Gemäss «AZ»-Informationen ist die Vertragsverlängerung des FC Aarau mit Cheftrainer Patrick Rahmen nur noch Formsache. Nach dem Wellenbad der Gefühle in der vergangenen Saison soll der Basler die Mannschaft in die Super League führen. Hat der FCA den richtigen Zeitpunkt erwischt, um den Vertrag zu verlängern? Unsere Experten Sebastian Wendel und Ruedi Kuhn sind sich nicht einig.

Pro: «Lasst Burki machen – abgerechnet wird später»

Bernd Kilian, Captain des FC Aarau im Meisterjahr 1993, sagte einst einen weisen Satz: «Die Voraussetzung für Erfolg ist, dass kein Blatt zwischen Sportchef und Trainer passt.» Das war im Herbst 2017, als beim FC Aarau Sandro Burki Sportchef wurde und mit Marinko Jurendic einen Trainer «übernehmen» musste, der bereits da war. Vom ersten Tag an war die Disharmonie zwischen den beiden spürbar.

Mit Patrick Rahmen ist dies anders. Mit dem 50-jährigen Basler schwimmt Burki nicht nur punkto Spielweise und Kaderzusammenstellung auf einer Wellenlänge. Das Duo versteht sich auch menschlich gut, beide betonen, in der vergangenen Saison seien aus Mitarbeitern Freunde geworden. Das Verhältnis und die Zusammenarbeit mit Rahmen waren wichtige Faktoren, dass Burki sich gegen die lukrative Offerte der Grasshoppers entschied und stattdessen in Aarau bis 2022 verlängerte.

Burki ist beim FC Aarau der Herr über der sportlichen Abteilung, innerhalb der vom Verwaltungsrat vorgegebenen finanziellen Leitplanken bestimmt er über die Anstellung, Entlassung und Weiterbeschäftigung des Personals. Wenn Burki meint, dass Patrick Rahmen zum jetzigen Zeitpunkt und in der Zukunft der richtige Trainer für den FC Aarau ist, soll er den Vertrag mit diesem verlängern. Unabhängig von den Resultaten in der noch sehr jungen Saison. Und umso mehr, weil auch der designierte Präsident Philipp Bonorand (ab 2020) sein Einverständnis dazu gegeben hat.

Rahmens aktueller Vertrag läuft bis Ende dieser Saison. Würde Burki die Vertragsverlängerung herauszögern, würden Stimmen laut, dass er an Rahmen zweifelt. Die gleichen Stimmen monieren nun, dass die Vertragsverlängerung zu früh käme. Wie auch immer es der Sportchef macht, der Zeitpunkt wird immer Stoff für Diskussionen liefern.

Es ist Burkis gutes Recht, den Vertrag jetzt zu verlängern. So wie es vor der laufenden Saison sein gutes Recht war, umstrittenen Spielern wie Mehidic, Maierhofer und Schindelholz neue Verträge zu geben und im Tor auf den 18-jährigen Ammeter zu setzen. Das Perfide an diesen Personalentscheiden ist, dass sie immer ein Gang ins Ungewisse sind. Wir Aussenstehende, wir Fans und Journalisten, sind in der komfortablen Situation, solche Entscheide nicht treffen zu müssen, sondern sie im Nachhinein beurteilen zu können.

Contra: «Falsches Signal im falschen Moment»

Ich mag Patrick Rahmen. Er ist ein angenehmer Zeitgenosse, ein feiner Mensch. Es macht Spass, mit ihm zusammenzuarbeiten. Spricht man mit ihm über Fussball im Allgemeinen und den FC Aarau im Speziellen, bleibt er ruhig und sachlich. Er ist alles andere als ein Poltergeist. Fühlt sich Rahmen aber ungerecht behandelt, setzt er sich zur Wehr, klopft auch mal auf den Tisch und spricht Klartext. Rahmen ist ein Gerechtigkeitsfanatiker. Während meiner Arbeit als Reporter besonders wichtig: Der 50-Jährige aus Dornach gibt auch Auskunft, wenn es dem FC Aarau nicht läuft oder wenn er mit der Berichterstattung der «Aargauer Zeitung» Mühe hat oder überhaupt nicht einverstanden ist.

Über die menschlichen Qualitäten von Rahmen gibt es keine zwei Meinungen. Als Trainer des FC Aarau hatte er Höhen und Tiefen. Nun wird sein Vertrag frühzeitig bis Ende Saison 2020/21 verlängert. Das ist der falsche Zeitpunkt. Warum? Ganz einfach: Eine Vertragsverlängerung mit einem Trainer macht vor einer Saison oder während der Winterpause Sinn. In einer Phase also, in der der Fussballbetrieb ruht und in der man sich ohne Hektik und ohne Stress grundsätzliche Gedanken über die mittel- und langfristige Zukunft eines Klubs machen und über die mittel- und langfristigen Ziele eines Trainers diskutieren kann.

Eine Vertragsverlängerung mit Rahmen zum jetzigen Zeitpunkt ist auch insofern falsch, als dass der Start des FC Aarau mit vier Punkten aus fünf Spielen misslungen ist. Der FC Aarau hat momentan andere Baustellen als die Trainerfrage. Die zwei Klatschen in der Meisterschaft gegen Chiasso (2:4) und Lausanne (1:5) zeigen in aller Deutlichkeit, wo das Problem liegt. Nach den Abgängen von Torhüter Djordje Nikolic, Abwehrchef Nicolas Bürgy und Linksverteidiger Linus Obexer ist die Verteidigung löchrig wie ein Emmentaler Käse. Statt Rahmens Vertrag zu verlängern, würde man besser Ausschau nach einer Verstärkung in der Defensive halten.

Rahmen hat vor einem Jahr bewiesen, dass er nach einem Fehlstart mit vier Punkten aus elf Spielen den Turnaround schaffen kann. Was aber, wenn es diesmal schiefläuft? Was, wenn er die Kurve ein zweites Mal nicht schafft? Fussball ist ein Tagesgeschäft. Deshalb ist eine Vertragsverlängerung zum jetzigen Zeitpunkt und nach drei Niederlagen in Folge ein falsches Zeichen.

FCA-Talk: die hitzige Debatte über die Vertragsverlängerung mit Patrick Rahmen

FCA-Talk: die hitzige Debatte über die Vertragsverlängerung mit Patrick Rahmen

Der FC Aarau bindet in diesen Tagen Cheftrainer Patrick Rahmen um ein weiteres Jahr bis 2021. Der richtige oder falsche Zeitpunkt für diesen Schritt? Und das richtige oder falsche Signal nach dem schlechten Saisonstart? Die AZ-Experten Sebastian Wendel und Ruedi Kuhn im Streitgespräch.