Normalerweise vertraut Florian Vogel auf seine Muskelkraft. Alles andere wäre dem amtierenden Mountainbike-Europameister untersagt. Aber für sein neustes sportliches Abenteuer brauchte sogar Vogel elektrische Hilfe.

In nur 36 Stunden wollte der 35-jährige Aargauer mit seinem deutschen Kollegen Markus Schulte-Lünzum die Alpen auf dem Bike von Oberstdorf nach Riva überqueren, was einer Distanz von 400 Kilometern und 16 000 Höhenmeter entspricht. Ohne Hilfe benötigt ein gut trainierter Sportler für die «Heckmair-Transalp» mit dem Bike fünf bis sieben Tage.

Elektrische Hilfe

Vogel und Schulte-Lünzum wagten den Versuch. Neben Muskelkraft half ihnen ein elektrischer Antrieb in ihren Bikes. Bei ihrem Rekord mussten sie gegen Schlafmangel, die Dauerbelastung im Sattel und kurzzeitig sogar dichtes Schneetreiben ankämpfen. «Es war alles dabei, was es geben kann: Schnee, Regen und Sonne», erzählt Vogel. «Wir hatten warme Temperaturen, mussten aber auch sehr viel frieren.»

Doch das Duo wurde belohnt: Nach 27 Stunden und 20 Minuten hatten sie die Strecke geschafft und waren damit acht Stunden und 40 Minuten schneller als sie geplant hatten. «Es war nicht immer einfach, aber im Ziel fühlte ich mich frischer, als erwartet», sagt Vogel.

Eine Familienpackung Gesässcreme

Nach 400 Kilometern und 16 000 Höhenmetern war der Beweis also erbracht: Die Alpenüberquerung per E-Bike ist innerhalb von etwas mehr als einem Tag möglich. Die Bilanz: 21:50 Stunden reine Fahrzeit, 5:30 Stunden Pausen, 20 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit, 70 km/h Höchstgeschwindigkeit, kein Platten, kein Defekt, kein Sturz. Unter anderem benötigte das Duo zwei XXL-Portionen Nudeln, 30 Energieriegel, 24 Liter Wasser und eine Familienpackung Gesässcreme.

«Es war ziemlich hart, vier Jahreszeiten in so kurzer Zeit zu erleben. Als es auf dem Gavia zu schneien anfing, dachte ich kurz: Das war es wohl», sagt Schulte-Lünzum. Kollege Vogel ergänzt: «Ich würde es aber nochmals machen.» (nch)