Fussball
Pius Fischbachs Rückkehr zum Ort des Grauens

Der frühere FCZ-Star und ehemalige Spielertrainer des FC Villmergen, Pius Fischbach, wurde vor 35 Jahren von einem Gegenspieler niedergestreckt und erwog eine Zivilklage.

Ruedi Kuhn
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Der frühere FCZ-Star Pius Fischbach kehrt nach 35 Jahren ins Stadion Wilmatten zurück, wo er von einem Lenzburger Spieler böse gefoult wurde.

Der frühere FCZ-Star Pius Fischbach kehrt nach 35 Jahren ins Stadion Wilmatten zurück, wo er von einem Lenzburger Spieler böse gefoult wurde.

Mario Heller

Den 12. Oktober 1980 werde ich nie vergessen», sagt Pius Fischbach. «Dieser Sonntag hat mein Leben völlig durcheinandergebracht. Seit damals ist nichts mehr so, wie es einmal war.» Was ist passiert? «Ich war damals Spielertrainer beim Drittligisten FC Villmergen», blickt der heute 67-Jährige zurück.

Das Sagt Fischbach zum Fall Sandro Wieser

«Ich kann das Urteil der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau gegen Sandro Wieser absolut nachvollziehen. Es überrascht mich in keiner Art und Weise. Ich will Wieser keine Absicht unterstellen. Aber das Foul an Gilles Yapi war brutal. Als ich die Fernsehbilder der Attacke gesehen habe, konnte ich es kaum glauben. Wiesers gestrecktes Bein hat in der Höhe von Yapis Kniekehle absolut nichts verloren. Mit dieser Attacke hat Wieser die Grenzen des Erlaubten weit überschritten.»

«Wir spielten das Derby in Lenzburg. Mein Gegenspieler Danilo Zampieri packte die Schere aus, fuhr mir von hinten voll in die Beine und streckte mich nieder. Ich hatte keine Chance. Nach diesem Brutalo-Foul blieb ich liegen und war für einige Sekunden wie gelähmt.»

Knapp 35 Jahre später kehrt Fischbach erstmals an den Ort des Grauens in Lenzburg zurück, lässt sich auf der kleinen Tribüne fotografieren und schildert den für ihn folgenschweren Vorfall auf dem Sportplatz Wilmatten so, wie wenn es gestern passiert wäre. Die Bilanz der Blutgrätsche: Der rechte Fuss sah aus, als wäre er von einer Dampfwalze überfahren worden. Fussgelenk und Wadenbein waren gebrochen. Sämtliche Bänder waren gerissen. Fischbach wurde von einer Privatperson in einem Lieferwagen ins Kantonsspital Aarau gefahren.

Kein Leben ohne Sport

Dort kam es zu einer eineinhalbstündigen Operation. Für die Ärzte war klar: Fischbachs Karriere ist zu Ende. Weit gefehlt! Ein halbes Jahr später stand Fischbach schon wieder auf dem Fussballplatz. Natürlich schwoll der Fuss immer wieder an. Natürlich hatte er Schmerzen.

Pius Fischbach – mit der Kunstszene per Du

«Der 67-Jährige ist gelernter Bilderrahmen-Vergolder. Der 13-fache Internationale lancierte seine Karriere beim FC Wohlen und spielte für Aarau, Wettingen, Grenchen, Winterthur und den FC Zürich. Fischbach wohnt in Villmergen, ist seit 37 Jahren mit Trudi verheiratet und hat zwei Kinder. Fischbach ist in der Kunstszene gut vernetzt, führt die Galerie am Bogen in Bremgarten und arbeitet mit Künstlern wie Rolf Knie, Carmela Inauen, Anna S. Helfer, Martin Eberhard und Piryo Mayer.

Aber was soll’s? Fischbach war zeit seines Lebens kein Kind von Traurigkeit. «Ein Leben ohne Sport ist für mich trotz der Langzeitschäden am Fuss undenkbar», sagt er heute. «Ich gehe oft mit dem Bike auf Touren und fahre regelmässig Ski.» Zurück zum Herbst 1980: Fischbach war nach der Attacke aufgewühlt und nicht bereit, das Ganze ruhen zu lassen. Nein, er wollte Genugtuung! Und erwog deshalb eine Zivilklage.

«Ich holte mir juristischen Beistand», sagt er, «musste aber schnell erkennen, dass ich vor Gericht keine Chance habe. Es gab damals keine Bilder vom rüden Foul. Ich konnte nicht beweisen, dass beim Einsteigen von Zampieri Absicht mit im Spiel war.» Schliesslich siegte die Vernunft. Fischbach verzichtete schweren Herzens auf eine mögliche Genugtuung vor Gericht.

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