Radsport
Aline Seitz und der ganz spezielle Höhepunkt nach dem Absagen-Hagel

Die Buchser Bahn-Spezialistin Aline Seitz freut sich auf ihre Teilnahme an der Tour de Suisse der Frauen. Ihr bisheriger Saisonverlauf war vor allem von Absagen geprägt. Und nicht immer war Corona die Ursache.

Marcel Kuchta
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Freut sich unheimlich auf ihre Tour-de-Suisse-Teilnahme: Aline Seitz.

Freut sich unheimlich auf ihre Tour-de-Suisse-Teilnahme: Aline Seitz.

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Wenn Aline Seitz die letzten Monate Revue passieren lässt, dann gehts primär mal um Anlässe, die nicht stattgefunden habe. Dabei singt sie nicht einmal immer das seit über einem Jahr altbekannte Corona-Lied. Die Bahnspezialistin wäre ab April gerne in ihrer präferierten Disziplin an den Start gegangen. Doch eben: Es hagelte Absagen.

EM in Belarus? Auch für Aline Seitz eine Zwickmühle

Der Weltcup in England fiel tatsächlich der Corona-Mutation zum Opfer. Derjenige in Hongkong wurde von Swiss Cycling gestrichen. Dann wurde der Anlass in Cali, Kolumbien wegen der dort herrschenden, politischen Unruhen abgesagt. Aus politischen Gründen wurde auch der Wettkampf gestrichen, der Ende Juni auf dem Programm gestanden wäre: Die Bahn-Europameisterschaft in Belarus wurde vom europäischen Radsportverband (UEC) aufgrund der problematischen Menschenrechtslage gecancelt.

Und darüber ist auch Aline Seitz nicht ganz unglücklich. Sie sagt: «Grundsätzlich sind wir Sportler, die unseren Beruf ausüben wollen. Und wenn man für einen Wettkampf aufgeboten wird, dann geht man an den Start. Weil eine persönliche Absage auch wieder Auswirkungen auf zukünftige Selektionen haben könnte», beschreibt sie die Zwickmühle, in die man als Spitzensportler geraten kann. Darum fügt sie an:

«Es ist halt schon fragwürdig, wenn diese Wettkämpfe in Ländern mit solchen Menschenrechts-Problemen ausgetragen werden. Da macht man sich logischerweise schon seine Gedanken.»

Tour-de-Suisse-Teilnahme als Entschädigung

Immerhin: Der fast komplette Ausfall der bisherigen Bahn-Saison hat für die 24-Jährige trotz allem einen angenehmen Nebeneffekt. Neben ihrem üblichen Trainingspensum auf der Bahn stand sie auch vermehrt bei Strassenrennen im Einsatz. Und kommt deshalb am kommenden Wochenende bei einem speziellen Anlass zum Handkuss. Sie gehört zu einer der beiden Schweizer Nationalequipen, die bei der Tour de Suisse der Frauen am Start stehen. Seitz bildet zusammen mit Mountainbike-Spezialistinnen wie Jolanda Neff, Lisa Indergand oder Sina Frei eine Crew.

Deshalb wird die Aargauerin in der ersten der beiden Etappen rund um Frauenfeld vor allem mit Helferaufgaben beschäftigt sein. Das Teilstück vom Samstag ist eher auf Bergfahrerinnen zugeschnitten. «Da werde ich mich sicher in den Dienst der Equipe stellen und schauen, dass unsere starken Bikerinnen gut positioniert sind vor den Steigungen.

Am Sonntag kommen wohl die Sprinterinnen zum Handkuss

Am Sonntag, so hofft Aline Seitz, will sie dann auf dem ihren Fähigkeiten besser zugeschnittenen, flachen Terrain selber Akzente setzen. «Ich spekuliere natürlich, dass es zu einem Sprint kommt und ich vorne dabei bin. Aber klar ist: Für ein gutes Resultat muss für mich alles perfekt laufen. Es braucht auch ein wenig Rennglück. Und die Konkurrenz ist gross», sagt sie mit Blick auf die prominent besetzte Startliste, die unter anderem auch die beiden zurzeit stärksten Schweizer Frauen, Marlen Reusser und Elise Chabbey, umfasst. Für Aline Seitz ist diese Mini-Tour-de-Suisse der Frauen so oder so ein absolutes Highlight: «Für mich ist es sehr speziell, dass ich mal auf höchstem Niveau vor eigenem Publikum fahren darf. Darauf freue ich mich extrem!»