Fussball
Proiettis Comeback beim FC Wohlen und Romanos Ärger

Der Besuch einer Trainingseinheit des FC Wohlen lohnt sich. Die Intensität ist gross. Es wird nicht nur fleissig geübt, sondern auch viel geredet - und sich gut vorbereitet. Denn heute empfängt Wohlen Winterthur und träumt von drei Punkten.

Ruedi Kuhn
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Nach zu vielen Karten wegen Reklamierens ist Wohlens Giovanni Proietti wieder zurück im Tor. Wagner

Nach zu vielen Karten wegen Reklamierens ist Wohlens Giovanni Proietti wieder zurück im Tor. Wagner

Die auffälligste Figur im Kreis des Freiämter Challenge-League-Klubs: ganz klar Torhüter Giovanni Proietti. Der Mann scheint keine Grenzen zu kennen, bleibt bis zum letzten Pfiff von Trainer Ryszard Komornicki hoch konzentriert, hält, was zu halten ist und schreit sich während knapp zwei Stunden beinahe die Seele aus dem Leib.

Kassiert er ein Tor – das ist selten der Fall – ist Proietti kaum zu beruhigen. Man wünschte sich, dass alle Spieler des FC Wohlen ihre Arbeit mit so viel Kraft und Leidenschaft verrichten würden wie der Schlussmann.

Der 34-Jährige machte zuletzt allerdings schwierige Zeiten durch. Nachdem der Italiener während der Vorrunde beim 3:1-Sieg gegen Etoile Carouge wegen heftigen Reklamierens vom Platz gestellt worden war, wurde er beim 0:1 zum Rückrundenauftakt in Chiasso zum Wiederholungstäter. Wegen Schiedsrichter-Beleidigung sah er innert kürzester Zeit zwei gelbe Karten.

Teileinsätze

Das war für die Führungscrew des FC Wohlen eine Verwarnung zu viel. Mindestens. Proietti wurde von Komornicki auf die Ersatzbank verbannt und musste Flamur Tahiray Platz machen. Eine bittere Pille für den Torhüter. Weil sein Ersatz beim 0:2 in Locarno gleich zweimal patzte, kommt Proietti im heutigen Heimspiel gegen Winterthur zum Comeback. Man darf gespannt sein, ob der Mann mit den starken Reflexen und dem grossen Kämpferherzen zur grossen Nummer oder zum grossen Showman wird.

Gute Erinnerungen an Winterthur hat Wohlens Nachwuchshoffnung Daniele Romano. In der Vorrunde erzielte der 18-jährige Techniker in der 93. Minute den Siegestreffer zum 2:1. Das war am 22. August. Knapp acht Monate später ist Romano längst auf den Boden der Realität zurückgekehrt. Teileinsätze waren für ihn zuletzt das Höchste der Gefühle. Mal schauen, ob Komornicki das Talent wieder einmal in der Startformation spielen lässt.

Romano lässt sich von den Rückschlägen der Vergangenheit nicht aus der Ruhe bringen und sagt: «Ich bin topfit und will dem FC Wohlen im Abstiegskampf helfen. Wir brauchen jetzt einen Befreiungsschlag und ein Erfolgserlebnis, dann schaffen wir den Ligaerhalt.»

Ohne Pass keine Nati

So ganz zufrieden ist Romano trotzdem nicht. Der Grund: Er wartet nun schon seit einem Jahr auf den Schweizer Pass. Vergeblich. «Es ist unglaublich», beschwert sich der junge Mann. «Ohne Pass verpasse ich im Mai die Qualifikationsspiele in England für die EM-Endrunde der U19-Auswahlen in Estland. Der Schweizer Fussballverband hat alles versucht. Leider ohne Erfolg.»

Ob da etwa ein Beamter im täglichen Stress ein rotes Büchlein in die unterste Schublade seines Pults gelegt und längst vergessen hat?