FC Aarau
Publikumsliebling: Die Herzen schlagen für Igor Nganga

Gewinnt der FC Aarau am Sonntag das Heimspiel gegen Wil, beträgt der Rückstand auf den Tabellenzweiten der Challenge League noch sechs Punkte. Im Brennpunkt des Geschehens steht wie immer Igor Nganga. Der 28-jährige Kongolese schlüpft beim FC Aarau mehr und mehr in die Rolle des Publikumslieblings.

Ruedi Kuhn
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Igor Nganga (rechts) setzt nach seinem Tor gegen Wohlen zum Tänzchen an, obwohl seine spezielle Tormusik ausbleibt.

Igor Nganga (rechts) setzt nach seinem Tor gegen Wohlen zum Tänzchen an, obwohl seine spezielle Tormusik ausbleibt.

Schweiz am Sonntag

Erzielt Igor Nganga in einem Heimspiel des FC Aarau einen Treffer, erklingt im Brügglifeld Augenblicke später die Tor-Musik «Gangnam Style» vom südkoreanischen Rapper Psy. Warum? Ganz einfach! Die Fans des FC Aarau wollen das so. Schliesslich klingt «Gangnam Style» in etwa so wie «Nganga Style».

Vier Treffer erzielte Nganga in den bisherigen sechs Spielen der Rückrunde. Drei davon schoss der 1,84 Meter grosse und 80 Kilogramm schwere Mann aus dem Kongo in den Auswärtspartien beim 2:1 in Chiasso und 3:1 in Schaffhausen. Das vierte und wohl schönste Tor gelang Nganga im Brügglifeld gegen den Kantonsrivalen FC Wohlen. Der Kopfballtreffer zum 2:0-Endstand aus acht Metern nach einer halben Stunde war grosse Klasse.

Zum Leidwesen der Anhänger des FC Aarau klappte das Abspielen von «Gangnam Style» nach dem Torerfolg allerdings nicht. Nganga konnte sich über seinen ersten Treffer in der Rückrunde vor heimischer Kulisse trotzdem freuen. «Ich habe zwar gemerkt, dass die Tor-Musik nicht abgespielt wurde», blickt er mit einem sanften Lächeln zurück. «Aber das ist nicht so schlimm. Wahrscheinlich hat der Speaker nicht erwartet, dass ich ein Tor schiesse. Das geschieht ja auch nicht alle Tage.»

Publikumsliebling dank Kämpferherzen

Nganga ist in den vergangenen Monaten dank des grossen Kämpferherzens und der offensiven Spielweise zum Publikumsliebling geworden. Das spürte man vor allem nach dem Schlusspfiff im Derby. Nganga eilte zu den FCA-Fans, dankte ihnen für ihr Wohlwollen und liess sich feiern.

Zu guter Letzt skandierten die Anhänger minutenlang den Namen des rechten Aussenverteidigers. «Igor, Igor» hallte es durchs Brügglifeld. «Das sind wunderschöne Erlebnisse, die man nie vergisst», sagt er. «Ich spüre, dass die Fans mich in ihr Herz geschlossen haben. Also nehme ich mir auch gerne Zeit für sie. Und zwar nicht nur nach den Spielen, sondern auch in meiner Freizeit. Es ist toll, wenn jemand von mir etwas über den FC Aarau wissen will.»
Wie sehr Nganga das Schicksal des FC Aarau am Herzen liegt, zeigt folgendes Beispiel: In der nächsten Woche hätte er mit der Republik Kongo zwei Länderspiele gegen Sambia bestreiten müssen. Um Nganga zu beobachten, reiste Trainer Pierre Le Chantre extra zum Heimspiel des FC Aarau gegen Le Mont: 1:0.

Danach sprachen Le Chantre und Nganga zwei Stunden lang über die bevorstehenden Qualifikationsspiele für den Afrika Cup 2017. Nach der Unterredung war der Aarauer Abwehrspieler hin und her gerissen. Sollte er dem Aufgebot von Le Chantre Folge leisten oder sich voll und ganz auf den FC Aarau konzentrieren? «Ich machte mir den Entscheid nicht leicht», sagt er. «Aber ich werde nicht nach Afrika reisen. Der FC Aarau braucht mich in dieser schwierigen Phase. Ausserdem möchte ich in der zweiwöchigen Meisterschaftspause nach dem Spiel gegen Wil möglichst viel Zeit mit meiner Familie in unserem Zuhause in Hunzenschwil verbringen.»

Vertrag nur noch bis Ende Saison

Nganga wechselte im Sommer 2011 als Captain des FC Schaffhausen nach Aarau und folgte dem Ruf seines Förderers und Trainers René Weiler. Seine Statistik mit 137 Meisterschaftsspielen und 18 Toren ist beeindruckend. Sein Vertrag in Aarau dauert allerdings nur noch bis Ende Saison.
Man darf gespannt sein, ob sich Nganga mit der FCA-Führungscrew um Vizepräsident Roger Geissberger und Sportchef Raimondo Ponte auf eine weitere Zusammenarbeit einigen kann. Einfach dürfte die Sache nicht werden. Schliesslich kennt Nganga seinen Stellenwert innerhalb der Mannschaft genau. «Ich bin jetzt seit fünf Jahren in Aarau», hält er fest. «Für diese Zeit bin ich dem Verein sehr dankbar. Er hat mir viel gegeben. Ich habe aber auch dem FC Aarau viel gegeben.»
Nganga würde gerne bleiben. Gleiches gilt für seine Frau Sofia und die Zwillinge Kelaia und Anaia. Ponte und Nganga werden in den nächsten Tagen zusammensitzen und einen neuen Vertrag aushandeln. Dabei steht der FCA-Sportchef ganz schön unter Druck. Denn eines steht fest: Die Fans des FC Aarau wünschen sich nichts sehnlicher, als dass Nganga bleibt. Und zwar noch möglichst lange.