Wieso nicht einfach anrufen? «Wenn ich einen Spieler will, muss ich von mir aus aktiv werden. Dann muss ich Interesse zeigen», sagt René Weiler. Und so telefonierte der Aarau-Trainer sich die Finger wund – mit dem Ziel, den ausgedünnten FCA-Kader vor dem Rückrundenstart gegen den FC St. Gallen (Brügglifeld, 17.45 Uhr) mit frischen Kräften zu bestücken.

Auf diese Weise fädelte er mit der Verpflichtung von Keeper Lars Unnerstall, der dem deutschen Bundesligisten Schalke 04 gehört, einen veritablen Transfercoup ein.

Das Telefonat mit Horst Heldt

«Eigentlich waren wir chancenlos», ist sich auch Weiler bewusst. Dennoch griff er zum Hörer, als sich die Fussverletzung von FCA-Stammtorhüter Joël Mall immer mehr als unberechenbare Variable erwies, um sich bei Schalke-Sportvorstand Horst Heldt nach dem ausgemusterten Schlussmann zu erkundigen.

Nur wenige Tage später waren sich die Vertragsparteien einig. Dazwischen galt es viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Finanzen, Infrastruktur, Umfeld – zwischen Aarau und Gelsenkirchen liegen nicht nur 460 Kilometer Luftlinie, sondern auch fussballerisch Welten.

Aber einen Trumpf hielt der FCA in den Händen, nämlich eine Perspektive für einen talentierten Torhüter, dessen aktueller Arbeitgeber nicht mehr auf ihn setzte. «Vier Monate, 19 Spiele», rechnet Weiler vor. Dies war das gewinnbringende Argument für einen leihweisen Wechsel von Lars Unnerstall in die sportliche Provinz.

Swen König als Verlierer

Natürlich habe ihm seine Vergangenheit als sportlicher Leiter geholfen. Weiler war von 2004 bis 2007 als Sportchef beim heutigen Gegner aus der Ostschweiz tätig gewesen und hat sich inzwischen ein wertvolles Beziehungsnetz aufgebaut.

Einmal mehr hat sich gezeigt, dass Weilers Wert für den FC Aarau weit über die tägliche Arbeit auf dem Trainingsplatz hinausgeht. Der 40-Jährige überzeugt mit seiner Eigeninitiative, fordert viel von seinen Schützlingen und ist zuweilen auch kompromisslos.

Letzteres musste auch Swen König erfahren. Er ist der Verlierer beim Transfer des 198 cm grossen Unnerstall und wird sich weiterhin mit der Rolle als Ersatzmann zufrieden geben müssen.

«Wenn ein erster Torhüter ausfällt, besteht immer Handlungsbedarf», sagt Weiler zur Notwendigkeit eines Transfers. Erst recht, wenn sich der Heilungsverlauf – wie bei Joël Mall – nicht prognostizieren lasse.

Unnerstall muss sich beweisen

König bleibt also vorerst in der zweiten Reihe, was ihm Weiler offen kommunizierte. Dies hat er zu akzeptieren. Aber auch Unnerstall «muss sich beweisen» und «Leistung zeigen», stellt Weiler klar. Zumal er angesichts seiner Reservistenrolle auf Schalke ohne Spielpraxis ist.

Der 23-Jährige war in der laufenden Saison nur zweimal in der königsblauen Zweitvertretung zum Einsatz gekommen. Ein Risiko? Was, wenn Unnerstall patzt? Oder wenn Joël Mall schneller von seiner Blessur genesen sollte? «Das würde eine Neubeurteilung zur Folge haben», so Weiler.

Aber zurzeit sind solche Fragen nur hypothetischer Natur. Heute ist Unnerstall, jetzt ist Sankt Gallen. Und der FCA wird auch im 21. Pflichtspiel der Saison versuchen, erstmals zu Null zu spielen. Dann wäre Unnerstall wohl neuer König von Aarau…