehr nüchtern.

«Wissen Sie, ich bin jetzt in einem Alter, in dem ich nicht mehr stundenlang für die wöchentlichen Trainings in der Schweiz umhergondeln möchte. Ich fahre langsam herunter. Aber das Projekt UAU interessiert mich. Darum bin ich gerne mit dabei.»

Sportchef Berglund erzählt lächelnd, wie er Wyss für United begeistern konnte. «Als ich vernahm, dass er bei Mittelland aufhört, habe ich ihn einfach mal angerufen.» Fragen koste ja schliesslich nichts. «Der Sportchef hat eine sehr gute Präsentation gezeigt.

Da habe ich zugesagt», sagt Wyss. Die Konsequenz: Wyss unterschrieb einen Einjahresvertrag mit Option auf eine zweite Saison als Cheftrainer für die Zweitliga-Mannschaft. Finanziell hat man sich schnell gefunden. «Wyss erhält natürlich eine Entschädigung», sagt Berglund.

Saisonauftakt missraten

Nun werden Wyss und seine Spieler in den nächsten Wochen und Monaten am Erfolg gemessen. Der Start in die Saison 2017/18 missriet der jungen Aargauer Truppe allerdings gründlich. Die beiden Partien gegen die Powermäuse Brugg (3:5) und gegen Schwarzenbach (5:6 nach Verlängerung trotz zwischenzeitlicher 5:1-Führung!) gingen verloren.

«Brugg holte aus seinen Chancen das Maximum heraus, wir dürfen uns darüber nicht beklagen», so Aargaus Captain Björn Strebel nach Niederlage Nummer eins. Dabei weiss er, wie man erfolgreich spielt. Der 28-jährige Freiämter hielt in früheren Jahren für Lok Reinach – mit Wyss im Betreuerstab – und Zug United in der Nationalliga A Stock und Knochen hin.

Ob ausgerechnet am kommenden Samstag im Auswärtsspiel gegen die verlustpunktlosen Waldenburg Eagles der Turnaround gelingt?