Laufsport

Rekordjagd am 30. Aargauer Volkslauf: Ein Vergnügen trotz Graupelschauern

Vom Wetterglück profitierte der 30. Aargauer Volkslauf kaum. Solche die frohlockten gab es dennoch viele. Die tiefe Temperatur erwies sich zum Laufen als ideal und so jagte ein Rekord den nächsten. Besonders Lukas Stähli und Joana Umricht wussten zu überzeugen.

Von wegen Jubiläumsstimmung, Frühlingsgefühlen und Glückshormonen – es war an sich ein trister Tag, dieser letzte April-Sonntag: dunkle Wolken, Regen, Graupelschauer, 8 Grad. Viele hielt dieses Wetter ab von Freizeitaktivitäten.

Und auch der eine oder die andere der 1207 Vorangemeldeten des Aargauer Volkslaufs sagten sich: «Das tue ich mir nicht an.» Sie verzichteten.

Von jenen aber, die sämtliche Zweifel beiseiteschoben und die Laufschuhe schnürten im Aarauer Schachen, liefen nach den gemeisterten Kilometern eine Vielzahl mit einem Strahlen im Gesicht über die Ziellinie. Zum Laufen erwies sich die tiefe Temperatur als ideal. Und Folge davon: Es liessen sich Topzeiten realisieren, auf welchem Niveau auch immer. Hausrekorde purzelten.

Stählis Alleingang

Das gilt auch für den Tagessieger. «Ein Aufsteller», sagte etwa Lukas Stähli. Der 36-Jährige aus Aarau wiederholte seinen Volkslauf-Triumph vom Vorjahr. In diesem Jahr kam zum Sieg ein weiterer Glücksfaktor: «Ich kann ja wieder richtig schnell laufen», sagte er. Nach 53:14 Minuten hatte er die 10 Meilen oder 16,1 km hinter sich gebracht.

Markante 2:33 Minuten weniger als vor zwölf Monaten benötigte er damit, gar 2:41 weniger als 2017 (2.) – trotz eines Hemmfaktors: «Ab ungefähr 500 m war ich auf mich alleine gestellt und hatte niemanden mehr, der mich pushte.» Der Zweitplatzierte Marius Keller aus Endingen benötigte 2:22 Minuten mehr, der dritte, Topsenior Thomas Frieden (50) aus Kollbrunn, 3:52.

Als Standortbestimmung hatte Stähli den Aargauer Volkslauf gesehen im Vorfeld. Nicht nur des Zeitvergleichs wegen stimmt ihn das jüngste Rennen weit zuversichtlicher als vor einem Jahr.

«Ich fühle mich überhaupt nicht ausgepumpt», sagte er unmittelbar nach dem Ziel. Die aktuelle Basis will er zum Aufbau nutzen. Die folgenden Schweizer Meisterschaftsrennen über 10 000 m und im Herbst im Halbmarathon und im Marathon steuert der Selfmademan ohne Vereinsbindung, aber mit respektabler Vergangenheit an.

Umbrichts Schnitt

Vom Gesichtsausdruck, den Gesten und den Worten das personifizierte Glück drückte Joana Umbricht aus. Die 33-Jährige aus Würenlos gewann nicht nur ihren ersten Meistertitel, sie konnte sich über eine weitere Premiere freuen: «Erstmals den 4-Minuten-Schnitt geknackt», betonte sie.

Um ein ambitioniertes Ziel handelt es sich, dem sich auch schon manch leistungsorientierter Mann vergeblich angenommen hat. Umbricht kann es nun abhaken. Mit ihrer Schlusszeit von 1:03:35 Stunden kommt sie auf einen Kilometerschnitt von 3:56,9 Minuten. Die topfebene Strecke begünstige dies, der reichliche Naturweganteil weniger.

Im Hinblick auf die nähere und fernere Zukunft kommt das Volkslauf-Erlebnis für Umbricht gelegen. Den Ironman 70.3 von Anfang Juni in Rapperswil steuert sie an. Als Läuferin hat auch sie sich für den Herbst einen Marathon vorgenommen.

Auch bei ihr stimmt der Fahrplan. Und auch Umbrichts Sieg blieb ungefährdet: 1:50 Minuten nahm sie der zweiten Larissa Sägesser aus Zürich ab, 2:08 der dritten Sereina Scherzinger aus Mels.

Heimsiege über die 10-km Distanz

Eine ähnlich grosse, bei den Frauen gar deutlich grössere Anziehungskraft übte die Distanz von 10,4 km aus. Über 300 Klassierte, fast die Hälfte davon weiblichen Geschlechts summierten sich da. Und es gab zwei junge, einheimische Sieger: Sven Thalmann und Seraina Ummel, er 20, sie 23

«Die Zeit ist mir wichtiger als der Rang», sagte Thalmann, nachdem er die Ziellinie nach starken 35:08 Minuten und mit deutlichem Vorsprung von 3:25 Minuten auf den doppelt so alten Antonio Carvalho erreicht hatte.

Die Endzeit freute den Nachwuchs-Triathleten, zumal auch er völlig auf sich alleine gestellt war. «Läuferisch stimmt’s», bilanzierte er nach dem «Rennen bei suboptimalen Bedingungen». Und das Mitglied des Triclubs Oensingen erkannte: «Jetzt gilt es, auch im Schwimmen zuzulegen.»

Prägendes Heimkehrgefühl

Ebenfalls eindrücklich dominierte bei den Frauen Seraina Ummel. 2:14 Minuten nahm die Suhrerin der Aarauerin Alexandra Müller ab. Und gerade Ummel sprach von einem prägenden Heimkehrgefühl: «Es ist speziell und besonders motivierend als Leaderin ins Heimstadion einzulaufen.»

Auf der Schachenrundbahn trainiert sie mit den BTV Aarau-Leichtathleten regelmässig und läuft Intervall-Serien. Jetzt führten die letzten 300 m über den Kunststoffbelag ins Ziel. 

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