Vergangenen Samstag fand in Saint-Etienne der Dreiländerkampf statt. Einer der letzten Wettkämpfe vor der Europameisterschaft in Glasgow. Mit dabei, die Schweizer Kunstturnerinnen, angeführt von der fünffachen Europameisterin Giulia Steingruber. Nach einem Sturz muss die Olympia-Bronze-Gewinnerin nun aber für rund neun Monate pausieren. Die Diagnose: Kreuzbandriss im linken Knie und ein Meniskus-Teilabriss sowie eine mögliche Beschädigung des Schienbeins.

Die EM Anfang August ist kein Thema mehr. Ihre Vertretung wird die amtierende Schweizer Juniorenmeisterin am Boden, Anina Wildi, übernehmen. Eine grosse Bürde für die erst 15-Jährige. Im Gespräch mit der AZ erzählt die Schafisheimerin, was sie sich von ihrem ersten internationalen Grossanlass auf Elite-Niveau erhofft. Mit dem EM-Aufgebot verschieben sich für Anina Wildi auch die Sommerferien.

Anina Wildi, Sie nehmen in drei Wochen an Ihrer ersten EM teil. Was bedeutet das für Sie?

Anina Wildi: Ich freue mich extrem auf den Wettkampf. Im Training hat sich nichts verändert. Ich wusste, dass ich bis zum Ende mit dem Kader mittrainieren werde, um im Ernstfall einzuspringen. Trotzdem bin ich traurig wegen der Umstände. So einen Unfall, den wünscht man niemandem. Ich hoffe, Giulia wird schnell wieder gesund.

Hatten Sie Kontakt mit Giulia?

Natürlich, sie besucht uns jeden Tag in der Trainingshalle.

Verspüren Sie einen gewissen Druck, im Wissen, eine fünffache Europameisterin zu vertreten?

Nicht unbedingt, ich probiere einfach mein Bestes zu geben, für mich und das Team. Bei der Gruppenbesprechung waren wir alle sehr motiviert.

Was sind Ihre Ziele für die Europameisterschaft in Schottland?

Das Hauptziel ist sicher als Team unter die besten acht zu gelangen. Für mich persönlich ist wichtig, gute Leistungen zu bringen, sauber zu turnen und keine Fehler zu begehen. Schliesslich ist es das erste Mal, dass ich an so einem grossen Anlass dabei bin.

Gibt es etwas, wovor Sie im Hinblick auf die EM Angst haben?

Angst nicht, aber Respekt. Vor der Atmosphäre und der Aufmerksamkeit, die man als einzelner Athlet an so einem Anlass bekommt. Die Geräte sind beispielsweise alle auf Podesten. Man ist wirklich im Fokus. Zudem werden die Wettkämpfe auch im Fernsehen übertragen. Das kenne ich so noch nicht. Aber ich freue mich viel zu sehr, um Angst zu haben (lacht).

Worauf freuen Sie sich besonders?

Auf das Publikum, wenn die Fans die Schweiz anfeuern. Die Stimmung an solchen Anlässen ist unglaublich. Dazu kommt, dass man mit Weltstars zusammen turnt, die man sonst nur im Fernsehen sieht. Meine ganze Familie, also meine Eltern und meine vier Geschwister, wird mich nach Schottland begleiten, um mich anzufeuern. Die EM wird eine tolle Sache für mich.