Fussball
Radi Schibli: «Ich bereue, nicht auf den Fussball gesetzt zu haben»

Die Aargauer Trainerlegende Radi Schibli hat erneut zugeschlagen: Der 67-jährige Koblenzer führte Klingnau zum Aufstieg in die 2. Liga. Und der alte Trainerfuchs hat noch lange nicht genug.

Nicola Imfeld
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Noch nie abgestiegen: Radi Schibli

Noch nie abgestiegen: Radi Schibli

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Radi Schibli, Sie sind eine Aargauer Trainerlegende. Erklären Sie uns, warum?

Ich bin seit 35 Jahren im Trainerbusiness und war fast ausschliesslich im Aargau tätig. Jede Mannschaft, die ich länger als ein Jahr trainiert habe, konnte mindestens einen Titel oder Aufstieg feiern.

Und nicht zu vergessen der Cupsieg mit Aarau.

Genau. Da war ich Assistent von Ottmar Hitzfeld. Eine wunderbare und erfolgreiche Zeit.

Wie kamen Sie eigentlich zum FC Aarau?

Ottmar hat mich angerufen und gefragt, ob ich ihm helfen wolle. Wir haben zusammen das Nationalliga A-Diplom (heute: Uefa-Pro-Lizenz, Anm. d. Red.) absolviert und uns so kennen gelernt.

Warum sind Sie nicht bei Aarau geblieben?

Als zweifacher Familienvater hatte ich die Wahl zwischen dem unsicheren Trainerbusiness und meinem gut bezahlten Job. Nach Absprache mit meiner damaligen Ehefrau entschied ich mich, beim FC Aarau aufzuhören und mich fortan auf den Amateurbereich zu fokussieren.

Ottmar Hitzfeld wurde später Champions-League-Sieger mit Borussia Dortmund. Sie hätten dabei sein können. Bereuen Sie ihre Entscheidung?

Ganz ehrlich: Ich bereue, dass ich damals nicht auf den Fussball gesetzt habe. Trotzdem konnte ich auch viele Erfolge im Amateurbereich feiern. Es ist nun so, wie es ist.

Ihre Amateur-Bilanz ist beeindruckend. Sie sind nie abgestiegen, haben mit etlichen Mannschaften den Klassenerhalt geschafft oder sie in eine höhere Liga geführt.

Richtig. Auf diese Statistik bin ich auch stolz. Mittlerweile bin ich wohl mehr als zehn Mal aufgestiegen.

Und nun mit Klingnau – in die 2. Liga.

Das hätte ich in solch kurzer Zeit nicht für möglich gehalten. In der letzten Saison stiess ich zu Beginn der Rückrunde auf eine völlig verunsicherte Mannschaft. Wir hielten nur mit Mühe die Klasse. Im Sommer gab es einige Kadermutation, sodass das Wunder überhaupt möglich wurde.

Was sind die nächsten Ziele mit Klingnau?

Meine Aufgabe ist es, das Team zu konsolidieren. In dieser Saison haben wir aus 13 Heimspielen zwölf gewonnen und ein Unentschieden gespielt. Können wir unsere Heimstärke beibehalten, sollte ein Platz im vorderen Mittelfeld drin liegen.

Was machen Sie, wenn Sie im nächsten Jahr mit Klingnau gleich wieder in die 2. Liga interregional aufsteigen?

Sie zielen auf meine Haare ab. (lacht) Okay, dann würde ich mir die Haare kurz schneiden.

Nicht ganz abrasieren?

Nein, nein. Dafür bin ich zu alt.

In 35 Jahren Fussball hat man bestimmt einiges erlebt. Erzählen Sie uns eine Anekdote.

Beim Cupfinal zwischen Aarau und Xamax wollte Ottmar unseren Abwehrpatron Walter Iselin nach 60 Minuten vom Platz nehmen. Damals durfte man bloss zweimal auswechseln und wir haben bereits einen Wechsel getätigt. Ich erinnerte ihn daran, dass dieses Spiel vielleicht in die Verlängerung gehen könnte und wir dann über eine weitere Wechselmöglichkeit froh sein würden. Er liess Iselin im Spiel und dieser erzielte nur zehn Minuten später den 1:0-Siegestreffer.

Sie müssen ein unglaublicher Trainer sein, wenn Sie in 35 Jahren nie abgestiegen sind. Was zeichnet Sie als Coach denn aus?

Ich bin authentisch und ein guter Motivator. Unter der Woche fordere ich viel Disziplin. Man muss sich respektieren, um Erfolg zu haben. Auch taktisch kann ich meinen Spielern viel beibringen.

Ihre erste Station als Juniorenfussballer war der FC Klingnau. Schliesst sich hier der Kreis?

Wahrscheinlich. Ich habe noch einen Zwei-Jahresvertrag. Diese Zeit will ich noch geniessen und die Spieler weiterentwickeln. Nachher ist wohl Schluss.

Was macht eine Trainerlegende im Ruhestand?

Reisen und das Leben geniessen. Amerika, Brasilien... Es gibt so viele schöne Plätze auf dieser Welt. Fest vorgenommen habe ich mir, vier Monate auf Gran Canaria einfach zu faulenzen.