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«Gegner provozieren uns zusätzlich»: Aufsteiger Menzo Reinach will seinen Ruf verbessern

Nach holprigem Start ist der FC Menzo Reinach in der 2. Liga angekommen und hat sich im Mittelfeld etabliert. Nun will die Mannschaft mit viel Disziplin Klischees aus dem Weg räumen.

Nik Dömer
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Der FC Menzo Reinach gehört zu den fairsten Teams der Liga.

Der FC Menzo Reinach gehört zu den fairsten Teams der Liga.

Alexander Wagner

Der Aufsteiger kommt langsam ins Rollen. Drei Siege resultierten aus den letzten fünf Partien. Der FC Menzo Reinach etabliert sich damit so langsam im Mittelfeld der 2. Liga. Gemessen am Potenzial der Mannschaft dürfen die Reinacher jedoch nur vorübergehend mit Platz neun zufrieden sein.

Es hätte allerdings bestimmt schon einen besseren Zeitpunkt gegeben, um über die tolle Verfassung von Menzo Reinach zu sprechen. Vergangenen Samstag kassierte das Team von Nikolay Oryachkov gegen den FC Windisch vor heimischer Kulisse eine 2:6-Klatsche.

Der Coach ist sich aber dennoch sicher, dass die Entwicklung in die richtige Richtung geht: «Solche Rückschläge wie gegen Windisch gehören dazu. Mir ist wichtig, dass die Moral stimmt. Wir konnten nach einer schwachen Halbzeit reagieren. Das zeigt, dass die Mannschaft intakt ist.»

Trainer Oryachkov ist zufrieden mit der Entwicklung seiner Mannschaft.

Trainer Oryachkov ist zufrieden mit der Entwicklung seiner Mannschaft.

Alexander Wagner

Der neunte Platz im Mittelfeld ist für Trainer Oryachkov nach turbulentem Saisonstart zufriedenstellend, mehr aber auch nicht: «Wenn ich die individuelle Qualität der Mannschaft anschaue, dann ist die Ausbeute zu mager. Aber ich muss auch festhalten, dass die Saisonvorbereitung alles andere als optimal war. Acht Spieler stiessen aufgrund von Ferien erst einen Tag vor dem Saisonstart zur Mannschaft dazu.»

Entsprechend musste Oryachkov viele Rochaden in den ersten sechs Runden vornehmen: «Einige Spieler waren konditionell noch nicht bereit, das hat sich aber inzwischen eingependelt. In den letzten fünf Partien haben wir den Fussball gespielt, den ich sehen möchte.»

Der Saisonstart von Menzo Reinach verlief holprig.

Der Saisonstart von Menzo Reinach verlief holprig.

Alexander Wagner

Die Leistungssteigerung von Menzo Reinach wirkt sich auch auf Goalgetter Altin Gashi aus. Zuletzt erzielte der erfahrene Stürmer fünf Tore in drei Partie. Mit neun Treffer ist er aktuell der zweitbeste Torschütze der Liga: «Altin könnte schon doppelt so viele Tore auf dem Konto haben, aber er wurde zu wenig mit Bällen gefüttert, das wird nun zum Glück besser. Er ist ein absoluter Topstürmer, bereits in der letzten Saison erzielte er für uns 25 Treffer in 12 Partien.»

Sechs ehemalige Eagles-Spieler im Kader

Auffallend im Kader von Menzo Reinach ist neben Gashi auch der Name Hasanramaj. Gleich viermal war er auf dem Matchblatt gegen Windisch präsent. «Avni spielte bereits letzte Saison bei uns, nun stiessen seine Cousins Kastriot, Burim und Atdhe dazu. Gemeinsam bringen sie eine geballte Erfahrung aus höherklassigen Ligen in unsere Mannschaft», sagt Trainer Nikolay Oryachkov.

Avni Hasanramaj spielt gemeinsam mit seinen drei Cousins bei Menzo Reinach.

Avni Hasanramaj spielt gemeinsam mit seinen drei Cousins bei Menzo Reinach.

Alexander Wagner / FOTO Wagner

Zudem sei auch der 31-jährige Keeper Dardan Neziri eine wichtige Stütze des Teams: «Er ist ein toller Führungsspieler, der seine Erfahrung mit einbringt. Er hat mit Altin, Avni und drei weiteren Spielern bereits bei den Eagles Aarau in der 2. Liga inter gespielt. Er kennt die Spieler genau und weiss, wie man sie anspornen muss.»

Der FC Menzo Reinach wird aber nicht nur von ehemaligen Eagles-Akteuren getragen, sondern auch von Oruc Teke, der beim Team Aargau ausgebildet wurde, sowie Eddy Luongo, der eine Vergangenheit beim Nachwuchs des FC Basel hat, bringen grosse individuelle Klasse in die Mannschaft. Stellt sich die Frage, wie viel Menzo Reinach in der Mannschaft von Oryachkov drinsteckt? Die Antwort erstaunt. Rund 80 Prozent hätten in der Vergangenheit beim Verein gespielt, erklärt der Trainer.

Das Zaubermittel heisst Teamchemie

Oryachkov ist selbst ein Einheimischer und hat als Aktiver für den Klub gespielt. Entsprechend legt er grossen Wert darauf, dass sein Team für die Gegend einsteht: «Das Oberwynental ist eine Multikulti-Region und unser Team widerspiegelt das. Aber mir ist die Herkunft egal, für mich ist der Charakter der Spieler entscheidend.»

Trainer Nikolay Oryachkov spielte einst selber für Menzo Reinach.

Trainer Nikolay Oryachkov spielte einst selber für Menzo Reinach.

Alexander Wagner

Entsprechend steht für ihn Respekt und Disziplin ganz oben auf der Karte. «Ich weiss, dass der Klub in den letzten Jahren nicht immer den besten Ruf hatte. Deshalb möchten wir diesen nun korrigieren. Mit tollen sportlichen Leistungen und mit möglichst wenig Strafpunkten.»

Dass sich der Trainer damit auf gutem Weg befindet, wird mit Blick auf die Tabelle ersichtlich. Was die Fairness anbelangt, steht Menzo Reinach an dritter Stelle. «Da muss ich meiner Mannschaft ein ganz dickes Lob machen», sagt Oryachkov. «Oft haben Gegner noch immer das Gefühl, wir hätten eine kurze Zündschnur und provozieren uns deshalb zusätzlich. Doch die Jungs gehen nicht darauf ein. Unter mir ist noch kein Spieler ausgetickt.»

Goalie Dardan Neziri gehört zu den wichtigsten Stützen im Team.

Goalie Dardan Neziri gehört zu den wichtigsten Stützen im Team.

Alexander Wagner

Sein Zaubermittel heisst Teamchemie: «Ich spreche viel mit den Spielern. Die Kommunikation untereinander ist mir sehr wichtig, dafür nehme ich mir viel Zeit. Wir müssen nicht alle beste Freunde werden, aber wenn es neben dem Platz nicht stimmt, dann können wir auch auf dem Platz nicht liefern. Das ist mein Grundsatz.»

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