Regionalfussball
Der Küttiger Knipser: Warum der Aufsteiger den besten Stürmer der Liga im Team hat

Silvan Otto ist mit acht Toren der erfolgreichste Torschütze der 2. Liga – trotz des guten Laufs ist der Mittelstürmer aber nicht zufrieden mit der Situation beim FC Küttigen.

Nik Dömer
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Silvan Otto (Nummer 14) trifft für Küttigen wie am Laufband.

Silvan Otto (Nummer 14) trifft für Küttigen wie am Laufband.

Alexander Wagner

Der BVB hat Erling Haaland, Bayern hat Robert Lewandowski, Chelsea hat Romelu Lukaku und der FC Küttigen hat Silvan Otto. Rund die Hälfte der bisherigen 17 Saisontore gehen auf das Konto des abgezockten Mittelstürmers. Dabei sind ihm seine Tore eigentlich gar nicht so wichtig.

In der 2. Liga gibt es viele starke Offensivspieler, Akteure wie Fidan Tafa (FC Lenzburg), Roman Berner (FC Schönenwerd-Niedergösgen) oder auch der ehemalige Fussballprofi Alain Schultz vom FC Sarmenstorf liessen in den vergangenen Saisons zahlreich die Netze ­zappeln.

Doch nun steht Silvan Otto allen vor der Sonne: Seine acht Tore in sieben Partien sind Bestwert. Wirklich freuen kann er sich darüber aber nicht: «Ich würde die Tore lieber gegen Punkte eintauschen, wenn das irgendwie möglich wäre», sagt er schmunzelnd.

Silvan Otto wechselte in diesem Sommer vom SC Schöftland zum FC Küttigen.

Silvan Otto wechselte in diesem Sommer vom SC Schöftland zum FC Küttigen.

zvg

Denn für den 24-jährigen Maschinenbauingenieur sind die persönlichen Erfolge sekundär. Für Otto zählt nur der Ligaerhalt, den er mit seinem Jugendverein erreichen möchte. «Ich bin Küttiger durch und durch. Der Verein bedeutet mir sehr viel, ich habe hier alle Juniorenstufen absolviert. Deshalb bin ich nach dem Aufstieg in diesem Sommer auch hierhin zurück­gekehrt, damit ich dem Verein zum Klassenerhalt verhelfen kann.»

FC Küttigen ist momentan spannender als 2. Liga inter

Dass ein Stürmer von seinem Format bei einem 2.-Liga-Aufsteiger landet, ist eigentlich ­keineswegs selbstverständlich. Denn Otto funktionierte auch als Knipser beim höher klassierten SC Schöftland. 44 Tore in 64 Partien erzielte er in der 2. Liga inter.

Doch nach vier Jahren ­hatte die Herausforderung bei seinem Herzensverein mehr Reiz: «Schöftland ist seit Jahren ein gut funktionierender Klub in der 2. Liga inter, mit Küttigen den Klassenerhalt zu schaffen, ist für mich die spannendere Aufgabe. Hier habe ich Mitspieler, die mit mir schon bei den F-Junioren auf dem Platz standen. Mit ihnen Erfolge zu feiern, bedeutet mir sehr viel. Ausserdem muss ich auch mehr Verantwortung übernehmen.»

Jannick Spina kickte mit Silvan Otto (im Hintergrund) bereits bei den Küttiger Junioren gemeinsam auf dem Platz.

Jannick Spina kickte mit Silvan Otto (im Hintergrund) bereits bei den Küttiger Junioren gemeinsam auf dem Platz.

Alexander Wagner

Von seiner Zeit beim SC Schöftland kann Otto nun auch eine Liga tiefer viel profitieren: «Die 2. Liga inter ist intensiver. Was Tempo und Technik anbelangt, ist die Stufe deutlich anspruchsvoller», sagt er. «Ich habe in der 2. Liga inter gelernt, im Strafraum schnellere Entscheidungen zu treffen.»

Ein Spieler wie Otto ist für Küttigen nicht nur wegen seines exzellenten Torriechers unverzichtbar, sondern auch wegen seiner Routine. Inzwischen absolviert er seine neunte Saison als Aktiver.

Mit seinen 24 Jahren gehört er zu den Erfahrensten im Team, das einen Altersdurchschnitt von 22,5 Jahren hat. Zudem ist er ein Aggressivleader auf dem Platz: «Es kommt schon mal vor, dass meine Emotionen raus müssen. Ich versuche mich da ein wenig zu zügeln, aber das ist nicht so leicht. Ich will schliesslich auch das Feuer in mir aufrechterhalten, denn nur so kann ich meine PS auf den Rasen bringen.»

Ottos Tore alleine reichen dem FC Küttigen nicht

Trotzdem konnte auch Otto bisher nicht verhindern, dass der FC Küttigen immer wieder unnötig Punkte liegen lässt. Das junge Team musste bereits mehrfach Lehrgeld bezahlen: «Die Qualität ist da, aber uns unterlaufen zu viele individuelle Fehler. Oftmals liegt es an der Konzentration. Nebenbei haben wir immer wieder Absenzen, fast nie stehen die gleichen elf Spieler zweimal hintereinander auf dem Feld. Dafür bezahlen wir einen teuren Preis.»

Dem FC Küttigen unterlaufen aktuell noch zu viele Fehler.

Dem FC Küttigen unterlaufen aktuell noch zu viele Fehler.

Alexander Wagner

Was Otto meint, wurde zuletzt im Spiel gegen den FC Schönenwerd-Niedergösgen ersichtlich. Der Punkt gegen den Zweitplatzierten schien eigentlich schon eingetütet zu sein, ehe dann mit der letzten Aktion des Spiels noch der Siegtreffer für «SchöNie» fiel. «So was muss ich mit Humor nehmen, sonst gehe ich kaputt daran. Es ist bereits unser zweites Saisonspiel, bei dem wir in letzter Sekunde noch einen Gegentreffer hinnehmen mussten.»

Konsequenz daraus: Der FC Küttigen sitzt mit sechs Punkten auf Rang 13, einem Abstiegsplatz. Doch der Stürmer lässt sich von fehlenden Resultaten nicht beeindrucken. «Ich war immer sehr ehrgeizig, und ich will immer gewinnen. Nur wenn wir drei Punkte holen und ich ein Tor geschossen habe, ist mein Wochenende perfekt. Dafür arbeite ich weiter hart und bin auch zuversichtlich, dass das in Zukunft besser belohnt wird.»

Es versteht sich dann auch von selbst, dass der Titel als ­bester Torschütze der Liga in greifbare Nähe kommen könnte. Für Otto wär es eine Premiere, doch an diese Auszeichnung möchte er gar nicht denken: «Klar, ich würde den Titel gerne entgegennehmen, aber es ist nicht mein Ziel. Wenn ich bis zum Ende der Saison nur noch Assists verbuche, dafür aber für Punkte sorgen könnte, wäre das für mich absolut in Ordnung», erklärt der Stürmer.

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