Fussball
Renato Steffen trifft im Brügglifeld gegen seinen Juniorenverein

Gestern erzielte der frühere Aarauer Junior Renato Steffen sein erstes Tor im Brügglifeld – allerdings nicht für den Aufsteiger FC Aarau, sondern für den Leader aus Bern.

Andreas Fretz
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Renato Steffen erzielt gegen FCA-Goalie Swen Koenig das 3:0.

Renato Steffen erzielt gegen FCA-Goalie Swen Koenig das 3:0.

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Man sollte sich vor einem Spiel eigentlich nie zu viel vornehmen, sagte Renato Steffen mit einem Lächeln. Soeben hatten seine Young Boys mit 4:0 gegen den FC Aarau gesiegt. Steffens Lächeln verriet aber: Er hatte sich für diesen Abend besonders viel vorgenommen. «Ich war unglaublich aufgeregt vor diesem Spiel.»

«War nicht der einfachste Typ»

Das Besondere: Steffen ist in Erlinsbach AG aufgewachsen, spielte in der U14 und U16 des FC Aarau. Offiziell hiess es dann aber: Der flinke Linksfuss sei zu klein für die grosse Karriere. Steffen misst 1,70 Meter und bringt gerade mal 65 Kilogramm auf die Waage. «Es lag wohl nicht nur an meiner Grösse», meint Steffen rückblickend, «ich war auch nicht immer der einfachste Typ.»

Spezielles Tor

Gegen Aarau bestritt Steffen gestern seinen ersten Ernstkampf im Stadion Brügglifeld. Sein 3:0 in der 69. Minute war sein erster Treffer für seinen neuen Klub. «Dieses Tor werde ich bestimmt nie vergessen», sagte der 22-Jährige. In der 58. Minute war er für Zarate eingewechselt worden, zwei Minuten später kassierte er Gelb («ein taktisches Foul»), in der 69. Minute vollendete er auf Vorarbeit Gerndts zum 3:0.

Vor zwei Jahren noch bei Schöftland

Dabei schien Steffens Karriere nie richtig auf Touren zu kommen. Er tingelte in den Niederungen des Breitenfussballs, spielte vor zwei Jahren noch beim SC Schöftland in der 2. Liga interregional. Als er noch in Schöftland Fussball spielte und als Maler arbeitete, musste er sich oft anhören, dass der Zug für eine Profikarriere abgefahren sei. Steffen liess sich davon aber nicht kleinkriegen, antwortete stattdessen, er lasse sich Zeit, bis er 23 Jahre alt sei, um seinen Traum verwirklichen zu können.

Kometenhaften Aufstieg

Im letzten Jahr legte er einen kometenhaften Aufstieg hin. Der FC Thun wurde auf den schnellen Flügel aufmerksam und sicherte sich seine Dienste. Ein Jahr später buhlten dem Vernehmen nach Basel, GC, Luzern und eben YB um den Aargauer. Fast eine Million sollen die Berner für Steffen hingeblättert haben. Ein nettes Geschäft für den FC Thun, der Steffen bei einem Testspiel gegen die eigene U21 entdeckt hatte.

Vom Maler zum Edeljoker

Vom Tellerwäscher zum Millionär, möchte man beim Blick auf Steffens Werdegang sagen, oder eben vom Maler zum Edeljoker. Gestern bestritt Steffen sein viertes Spiel für YB. «Viele Kollegen und die Familie waren unter den 7232 Zuschauern im Brügglifeld», sagte Steffen, «es war definitiv etwas Besonderes, hierher zurückzukommen und gegen meinen Klub aus Juniorenzeiten zu spielen.»

Die Zukunft rosa gestrichen

Heute wohnt Steffen in Bern, sein Malerjob gehört der Vergangenheit an. Die Zukunft sieht rosig aus. YB ziert die Tabellenspitze, Steffen hat sich in der Super League etabliert. Doch gerade bei YB ist die Konkurrenz auf seiner Flügelposition beträchtlich. Steffen ist es sich jedoch gewohnt, geduldig zu bleiben. Dass der Zug abgefahren sei, das muss er sich heute kaum noch anhören.

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