Suhr

Präsidentenwechsel: ein erzwungener Abgang und ein Comeback – 2.-Ligist FC Suhr hat turbulente Wochen hinter sich

Soll den FC Suhr wieder in ruhigere Gewässer führen: Der neue Präsident Hansueli Bircher.

Soll den FC Suhr wieder in ruhigere Gewässer führen: Der neue Präsident Hansueli Bircher.

Der Präsidentenwechsel des FC Suhr von Valerio Rizzo zu Hansueli Bircher an einer ausserordentlichen Generalversammlung am 19. Februar ist eine Geschichte mit brisantem Hintergrund. Eine Geschichte mit vielen Kapiteln – und mit Zündstoff!

Rizzo war gut anderthalb Jahre Präsident. Meinungsverschiedenheiten führten im Laufe dieser Zeit je länger, je mehr dazu, dass Rizzo bei seinen Vorstandskollegen ins Kreuzfeuer der Kritik geriet. Generell wurde ihm vorgeworfen, dass sein Führungsstil oft nicht sachbezogen, sondern gegen Einzelpersonen gerichtet war. Die schärfsten Kritiker sagen, dass er ein Selbstdarsteller war, hin und wieder seine Macht sogar zelebrierte.

Eine spontane Feier bringt die Eskalation

Das Fass zum Überlaufen brachte im Herbst des vergangenen Jahres die Entlassung von Senioren-Trainer Dejan Popovic. Der Grund für den Rauswurf war eine spontane Geburtstagsparty der Suhrer Senioren in der Garderobe im Stadion Hofstattmatten. Während der Feierlichkeiten an einem Montagabend wurde das eine oder andere Bier getrunken. Nach den Feierlichkeiten warfen die Senioren die Bierflaschen in einen Abfallkübel und liessen den Kübel im Gang vor der Garderobe stehen.

Der Abwart entdeckte die Flaschen am nächsten Morgen und stellte sie auf einen Tisch vor dem Restaurant. Kurze Zeit später nahm ein Juniorentrainer Notiz von den Flaschen und fotografierte sie mit dem Handy. Das Foto machte im Umfeld des FC Suhr die Runde. Eine Bagatelle könnte man meinen. Weit gefehlt! Das vermeintliche «Skandälchen» blieb nicht ohne Folgen. Rizzo warf Popovic mangelnde Sorgfaltspflicht vor und war während einer Vorstandssitzung die treibende Kraft für dessen Entlassung als Trainer der Senioren.

Die Entlassung von Popovic war der Anfang vom Ende für Rizzo in der Funktion als Präsident des FC Suhr. Anfang Januar spitzte sich die Lage zu. Die Vorstandsmitglieder Margrit Lienhard, seit mehr als 30 Jahren in verschiedenen Ämtern tätig und die gute Seele des FC Suhr, und Felix Schärer, Finanzchef, waren die treibenden Kräfte für die Absetzung von Rizzo.

Blicken wir auf die heisse Phase von Ende Januar bis Mitte Februar zurück: Nachdem Rizzo am 25. Januar die Einladung zur ausserordentlichen Generalversammlung vom 19. Februar mit dem geplanten Wechsel an der Spitze der Führungscrew bekommen hatte, setzte er sich zur Wehr. In einem eingeschriebenen Brief vom 10. Februar an den Vorstand hielt Rizzo fest, dass die Einladungen nicht statutenkonform erfolgt sind. Die Einladungen an die Mitglieder müssen gemäss Artikel 21, Absatz 4, der Statuten des FC Suhr an die letzte dem Verein bekannt gegebene Adresse zugestellt werden. Zusätzlich muss jedes Mitglied eingeladen werden, auch die Spieler der Mannschaften. Das sei nicht geschehen. Eine Einladung über die Trainer verstosse ebenfalls gegen die Statuten, stand im Brief.

Rizzo empfahl dem Vorstand aus den erwähnten Gründen, die ausserordentliche Generalversammlung nicht durchzuführen. Pikant: Rizzo liess es nicht nur bei Empfehlungen bewenden, nein, er stiess eine Drohung aus. Im erwähnten Schreiben vom 10. Februar an den Vorstand hielt Rizzo unmissverständlich fest und schrieb: «Falls die ausserordentliche Generalversammlung trotzdem durchgeführt wird, werde ich diese beim Bezirksgericht in Aarau anfechten (ZGB Artikel 75).»

Dicke Post von Rizzo! Aber es kam weder zu einer Absage der ausserordentlichen Generalversammlung noch zu einer Anfechtung beim Bezirks­gericht in Aarau. Nach einer weiteren Aussprache mit Vorstandskollegen liess Rizzo Vernunft walten, gab nach und verzichtete schliesslich zum Wohl des FC Suhr auf die Weiterführung des Präsidentenamts. Er leitete am 19. Februar noch die ausserordentliche Generalversammlung. Es war seine letzte Amtshandlung. Bei der Wahl seines Nachfolgers Hans­ueli Bircher setzte Rizzo einen Tagespräsidenten ein.

Der Präsidentenwechsel beim FC Suhr schlug in den vergangenen Wochen hohe Wellen. Der Rücktritt mit Nebengeräuschen von Rizzo sorgte für Diskussionsstoff und rote Köpfe. Er selbst machte in der Hitze des Gefechts und vor allem gegen Ende seiner Zeit als Präsident keine gute Figur. Rizzo selbst wollte sich auf Anfrage nicht zum Präsidentenwechsel, sprich zu seinem Abgang, äussern.

Nun hat also Bircher das Zepter übernommen. Er soll dank seinen Führungsqualitäten und seiner Erfahrung Ruhe und Ordnung in den Verein bringen. Wenn einer das wankende Schiff des FC Suhr wieder auf Kurs bringen kann, dann ist er es. Der 64-jährige Energiewirtschaftsjurist ist nicht nur ein Macher und stiller Schaffer, sondern auch ein Romantiker. Der FC Suhr liegt ihm am Herzen. «Ich kann den Verein in dieser schwierigen Situation nicht im Stich lassen. Mein Ziel ist es erst einmal, den Klub zu stabilisieren», sagt er.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1