Fussball
Ponte, Olk und das San Siro

Chiasso-Trainer Ponte und die Wehmut vor dem Spiel gegen den FC Aarau.

Ruedi Kuhn
Merken
Drucken
Teilen

Da staunte Raimondo Ponte nicht schlecht. Als der 55-Jährige am vorletzten Mittwoch im San Siro den Champions-League-Achtelfinal zwischen Inter Mailand und Bayern München (0:1) besuchte, traf er kurz vor dem Anpfiff einen alten Bekannten. Ponte traute seinen Augen nicht. Sass da auf der Tribüne nur wenige Meter von ihm entfernt tatsächlich Werner Olk? Der 73-jährige Deutsche zeichnete von 1970 bis Ende 72 als Spielertrainer des FC Aarau verantwortlich und ist der Entdecker von Ponte. Letzterer spielte als 15-Jähriger bei den Inter-Junioren des FCA. Zwei Jahre später holte ihn Olk ins Kader der ersten Mannschaft. Kurz darauf gab der talentierte Mittelfeldspieler sein Debüt in der Nationalliga B.

Erinnerungen ans Brügglifeld

Olk und Ponte in Mailand? Zufälle gibt es. Oder ist es ein Zeichen? Logisch, dass sich die beiden viel zu erzählen hatten. Knapp zwei Wochen nach dem überraschenden Wiedersehen der alten Kameraden kehrt Ponte heute Abend an die frühere Wirkungsstätte zurück. Der Erfolgstrainer von Chiasso trifft im Fernsehspiel auf den FC Aarau. «Natürlich kommt bei mir Wehmut auf», sagt der gebürtige Windischer. Die Zeit im Brügglifeld war für mich der Auftakt einer langen Profikarriere. Ich erlebte zusammen mit Teamkollegen wie Franz Meier‚ Mäne Rufli, Beat Wüest und René Züttel schöne Zeiten.»

Chiasso ist der Favorit

Und nun soll Ponte gegen den FC Aarau antreten? Geht das überhaupt? Der Coach von Chiasso lächelt und sagt: «Es muss gehen. Der Fussball schreibt nun einmal viele Geschichten.» Tatsächlich. Wer hätte vor einem halben Jahr gedacht, dass die Tessiner gegen den Super-League-Absteiger die Favoritenrolle innehaben? Ponte eilt mit Chiasso momentan von Sieg zu Sieg. «Unsere Stärke ist der Teamgeist», sagt er. «Wir sind eine Einheit. Jeder Spieler weiss genau, was er zu tun hat.» Ponte hat sich im Vorfeld auch mit den Stärken und Schwächen des FC Aarau beschäftigt. Er überlässt nichts dem Zufall und fügt hinzu: «Bei der Vorbereitung schaue ich nicht nur auf meine Mannschaft. Der Gegner spielt in den taktischen Überlegungen eine wichtige Rolle.»

Ponte hat vor den zuletzt kriselnden Aarauern durchaus Respekt und weist auf das grosse Offensivpotenzial hin: «Mit Stojkov, Bengondo, Sabanovic, Marazzi, Gashi und Burki hat der FCA viele Spieler, die Akzente setzen können.»

Bengondo ist gegen die Südschweizer allerdings gesperrt. Man darf gespannt sein, ob Ponte seinen früheren Verein in eine sportliche Krise stürzt. Der Aarauer Sport-Koordinator Urs Bachmann spricht mit Respekt vom Chiasso-Coach und sagt: «Mir passt Ponte als Typ. Er kann ein Team hervorragend auf ein Spiel einstellen.» Auch auf den FC Aarau?