Das Pro von Ruedi Kuhn: «Der FC Aarau im Derby ist wie eine krumme Banane»

Warum ist Schnee weiss und nicht schwarz? Warum fahren wir bei Grün und stoppen bei Rot? Warum ist die Banane krumm und nicht gerade? Warum ist der Ball rund und nicht eckig? Warum? Warum? Warum? Es ist einfach so. Es sind ungeschriebene Gesetze. Ungeschriebene Gesetze gibt es auch im Sport, im Fussball. Ein ungeschriebenes Gesetz ist beispielsweise jenes, dass der FC Aarau das Derby gegen Wohlen gewinnt. Oder es zumindest nicht verliert.

In den bisherigen 13 Duellen siegte der FC Aarau neunmal und holte vier Unentschieden. Am nächsten Sonntag treffen die beiden Kantonsrivalen im Brügglifeld also zum 14. Mal aufeinander. Obwohl der FC Wohlen in den vergangenen Wochen für so manche Überraschung sorgte, wird er auch diesmal nicht gewinnen. Der Grund? Sie wissen schon: Es ist ein ungeschriebenes Gesetz.

Diesmal habe ich bei meiner Prognose allerdings ein etwas mulmiges Gefühl in der Magengegend. Schliesslich hat der FC Wohlen in dieser Meisterschaft fünf von acht Auswärtsspielen gewonnen. Die Siege gegen Le Mont, Schaffhausen, Chiasso, Xamax und Wil lassen aufhorchen. Diese hervorragende Bilanz beeindruckt mich. Auch wenn in allen Fällen eine gehörige Portion Glück mit im Spiel war.

Das Hoch des FC Wohlen in Ehren; der FC Aarau ist und bleibt die Nummer eins im Kanton. Auch das ist ein ungeschriebenes Gesetz. Es gibt dazu zwei stichhaltige Gründe, warum die Mannschaft von Trainer Marco Schällibaum das 14. Derby nicht verlieren wird. Der FC Aarau ist auf dem Papier viel stärker und ausgeglichener besetzt als die Freiämter. Spieler wie Marco Thaler, Sandro Burki, Olivier Jäckle, Geoffrey Tréand, Alessandro Ciarrocchi und Patrick Rossini können an einem guten Tag den Unterschied im Alleingang ausmachen.

Und die zweite Trumpfkarte des FC Aarau? Ganz einfach! Im Gegensatz zur Nummer zwei im Kanton verfügt er über eine treue, grossartige und stimmgewaltige Fangemeinde. Diese wird am Sonntag die Rolle des zwölften Mannes spielen. Und den FC Aarau zum Sieg gegen den FC Wohlen schreien. Einen FC Wohlen, der im Brügglifeld auf sich allein gestellt sein wird.

Das Kontra von Calvin Stettler: «Das erste Mal des FC Wohlen – am liebsten in der Fremde»

Seit 2311 Tagen sehnt sich der FC Wohlen nun schon nach diesen ganz grossen Gefühlen, nach diesem Rausch, nach diesem ersten Mal. Am Sonntag soll er endlich her, dieser erste Derbysieg. 13 Anläufe hat der kleine FC Wohlen seit Erstauflage des Derbys im August 2010 schon unternommen, um den grossen Kantonsrivalen aus Aarau zu bodigen.

Geschafft hat er es noch nie. Warum? Weil die Ehrfurcht und der Klassenunterschied in den entscheidenden Momenten eben doch zu gross waren. Auch in dieser Saison steckt mehr Qualität im FC Aarau, keine Frage. Nur verbindet man mit der Mannschaft von Trainer Marco Schällibaum im Moment vor allem eines: ein grosses Fragezeichen. Nach ansprechendem Saisonstart fehlt dem FC Aarau in diesen Tagen einiges zu einem Spitzenteam in der Challenge League: Es mangelt an Leidenschaft, Disziplin und Breite im Kader. Nicht ohne Grund lässt die Teppichetage des FC Aarau durchblicken, dass sie mit einem Unentschieden durchaus leben könnte.

Denn die Formkurve im Brügglifeld kontrastiert mit jener im Freiamt. Trainer Francesco Gabriele hat den FC Wohlen wiederauferstehen lassen. Dieser Klub, der Mitte September noch am Tabellenende der Challenge League stand, liegt plötzlich nur noch drei Punkte hinter dem fünftplatzierten Rivalen aus Aarau. Das Selbstvertrauen ist zurück. Und vor allem sind die Freiämter plötzlich wieder für Überraschungen gut. Es gab Auswärtssiege gegen Neuenburg und Wil. Auf fremden Terrain ist der FC Wohlen seit vier Spielen ungeschlagen.

Alles Argumente, die für den Underdog aus dem Freiamt sprechen. Geblendet von den jüngsten Erfolgen werden die Freiämter aber nicht sein. Gerade Trainer Gabriele ist ein Meister im Vergegenwärtigen, dass Statistiken bloss Vergangenes abbilden und in der Gegenwart nur noch Makulatur sind. Übermotiviert wird sein Team im Brügglifeld deshalb nicht auftreten. Und auch wenn sich der 39-Jährige vor dem Derby in Understatement übt, gegen Aarau will er Geschichte schreiben und jener sein, der den FC Wohlen zum ersten Derbysieg coachte. Irgendwie würde es passen, wenn ausgerechnet der zu Amtsbeginn so gescholtene Italiener die Freiämter Sehnsucht stillt. Wohlen ist mehr als reif für das erste Mal!

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