FC Aarau
Raimondo Ponte sorgt vor dem Match in Basel für Aufbruchstimmung

Am Samstag gastiert der FC Aarau bei Tabellenführer Basel (Anstoss um 20 Uhr). Nach dem Trainerwechsel von Sven Christ zu Raimondo Ponte herrscht Aufbruchstimmung.

Ruedi Kuhn
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Der neue Chef beim FC Aarau: Trainer Raimondo Ponte während des Trainings auf dem Rasenplatz beim Stadion Brügglifeld.Chris Iseli

Der neue Chef beim FC Aarau: Trainer Raimondo Ponte während des Trainings auf dem Rasenplatz beim Stadion Brügglifeld.Chris Iseli

Was hat Raimondo Ponte, was Sven Christ nicht hat? Was änderte sich beim FC Aarau nach dem Trainerwechsel? Was zeichnet Ponte aus? Was verblüfft? Was nervt? «Das müssen sie nicht mich, das müssen sie die Spieler fragen», sagt der Neue. «Ich kenne Christ kaum und kann seine Arbeit als Trainer nicht beurteilen. Mir war klar, dass ich eine verunsicherte Mannschaft antreffen werde. Das ist nach 14 sieglosen Spielen allerdings nicht verwunderlich.»

Zum Geburtstag ein Spiel

60 Jahre alt wird Raimondo Ponte am Samstag, dem Tag seiner Feuertaufe als Trainer des FC Aarau. Die Mannschaft trifft sich am Morgen im Brügglifeld zu einem Footing und zieht sich dann in ein Hotel zurück. Nach dem Mittagessen, einer kurzen Ruhephase, einem Zvieri und der Teamsitzung folgt die Reise in den St. Jakob-Park. Sandro Burki fehlt wegen einer Sperre. Für den Captain wird wohl Olivier Jäckle auf der Position des zentralen, defensiven Mittelfeldspielers bringen. Edgars Gauracs ist nach wie vor im Aufbautraining. Bezüglich Aufstellung und System lässt sich Ponte nicht in die Karten schauen. «Eines kann ich sagen», erklärt er. «Es wird die eine oder andere Überraschung geben.» (ruku)

Spricht man in diesen Tagen mit Spielern und Funktionären, so hört man immer wieder das Wort «Aufbruchsstimmung». «Ponte sorgt für frischen Wind», erklärt Sportchef Urs Bachmann. «Er ist äusserst kommunikativ und hat absolut keine Berührungsängste. Alle Spieler sind voll mit dabei und ziehen am gleichen Strick. Ich spüre, dass das Team näher zusammenrückt.»

Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, dass Ponte im Kampf gegen den Abstieg nicht nur Routine und Erfahrung, sondern auch andere Qualitäten zu bieten hat. Eines ist den Spielern schnell klar geworden: Der Name Ponte steht in erster Linie für Disziplin, Ordnung und Sauberkeit. Nachfolgend nehmen wir den Neuen unter Berücksichtigung von vier Charaktereigenschaften unter die Lupe.

Ponte, die Frohnatur

Die Trainings beim FC Aarau stehen unter dem Motto «Wider den tierischen Ernst». Ponte versucht, mit Aufmunterungen und Sprüchen für gute Stimmung zu sorgen und den Spielern das verloren gegangene Selbstvertrauen zurückzugeben. Es darf durchaus mal gelacht werden.

Die monatelange Erfolglosigkeit führte dazu, dass die Lust am Fussball verloren gegangen ist. «Ich will einerseits die Lockerheit und das spielerische Element fördern», sagt Ponte. «Anderseits müssen die Spieler wissen, dass im Fussball ohne Tugenden wie Disziplin, Organisation und Konzentration nichts läuft.» Ponte ist also eine Mischung aus Lehrmeister, Psychologe und Vaterfigur.

Ponte, der Teamplayer

Ponte setzt voll und ganz auf die Gruppendynamik. Er geht auf jeden Spieler zu und gibt ihm das Gefühl, wichtig zu sein. Ponte nimmt den Hintersten und Letzten ernst und fördert so das Zusammengehörigkeitsgefühl.

Während seiner zweiwöchigen Amtszeit hat er mit allen Kaderspielern ein Gespräch unter vier Augen geführt. Er macht keinem etwas vor und legt die Stärken und Schwächen offen auf den Tisch. Trainiert die Mannschaft zweimal am Tag, gibt es ein gemeinsames Mittagessen.

Ponte, der Perfektionist

Dass Ponte grossen Wert auf Ordnung und Sauberkeit legt, zeigen einige Beispiele. Den Spielern ist es verboten, die Umkleidegarderobe vor, während und nach den Trainings mit Schuhen zu betreten. Handys dürfen nicht offen herumliegen.

Nach getaner Arbeit müssen die Spieler die Löcher auf dem Spielfeld stopfen. Die Fussballschuhe werden nach den Trainingseinheiten fein säuberlich geputzt. Ponte legt Wert auf Details, ist aber alles andere als ein sturer Hund und zu Kompromissen bereit. Er überlegte sich zu Beginn seiner Amtszeit, Stürmertrainer Erik Regtop auszusortieren. Nach den ersten Eindrücken hat er seine Meinung geändert und arbeitet mit dem Stürmertrainer zusammen.

Ponte, der Taktikfuchs

Ponte ist bekannt dafür, dass er eine Mannschaft gut auf einen Gegner einstellen kann. Er gibt jedem Spieler eine Aufgabe, die er ohne Wenn und Aber zu erfüllen hat. Wer spurt, der spielt. Wer sich nicht an die Anweisungen hält, ist weg vom Fenster. Ponte gilt als Defensivpapst. Ein 0:0 in Basel würde er sofort unterschreiben.