Radsport
Jan Christen: Weshalb der Gippinger ein Talent für alle Dimensionen ist

Der Gippinger Jan Christen (16) ist seit dem Wochenende nicht nur Radquer- und Bahn-, sondern auch Schweizer U19-Mountainbike-Meister. Bald könnten für das Ausnahmetalent die Titel Nummer vier und fünf dazukommen.

Marcel Kuchta
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Auf dem Weg zu einem weiteren Meistertitel: Jan Christen auf dem Mountainbike.

Auf dem Weg zu einem weiteren Meistertitel: Jan Christen auf dem Mountainbike.

ZVG

Die Frage geht an den Schweizer Radsportverband Swiss Cycling: Gab es das schon einmal, dass ein und derselbe Fahrer gleichzeitig Titelträger in den Sparten Bahn, Radquer und Mountainbike war? Die Antwort des Mediensprechers: «Es gibt mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit keinen, der das geschafft hat.»

Zumindest war dies bis am letzten Wochenende der Fall gewesen. Dann holte Jan Christen in Gstaad den Meistertitel in der Kategorie U19 der Cross-Country-Mountainbiker. Dies, nachdem er bereits zu Beginn des Jahres erst den Radquer-Titel und dann auch noch den Bahn-Titel seiner Altersstufe gewonnen hatte.

Schweizer Meister Radquer

Schweizer Meister Radquer

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Schweizer Meister Mountainbike

Schweizer Meister Mountainbike

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Schweizer Meister Bahn

Schweizer Meister Bahn

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Es ist in der Tat mehr als bemerkenswert, dass sich ein Fahrer in derart unterschiedlichen Disziplinen gleichzeitig überall an die Spitze setzt und dabei auch jeweils eine Menge Spezialisten hinter sich lässt. Jan Christen, dem dieses Kunststück gelang, wird bald 17 Jahre alt und ist in der Aargauer Radsporthochburg Gippingen zu Hause. Dort also, wo am kommenden Wochenende zum 57. Mal die traditionellen Radsporttage über die Bühne gehen werden.

Auch dort wird Jan Christen am Start stehen. Nicht am Freitag, wenn sich die Elite (mit seinem Bruder Fabio) um den Sieg des «Grossen Preises des Kantons Aargau» streitet, sondern am Sonntag, wenn die U19-Nachwuchsfahrer ans Werk gehen. Und das Ziel des Lokalmatadors ist auch dort klar: «Ich will gewinnen», sagt er mit dem Selbstbewusstsein des Siegfahrers. Gleichzeitig ist er sich aber bewusst, dass diese Aufgabe angesichts der starken internationalen Konkurrenz alles andere als einfach lösbar ist.

Den Meistertitel im Vorbeigehen mitgenommen

Doch wenn die vergangenen Monate etwas gezeigt haben, dann die Tatsache, dass Jan Christen ein Talent für alle Dimensionen des Radsports ist – und vor allem, dass er ziemlich oft einen Weg zum Sieg findet. Selbst in einer Disziplin wie Mountainbike, die in seiner Planung keine allzu wichtige Rolle spielt. Sein Fokus gilt den Strassenrennen und dem Radquer.

Der Strassenspezialist triumphiert auch bei den Bikern: Jan Christen bei der Zieleinfahrt.

Der Strassenspezialist triumphiert auch bei den Bikern: Jan Christen bei der Zieleinfahrt.

ZVG

Nur wenn die Gelegenheit günstig ist und es das Rennprogramm erlaubt, dann macht das Riesentalent auch mal einen Ausflug in die anderen Sparten. So wie am vergangenen Sonntag, als er quasi im Vorbeigehen seine Altersgenossen im Mountainbike in die Knie zwang. Und es könnte noch viel besser kommen: Mitte Juni finden in der Region Lausanne die Schweizer Meisterschaften im Zeitfahren und auf der Strasse statt. In beiden Kategorien rechnet sich Jan Christen grosse Siegchancen aus. Gut möglich also, dass der Aargauer in absehbarer Zeit fünffacher, amtierender Schweizer Meister ist. Das wäre dann zweifellos ein Rekord.

Seine Polyvalenz hat jedoch einen speziellen Nebeneffekt: Jan Christen ist mit seinen starken Leistungen natürlich auch in jeder Sparte ein Kandidat für ein WM-Aufgebot, was ihm mitunter aber nicht zwingend in den Kram passt. Ein Beispiel: Ende August findet in Italien die Mountainbike-WM statt. Als amtierender U19-Meister könnte er natürlich in die Kränze kommen, die Schweiz zu vertreten.

Die Qual der Wahl

Zu diesem Zeitpunkt möchte sich Christen aber am liebsten mit voller Konzentration auf die letzten Höhepunkte der Strassensaison vorbereiten. Eine Woche später steht das wichtige Junioren-Etappenrennen GP Rüebliland auf dem Programm, Mitte September geht die Rad-WM in Belgien über die Bühne. Gut möglich also, dass Jan Christen am Ende die Qual der Wahl hat. Es sind die Sorgen eines Seriensiegers.