Regio-Fussball Aargau
Geimpfter ist positiv – aber die Ungeimpften sorgen für die Spielverschiebung

Wenn Fussballer in Quarantäne müssen, sorgt das für Probleme – dabei liesse es sich verhindern. Doch längst sind nicht alle geimpft. Und weil das so ist, kommt es zu Verschiebungen. Wie in der ersten Runde der 3. Liga. Und was tut der Aargauische Fussballverband?

Martin Probst
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Das Eröffnungsspiel in der zweiten Liga zwischen Schönenwerd-Niedergösgen konnte wie geplant durchgeführt werden. Andernorts kam es bereits zu Verschiebungen.

Das Eröffnungsspiel in der zweiten Liga zwischen Schönenwerd-Niedergösgen konnte wie geplant durchgeführt werden. Andernorts kam es bereits zu Verschiebungen.

Alexander Wagner / FOTO Wagner

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Wären alle Fussballer geimpft, gäbe es fast keine Spielverschiebungen aufgrund von Corona mehr. Einzige Ausnahme: Es sind sechs oder mehr Spieler einer Mannschaft trotz Impfung gleichzeitig erkrankt.

Es wäre also grundsätzlich einfach, den Spielbetrieb zu sichern. Weil der Fussballplatz aber ein Spiegel der Gesellschaft ist, gibt es auch dort solche, die sich ­impfen, und solche, die es lieber lassen.

Darum war es nur eine Frage der Zeit, bis auch in der neuen Fussballsaison ein Spiel aufgrund eines Coronafalls und dessen Quarantänefolgen verschoben werden muss. So passiert in der 3. Liga mit der Partie Döttingen gegen Würenlingen, nachdem sich die ungeimpften Spieler von Döttingen in Quarantäne be­geben mussten, während die geimpften verschont blieben.

Verschweigen aus Angst und Scham?

«Wir hatten ein Testspiel zwischen den A-Junioren und der ersten Mannschaft», sagt Trainer Husein Redzic. «Wenig später wurde ein Spieler positiv getestet und wir haben sofort alle Massnahmen getroffen.»

Husein Redzic, Trainer FC Döttingen.

Husein Redzic, Trainer FC Döttingen.

zvg

Sprich: Der Verein hat die Be­hörden, den Aargauischen Fussballverband und den Gegner aus Würenlingen informiert. «Mir ist wichtig, dass wir uns vorbildlich verhalten», sagt Redzic.

Er könne sich vorstellen, dass Fälle verschwiegen würden aus Scham und Angst, negativ beachtet zu werden. «Und das darf nicht sein. Es geht um die Gesundheit. Da wollen wir vorausgehen und auch anderen zeigen: Es kann passieren und das nicht, weil man etwas falsch gemacht hat.»

Der Aargauische Fussballverband bleibt abwartend

Redzic selbst ist zweifach geimpft. Viele seiner Spieler auch. «Wir thematisieren es auch im Training. Wer geimpft ist, erzählt davon und auch falls es Nebenwirkungen gab», sagt er. Manche hätten sich in der Folge für eine Impfung entschieden, andere nicht.

«Die Ungewissheit, dass es immer wieder zu Quarantänefällen kommen kann, macht die Arbeit als Trainier nicht einfach», sagt Redzic. «Ich wünschte mir, viele würden sich impfen. Aber wie das erreicht wird, muss die Politik entscheiden. Man sollte aber nicht vergessen, dass es nicht nur Folgen für einen selbst haben kann.» Sondern für das ganze Team.

Eine Möglichkeit wäre, im Regionalfussball das «Geimpft, getestet oder genesen»-Konzept einzuführen. Entsprechende Pläne hat der Aargauische Fussballverband allerdings nicht. Auf Anfrage heisst es: «Wir halten uns an die Empfehlungen des BAG.»

Grundsätzlich für die Impfung

Es ist aber auch im Interesse des Verbands, möglichst wenige Verschiebungen zu haben, soll nach zwei Saisons mit Ab- und Unterbrüchen Normalität einkehren. Präsident Luigi Ponte erklärte im Interview mit dieser Zeitung, dass er die Impfung begrüsse und sie der einzige Weg sei, damit sich der Regionalfussball normalisieren könne.

Aber müsste der Verband nicht noch aktiver für die Impfung werben? Mit Slogans wie: «Impfe dich, damit du und deine Kollegen das tun dürfen, was ihr am liebsten tut.»

Auf Anfrage heisst es, der Aargauische Fussballverband schliesse sich den Kampagnen des Schweizerischen Verbands und von Swiss Olympic an. Selbst wird er derzeit nicht weiter aktiv. Sicher scheint, die Verschiebung wird nicht die letzte bleiben.

«Und es ist ja schon verrückt», sagt Redzic. «Bei uns infizierte sich ein Spieler, der doppelt geimpft ist.» Und das motiviert die Un­geimpften natürlich nicht. Schutz vor Quarantäne hin oder her.

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