Fussball

Profifussball oder normales Berufsleben? Ex-Stürmer des FC Wohlen ist vereinslos

Nenad Bijelic: Ball und andere Optionen im Blickfeld.

Nenad Bijelic: Ball und andere Optionen im Blickfeld.

Nenad Bijelic ist erst 23-jährig. Er ist ein Freiämter. Er schoss als Stürmer für den FC Wohlen in den vergangenen dreieinhalb Jahren 14 Tore. Und er ist seit 31. Dezember vereinslos.

Bijelic identifiziert sich zu hundert Prozent mit dem Verein von der Niedermatten. Eigentlich ist der Fall klar: Bijelic gehört nach der Vereinsphilosophie, wieder vermehrt mit jungen Spielern aus der Region zu arbeiten, ins Team. Doch seit dem 31. Dezember 2013 ist Schluss. Bijelic hat keinen Vertrag mehr. Der FC Wohlen verlängerte den sechsmonatigen Kurz-Kontrakt mit dem Stürmer nicht.

Warum, Andy Wyder? «Nenad war immer wieder verletzt. Er war zwar engagiert, aber konnte im Herbst zu wenig zeigen», begründete der Vereinspräsident den Entscheid, künftig auf die Dienste des Stürmers zu verzichten. Zudem, so Wyder, «hat Nenad halt schon gewisse Defizite im spielerischen Bereich.» Bei den Freiämtern setzt man vermehrt auf Akteure mit Erfahrung in Nachwuchs-Auswahlen. Von den sechs in der Winterpause verpflichteten Akteuren spielten oder spielen deren drei (Romano, Geissmann, Sacirovic) in einer Schweizer Nachwuchs-Nationalmannschaft.

Bijelic und die zwei Monate bei GC

Was nun, Nenad Bijelic: «Ich habe verschiedene Optionen. Klappts mit dem Fussball, ist es super. Wenn nicht, auch nicht so schlimm.» Der Angliker absolvierte die Bezirksschule und danach eine KV-Lehre mit Berufsmaturität. Kein Zweifel: Der clevere Bursche ist nicht auf den Kopf gefallen.

Rückblende: Im Sommer 2009 darf FCW-Junior Nenad Bijelic ein Kurz-Stage beim Nachwuchs der Grasshoppers absolvieren. In der von Trainer Thomas Binggeli geführten U21 trifft er auch auf die um ein Jahr jüngeren Izet Hajrovic und Steven Zuber. «Manchmal ist es schon interessant, welche Wendungen das Leben nimmt», sinniert Bijelic. Hajrovic wechselte jüngst zu Galatasaray Istanbul, Zuber verdient gutes Geld bei ZSKA Moskau. Und Bijelic? Vielleicht spielt er künftig als Amateur in der 1. Liga (Cham und Muri sollen im Gespräch sein), vielleicht verschlägt es ihn auch nach Deutschland zu einem Klub in einer unteren Liga.

Nach dem Militär ins Fanionteam

Doch, warum klappte es damals bei GC nicht? Bijelic holt tief Luft und lässt sich mit der Antwort Zeit. «Ich war zwei Monate bei der U21 und Binggeli wollte mich ins Team holen. Doch dann musste ich in die Rekrutenschule einrücken.» Militärpolizei-Grenadier Bijelic absolvierte die RS und hörte danach von den Grasshoppers nichts mehr.

Dafür tat sich beim FC Wohlen eine Tür auf. Bijelic wurde im Sommer 2010 vom damaligen Trainer Livio Bordoli in die Challenge-League-Mannschaft geholt und entwickelte sich mit der Zeit zum Stammspieler. Doch er hatte auf der Niedermatten zeit seines Stürmerlebens grosse Konkurrenz. Paiva, Gaspar, Renfer, Ianu, und vor Bijelic’ Zeit auch Jean-Michel Tchouga – die Wohler holten schon immer Offensivleute mit klingenden Namen ins beschauliche Freiamt. «Einfach war es nicht, aber Spass gemacht hat es immer», schmunzelt Bijelic. Und gelernt habe er von seinen prominenten Sturmpartnern eine Menge.

Drei Jahre lang war alles klar. Doch dann kam der Sommer 2013. Und irgendwie lebten sich Bijelic und der FC Wohlen auseinander. Laut dem inzwischen entlassenen Geschäftsführer Urs Bächer habe Bijelic nicht mehr ins Konzept gepasst. «Es gab damals harte Verhandlungen», so FCW-Präsident Andy Wyder. Gerüchten zufolge habe der Stürmer taktiert, einen besseren Lohn herausschlagen wollen. «Das stimmt aber nicht», antwortet Bijelic.

Was zudem auch nicht stimme, ist das Gerücht, dass er für einen Dumpinglohn von gerade mal 2000 Franken pro Monat gespielt habe. Nun denn, nach langem Hin und Her legten ihm die Verantwortliche einen Halbjahresvertrag vor. Bijelic unterschrieb – und war sich damals schon klar, dass seine Zeit beim FC Wohlen nicht ewig dauern würde. «Ich bin ja nicht auf den Kopf gefallen», so Bijelic, «ich habe mir meine Gedanken gemacht.»

Entspannt in die Zukunft

Was nun, Nenad Bijelic? Weiter als Profifussballer Geld verdienen oder es im «normalen» Berufsleben versuchen? «Es ist noch nichts spruchreif», winkt er ab und macht dabei einen äusserst entspannten Eindruck, «in den nächsten Tagen werde ich mehr wissen.» Vielleicht nimmt er auch sein letztes Jahr abgebrochenes Studium in Betriebsökonomie wieder auf.

Fremde Ratschläge scheint der Mann keine zu brauchen. Dennoch sagt FCW-Boss Andy Wyder: «Nenad ist ein guter Typ. Aber das grosse Geld wird er im Fussball nicht verdienen.»

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