«Wofür tun wir uns das an?» Der Mann, der in der Pause sein Bier und seine Wurst ins Trockene rettet, spricht wohl für die grosse Mehrheit der Zuschauer im Brügglifeld. Wobei der Begriff «Mehrheit» in Zusammenhang mit dem gestrigen Abend an Sarkasmus grenzt: 2136 Zuschauer meldet der Speaker, Minusrekord.

Aber auch diese Zahl, in der die verkauften 1900 Saisonabos mitgezählt sind, ist stark geschönt: In Tat und Wahrheit dürften sich noch rund 1500 Nasen im Stadion verloren haben. Einen Grund wiederzukommen, hat ihnen der FC Aarau gegen Rapperswil-Jona nicht geliefert.

Kaum in Worte zu fassen

Wie soll man das nennen, was sich an diesem Montagabend im Brügglifeld abspielt? Ein weiterer Tiefpunkt? Eine Bankrotterklärung? Ein fussballerischer Offenbarungseid? Oder ist es doch das, zu dem der FC Aarau momentan fähig ist? Wählen Sie aus!

Die nackten Zahlen eignen sich immer noch am besten, um Dinge ins rechte Licht zu rücken: Von nun drei Spielen gegen den Aufsteiger Rapperswil-Jona hat der FC Aarau zwei verloren und eines unentschieden beendet. Viel schlimmer: In den drei Partien gegen den hauptsächlich aus Amateur-Spielern bestehenden Gegner hat der FC Aarau kein Tor erzielt, dafür drei kassiert.

Der Zug in die obere Tabellenhälfte ist abgefahren

Kommt dazu, dass Rapperswil-Jona in der Winterpause mit Schwizer und Chagas seine zwei besten Spieler abgegeben hat.

Der Zug in die obere Tabellenhälfte ist für den FC Aarau endgültig abgefahren. Nach den zwei Niederlagen innert fünf Tagen gegen Rapperswil-Jona beträgt der Rückstand auf die auf Rang 5 liegenden St. Galler, die zudem ein Spiel weniger ausgetragen haben, neun Punkte.

Hiobsbotschaft für Thaler

Als wären diese Horror-Statistiken nicht schon schlimm genug, nistet sich beim FC Aarau nun auch die Verletzungshexe wieder ein: Mehidic, Peralta und Thrier, alles potenzielle Stammspieler, fallen seit Wochen aus.

Und seit gestern Abend hat das Lazarett ein neues, prominentes Opfer: Marco Thaler. Bei einem Zweikampf mit Rapperswil-Stürmer Kubli zog sich Thaler wohl einen Kreuzbandriss zu.

Dies gemäss erster Diagnose durch den Arzt im Stadion. Thaler wurde noch während des Spiels für weitere Abklärungen ins Spital gebracht. Diese Hiobsbotschaft ruft Erinnerungen an den vergangenen Sommer hervor, als der FC Aarau gleich zu Saisonbeginn in einen Strudel mit schweren Verletzungen und grottenschlechten Auftritten geriet.

Ein Torabschuss in 90 Minuten

Geht das nun wieder los, nachdem die Rückrunde mit den drei überzeugenden Heimsiegen gegen Schaffhausen, Chiasso und Wohlen ganz ordentlich begonnen hat?

Die zwei Spiele gegen Rapperswil-Jona lassen jedenfalls nichts Gutes erwähnen. Was am Donnerstag der Fehlschuss von Ciarrocchi war, ist gestern Abend der Versuch mit dem Hinterkopf von Garat: der einzig nennenswerte FCA-Torabschluss in 90 Minuten gegen Rapperswil-Jona.

«Das war nicht akzeptabel»

Ansonsten: Ballgeschiebe quer und rückwärts sowie an Harmlosigkeit nicht zu überbietende Offensivbemühungen. Dazu ein selten dämliches Gegentor: Garat spielt den Ball ohne Not in die Füsse eines Rapperswilers, Konter, 1:0 durch Shabani.

Steven Deana, der Goalie, findet nach dem Schlusspfiff klare Worte: «Das war nicht akzeptabel. Wir müssen alles hinterfragen, wir sollten uns schämen.» Trainer Marinko Jurendic: «Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Bis auf den Fehler vor dem Gegentor hatten wir das Spiel im Griff. Natürlich waren die zwei Spiele gegen Rapperswil-Jona ein Rückschritt. Aber man muss auch sehen: Der Gegner ist eine gute Mannschaft. Und wir haben viele verletzungsbedingte Absenzen.»

Zum Schluss noch dies: Die Frage mag polemisch sein. Und auch nicht ganz fair. Aber an diesem Abend liegt sie vielen im Stadion auf der Zunge, weil sie sich nach diesem Auftritt von selbst ergibt: Wofür genau braucht der FC Aarau ein neues Stadion?