Unterschiedlicher hätten die beiden Hauptprüfungen des Mountainbike-Rennens von Gränichen nicht sein können. Bei den Frauen wurde Weltmeisterin Jolanda Neff ihrer Favoritenrolle gerecht. Die 25-Jährige setzte sich mit einem Vorsprung von 36 Sekunden vor der in dieser Saison stark fahrenden Nidwaldnerin Alessandra Keller durch.

Währenddessen lag Nino Schurter, neben Neff der zweite in Gränichen an den Start gehende Athlet im Weltmeistertrikot, in der Männerprüfung von Beginn an im Hintertreffen. «Ich hatte in der zweiten Runde einen Platten und fiel bis auf den 16. Rang zurück. In den Schlussrunden drehte ich auf und konnte so noch auf den sechsten Rang fahren», kommentierte der 32-Jährige den Rennausgang.

Lars Forsters erster Sieg

Während Neff von einem «coolen Rennen» sprach und sich darüber freute, endlich auch in der Schweiz wieder einen Sieg feiern zu können – in dieser Saison hat sie noch kein zum Swiss-Cup zählendes Rennen gewonnen – nahm Schurter den für ihn in dieser Saison doch eher ungewohnten Rennausgang gelassen: «So ist der Sport. Man gewinnt nicht immer. Einmal im Hintertreffen betrachtete ich das Rennen als gutes Training. Zudem ist es mir lieber, ich habe in einem kleinen Rennen einen Pechtag eingezogen als in einem Weltcuprennen oder an der Weltmeisterschaft.»

Ob all des Rummels um Schurter nach seiner Zieleinfahrt – wie Neff war er bei Selfie- und Autogrammjägern enorm gefragt – ging fast etwas unter, dass Lars Forster in Gränichen seinen ersten Sieg in einem Mountainbike-Rennen erzielte. Der 24-jährige St. Galler aus Neuhaus bei Eschenbach hatte sich bisher in erster Linie als mehrfacher Querfeldein-Schweizermeister einen Namen gemacht.

Plätze eins und zwei

Und auch wenn er sein Können auf dem Mountainbike vor Wochenfrist in Nove Mesto (CZE) als Vierter des von Schurter gewonnenen Weltcuprennens eindrücklich unter Beweis gestellt hatte, kam es doch eher überraschend, dass Forster in Gränichen von Beginn weg in der Spitzengruppe mitfuhr.
Ungewohnte Taktik ging auf

Das BMC-Bike-Team mit Forster, Reto Indergand und dem Franzosen Titouan Carod war an der Spitze in Überzahl. «Wir konnten mit unseren Gegner etwas spielen und abwechselnd angreifen. Mit den Plätzen eins und zwei zahlte sich diese für ein Mountainbike-Rennen eher ungewohnte Teamarbeit letztendlich aus», zeigte sich Forster zufrieden.

Die Nicht-BMC-Fahrer Matthias

Flückiger und der erst nach Rennhälfte in die Spitze vorgestossene Andri Frischknecht waren die Leidtragenden der BMC-Übermacht. Den entscheidenden Antritt landete Forster in der letzten Runde: «Diese Lücke konnten meine Gegner nicht mehr schliessen.» Trotz des nur kleinen Vorsprungs von acht Sekunden auf seinen Teamkollegen Indergand und von elf Sekunden auf Frischknecht landete Forster letztendlich einen klaren Sieg. Keine entscheidende Rolle spielten die Lokalmatadoren aus den Reihen des veranstaltenden RC Gränichen.

Und dies obwohl sie wegen des Rennens vor dem eigenen Publikum nicht unter Druck standen. «Es war ein Vorteil, dass ich zu Hause schlafen konnte. Aber der Beginn war für mich ein Zacken zu schnell. Während einigen Runden musste ich etwas Tempo rausnehmen. Bis ich wieder zusetzen konnte, war die Spitze weg», begründete Matthias Stirnemann seinen elften Rang.

Nur zwei Ränge besser – als Neunte – kam Schwester Kathrin beim Frauen-Rennen ins Ziel: «Klar wäre ich gerne weiter vorne gewesen. Die Stimmung war gut, von daher ging ich das Rennen motiviert an. Die Hitze machte mir allerdings zu schaffen», sagte die Aargauer Sportlerin des Jahres 2017. Noch schlechter erging es Florian Vogel, der zum 24. Mal an einem Rennen des RC Gränichen am Start stand: Wegen eines Defektes musste der amtierende Europameister das Heimrennen drei Runden vor Schluss sogar aufgeben.