Aargauer Fussball-Verband
Podiumsdiskussion: Wer was wann zu verantworten hat

Das zweite Aargauer Fussball-Symposium drehte sich um das Thema "Verantwortung". Vier Referenten und eine Podiumsdiskussion fütterten die Teilnehmer aus den Aargauer Fussballclubs mit neuen Erkenntnissen und allerlei lustigen und weniger lustigen Episoden.

Rainer Sommerhalder
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Die Teilnehmer am zweiten Aargauer Fussball-Symposium in Lenzburg (von rechts): Lukas Christen, Stav Jacobi, Moderator Urs Hofstetter, Sandro Schärer und Sven Christ.

Die Teilnehmer am zweiten Aargauer Fussball-Symposium in Lenzburg (von rechts): Lukas Christen, Stav Jacobi, Moderator Urs Hofstetter, Sandro Schärer und Sven Christ.

Rainer Sommerhalder

Es war eine illustre Runde, welche sich auf Einladung des Aargauer Fussballverbandes in Lenzburg zur Diskussion traf. Fifa-Schiedsrichter Sandro Schärer gilt für viele Experten als der derzeit beste Schweizer Unparteiische. Winterthur-Trainer Sven Christ hat im Aargauer Fussball, sprich beim FC Aarau, schon viele Spuren hinterlassen.

Der mehrfache Paralympics-Sieger Lukas Christen arbeitet seit vielen Jahren erfolgreich als Coach, Berater und Referent. Stav Jacobi hat als Präsident das Frauen-Volleyballteam von Voléro Zürich in die Weltklasse geführt und engagiert sich seit einem knappen Jahr als Verwaltungsrat von GC auch im Profifussball. Gemeinsam diskutierten sie zum Thema "Verantwortung".

Schiedsrichter mit immer mehr Verantwortung

Einig waren sich die Referenten, dass man im Sport nur erfolgreich sein kann, wenn man die Verantwortung übernimmt. Sandro Schärer zeigte auf, wieviel Verantwortung ein Schiedsrichter eigentlich übernehmen muss und dass er nur erfolgreich sein kann, wenn er auf dem Platz Vertrauen erhält und Glaubwürdigkeit ausstrahlt.

Schärer stellt aber auch fest, dass im Fussball viele Parteien Verantwortung für ihr Handeln übernehmen müssen. Der Zürcher Fifa-Referee ist der Meinung, dass auf den Schultern des Schiedsrichters immer mehr Verantwortung lastet und er ist deshalb offen für alle Hilfsmittel, die ihm beim Tragen dieser Verantwortung zur Verfügung gestellt werden.

Verantwortung bei Misserfolg

Der russisch-stämmige Voléro-Präsident Stav Jacobi erklärte, dass er im Erfolgsfall die Bühne gerne der Mannschaft überlässt und selber im Hintergrund bleibt, bei Misserfolg aber hinstehe und die Verantwortung übernehme. Allerdings muss er dies nach über 100 gewonnenen Meisterschaftsspielen in Serie ziemlich selten tun.

Verantwortung bei Misserfolg zu übernehmen thematisierte auch Fussballtrainer Sven Christ. Allerdings auf eine etwas kritischere Art. Christ bekam das Motto "Der Erfolg hat viele Väter, der Misserfolg ist ein Waisenkind" am eigenen Beispiel zu spüren.

Der ehemalige Aarau-Trainer kritisierte, dass bei negativen Ereignissen immer die gleichen Personen den Kopf hinhalten müssten. Ab und zu auch für Dinge, die eigentlich nicht in seiner Verantwortung sind. Christ plädierte dafür, dass eine Führungsperson bewusst auch Verantwortung abgeben soll.

Den Spiegel vorhalten

Lukas Christen zeigte in seinem Referat auf, wie vielschichtig der Begriff "Verantwortung übernehmen" ist. Zuerst gelte es jeweils zu definieren, wem gegenüber man für was Verantwortung übernehmen muss. Um dies zu tun, muss man sich aber zuerst selber sicher sei.

Christen präsentierte den Spiegel als wichtigstes Trainingsgerät für jede Führungskraft und plädierte dafür, sich bewusst wöchentlich Zeit für sich selber zu nehmen. "Wer bin ich, wohin will ich?" - nur wer diese Fragen beantworten könne, könne auch für sich Verantwortung übernehmen. "Letztlich heisst Verantwortung übernehmen nichts anderes als Ressourcen umsetzen", sagte der Empowerment-Coach, der das Publikum mit seinem witzigen und zum Nachdenken zwingenden Referat begeisterte.

Christen gab zu bedenken, dass die heutige Gesellschaft viel zu kopflastig sei. Manchmal müsse man auch auf sein Herz hören, ab und zu auf seine Intuition und bisweilen sogar auf seinen Instinkt. "Wenn ich im 100-m-Lauf auf der Startlinie stand, da versetzte ich mich in einen Leopard, der auf der Ziellinie seine Beute sieht. Mann, ging das ab!", schloss Christen.