Die Uhr tickt. Auf der Homepage der Red Lions Reinach zählt der Countdown die Sekunden bis zum ersten Saisonspiel rückwärts:

Am Samstag, 23.09.2017 sollen die roten Löwen den Kantonsrivalen, die Argovia Stars, empfangen. Erstmals duellieren sich die beiden Klubs auf 1.-Liga-Niveau. Doch die Vorfreude hält sich in Grenzen. Denn Reinach hat noch immer kein konkurrenzfähiges Team. Auf der Red-Lions-Klubseite sind gestern neun Spieler gelistet, wobei mittlerweile laut Verein 15 Spieler verpflichtet werden konnten.

Um in der 1. Liga konkurrenzfähig zu sein, braucht es jedoch mindestens 20, ja 25 gute Spieler. Deswegen sucht der Klub mittels Aufruf Spieler. «Angesprochen sind nicht nur Elite-Junioren, sondern auch gute 2.-Liga-Spieler, die sich gerne mal in der 1. Liga versuchen würden», wird Trainer Beat Renggli im Aufruf zitiert.

Ob dieser gefruchtet hat, will der Verein erst am Montag bekannt geben. Dann läuft die Frist des Schweizer Eishockeyverbandes ab. Man sei in einer «heiklen Phase», heisst es auf Anfrage lediglich beim Verein.

Brisant: In der Hockey-Szene spricht man von maximal einer Handvoll Spieler, die bereit sind, für Reinach zu spielen. Dass das Projekt mehr als gefährdet ist, zeigt die Tatsache, dass die AZ von zwei Reinach-Spielern weiss, die ins Auge fassten, den Klub bereits wieder zu verlassen.

Sie dürften die Motivation nach einer Testspielniederlage gegen die Junioren Top (!) aus Olten und darauffolgenden Testspielabsagen bereits wieder verloren haben.

Rückblick: Im Frühsommer steigen die Red Lions, ohne ein einziges Aufstiegsspiel bestritten zu haben, auf. Sie überspringen am grünen Tisch eine Klasse und spielen künftig statt in der dritten in der ersten Liga. Weil in der klassischen 1. Liga nach der Schaffung der Super-1.-Liga «My Sports League» zu wenig Teams übrig geblieben sind, hatte der Verband Mannschaften gesucht.

Reinach nahm die Challenge an, nach einer Bankgarantie von 75 000 Franken – und weiteren Investitionen – stand dem Aufstieg nichts mehr im Wege. Das Hockey-Wunder schien sich zu erfüllen.

Doch während der Verein bei den Finanzen auf Kurs zu sein scheint, sind im Kader viele Positionen unbesetzt. Viele der Konkurrenten bezweifeln, dass Reinach konkurrenzfähig in die Saison starten wird. Denn der Markt kompetitiver 1.-Liga-Spieler ist nicht nur überschaubar, sondern auch längst ausgetrocknet.

Umso schwieriger macht die Suche zudem, dass Reinach den Spielern keinen Lohn bezahlen will, was bereits in der Amateurliga eher unüblich ist. Sie erhalten lediglich einen Beitrag an das Material. «Von unserem Team erwarte ich primär Leidenschaft, Einsatz und Herzblut», sagt Finanzchef Carl von Heeren in einem Klubbericht im «Wynentaler Blatt».

Der Klub versucht nun, mit Blick ins Ausland, die Probleme zu schmälern. Obwohl man auf den Schweizer Nachwuchs setze, ist Reinach an einer Verpflichtung von zwei schwedischen Ausländern interessiert. Sie sollen das Vereinsbudget aber nicht belasten und ihr monatliches Einkommen über einen privaten Arbeitgeber in der Region verdienen. Die Uhr tickt.