Die rund 300 nach Winterthur angereisten Fans des FC Aarau zeigten der Mannschaft auf einem riesigen Banner, was sie von ihr nach dem knapp verpassten Aufstieg in der neuen Saison erwarten: «Vo Afang ah dorestarte!» Von Anfang an durchstarten – natürlich eine Anlehnung an die Ereignisse vor einem Jahr, als der FCA mit sechs Niederlagen am Stück den Start komplett vermasselte.

Nach dem Abpfiff lautet das Fazit: Endresultat und Gesamtleistung hätten dem Aufruf aus der Fankurve näher kommen können, das 1:1 entsprach dem Gezeigten: Aarau war in der ersten Halbzeit besser als Winterthur und verdiente sich das 1:0 durch Mats Hammerich (29. Minute); nach dem Seitenwechsel aber war viel Glück dabei beim Umstand, dass der Gegner nur das eine Tor von Roman Buess (50.) erzielte.

In der Folge scheiterten Petar Sliskovic und Davide Callà am Pfosten, dazu annullierte Schiedsrichter Klossner ein weiteres Tor von Buess wegen Abseits – nach Konsultation der TV-Bilder eine richtig entschiedene, aber auch eine so knappe Szene, bei der nicht jeder Linienrichter die Fahne hebt.

Die Aarauer Lichtblicke auf der Schützenwiese

Der Saisonauftakt – auch wenn auf ihn noch 35 Spiele folgen – bestätigte die Eindrücke im Vorfeld: Mit dem ausgedünnten Kader wird der FCA permanent an der Leistungsgrenze und darüber spielen müssen, will er bis zum Schluss mit GC und Lausanne in der Spitzengruppe der Tabelle verweilen. Der FC Winterthur, in der vergangenen Spielzeit das Überraschungsteam und lange vorne dabei, dürfte dieses Jahr noch stärker sein und bei einigermassen normalem Verlauf den Aarauern immer nahe bleiben.

Doch es gab auf der Schützenwiese aus Aarauer Sicht auch Lichtblicke, auf die man hoffen, sie aber nicht erwarten durfte: Marco Thaler deutete an, den an YB verlorenen Abwehrchef Nicolas Bürgy ersetzen zu können. Neuzugang Jérôme Thiesson war offensiv und defensiv ein Aktivposten, seine Allrounder-Fähigkeiten tun der Mannschaft gut. Und dann war da Nicholas Ammeter, für Aussenstehende das grösste Fragezeichen vor dem Saisonstart, nicht so für die FCA-Verantwortlichen, die keine Freude hatten an den Kritikern, die einen 18-jährigen Goalie als zu riskante Variante für einen Verein mit hohen Ambitionen bezeichneten.

Fürs Erste geht der Punkt an Trainer Patrick Rahmen und Sportchef Sandro Burki, die Ammeter konsequent den Rücken stärkten. Die Leistung des waschechten Aarauers in seinem ersten Pflichtspiel als Profi überhaupt verdient das Prädikat «hervorragend» und gemessen an den Umständen die Bestnote 6. Den ersten Test in der 8. Minute, ein perfider Freistoss durchs Getümmel, meistert er gekonnt. Am Ende sind es fünf Paraden, die Ammeter neben dem Aarauer Torschützen Mats Hammerich zum Hauptgaranten für den Auswärtspunkt machen.

Verbale Provokationen und Ellbogenschläge

Bei den Fans hinterlässt sein Debüt so viel Eindruck, dass ein Trio von ihnen nach dem Schlusspfiff hinter die Aarauer Ersatzbank eilt und Ammeters Namen skandiert. Für ihn fast zu viel der Anerkennung, und nach dem zarten «Danke Jungs» in Richtung der Fans sagt er ganz Profi: «Unser Ziel, das Spiel zu gewinnen, haben wir nicht erreicht. Das ärgert mich grad am meisten.» Seine eigene Leistung, ja, über die sei er froh.

«Am erstaunlichsten für mich war, wie ruhig ich vor dem Spiel war. Ich spürte zu keinem Zeitpunkt Nervosität.» Die sei auch dann nicht aufgekommen, als ihn die Gegenspieler bei Eckbällen und Freistössen verbal provozierten, einer habe ihm sogar einen Ellbogen in die Magengegend gehauen. Sein trockener Kommentar zu den Attacken: «Ich habe mich einfach entsprechend gewehrt.» Punktsieg für Ammeter.

Die Haupttribüne des Brügglifelds ist gerade sitzlos.

Die Haupttribüne des Brügglifelds ist gerade sitzlos.