Die Oltner haben also gleich bei erster Gelegenheit den so wichtigen Auswärtssieg im Wallis geholt. 4:3 lautete das Verdikt dank eines erfolgreichen Ablenkers nach exakt 77:28 Minuten zugunsten der Gäste, welche damit in der Viertelfinalserie gegen den EHC Visp 1:0 vorlegen.

Spiel 1 zwischen den beiden NLB-Traditionsvereinen war ein richtiggehender Steigerungslauf. Die Visper hatten grosse Mühe, ins Spiel zu finden, leisteten sich viele Fehler im Spiel nach vorne, Missverständnisse in der eigenen Zone, oder dann bekundeten sie Probleme bei der Scheibenkontrolle im gegnerischen Drittel. Einzig in der ersten Überzahlmöglichkeit nach drei Minuten lief die Scheibe einigermassen gut, viel mehr Zusammenhängendes hatten die Gastgeber in den restlichen gut 14 Minuten dann aber nicht mehr zu bieten.

Am gefährlichsten war der letztjährige NLB-Meister, wenn Tempo im Spiel war, zum Beispiel bei einem schnellen Wollgast-Vorstoss in der 16. Minute, oder ganz zu Drittelsende, als Heldstab den ersten Treffer der Partie nur knapp verpasste. Tobler rettete den Gästen mit einer tollen Parade acht Sekunden vor der ersten Pause aber das 0:0.

Eine Walliser Führung hätte dem Gezeigten auf dem Eis denn auch nicht unbedingt entsprochen, denn die Akzente setzten mehrheitlich die Gäste. Burki beispielsweise, der gestern einen starken Playoff-Einstieg ablieferte, liess in der 18. Minute zwei Möglichkeiten aus, und noch in der 1. Minute wäre Cédric Schneuwly beinahe die frühe Führung gelungen.

Playoff-Feeling dank Strafen
Was im ersten Drittel noch fehlte, nämlich eine Prise Playoff-Feeling, das wurde dieser ersten Viertelfinalpartie im mittleren Abschnitt beigemischt. Und zwar in Form von Strafen. Dabei erwischte es die Einheimischen deutlich strenger, und das hinterliess auf der Resultattafel Spuren. Das erste Powerplay liessen Feser und Co. zwar noch ungenutzt verstreichen, beim zweiten Versuch hingegen schlugen sie zu – und das auf clevere Art und Weise. Suchten sie bei der ersten Gelegenheit konsequent ihren Blueliner Fabian Ganz, dessen kernige Abschlüsse ihr Ziel jeweils nur knapp verfehlten, wählten sie diesmal eine andere Taktik. Topscorer Feser (er trug das Dress für den kranken Truttmann) drehte sich auf linker Position um die eigene Achse, passte vors Tor auf Courchaine, und Schwarzenbach verwertete den Abpraller zum 0:1.

Kaum hatten sich die Visper von diesem ersten Gegenschlag erholt, gerieten sie nach dem genau gleichen Muster mit 0:2 in Rückstand. Diesmal profitierte Weber – wie wie rund vier Minuten zuvor Schwarzenbach – von der Vorarbeit der (übrigens, nicht nur der je drei Scorerpunkte wegen, bestens aufgelegten) beiden EHCO-Kanadier – allerdings bei ausgeglichenem Personalbestand.

Jetzt begannen sich die Gemüter zu erhitzen. Nicht unbedingt der beiden Gegentreffer wegen, sondern, weil das Heimteam nach Spielmitte gleich sieben Strafminuten einsackte. Doch anstatt das vorentscheidende 0:3 zu kassieren, hielt sich Visp schadlos und nutzte den Schwung sogleich für den ersten Treffer. Für einmal klappte das Kombinationsspiel in der Oltner Zone, und Heldstab gelang in der 39. Minute der Anschluss.

Es war eine Phase, in welcher die Partie zu kippen drohte, denn bis in die 48. Minute waren es jetzt die Gäste, welche praktisch durchgehend in Unterzahl agieren mussten. Einem starken Tobler und dem ungenügenden Visper Powerplay zum Dank, stand es aber auch zu Beginn der letzten fünf Minuten noch immer 2:1 für die Gäste – ehe sich die Ereignisse überschlugen.

Erst gelang Schmutz mit einem wahren Sonntagsschuss der Ausgleich, bevor sich Schneuwly am linken Flügel durchtankte und den EHCO wieder in Front schoss. Und wieder nur kurze Zeit später traf auch noch Dolana, aus spitzem Winkel, backhand zum erneuten Ausgleich.

Intensive Verlängerung
Es ging in die Verlängerung, in welcher die Partie noch einmal an Intensität zulegte und zu einem richtigen Playoff-Fight wurde. Nachdem die Oltner eine erste Powerplay-Möglichkeit ungenutzt verstreichen liessen und sich zweimal mit einem Mann weniger behaupten mussten, schlugen sie ihrerseits, zum dritten Mal in diesem Spiel, in Überzahl zu. Ganz zog von der blauen Linie ab, und Wüst fälschte den Puck kurz vor dem Ziel entscheidend ab. Es war die Entscheidung in einer Partie, welche schliesslich auf beide Seiten hätte kippen können, mit den Gästen aber ganz bestimmt nicht den falschen Sieger erfuhr.

Telegramm
Visp - Olten 3:4 (0:0, 1:2, 2:1, 0:1) n.V.
3612 Zuschauer. - SR Erard/Durussel, Pitton/Wermeille. - Tore: 25. Schwarzenbach (Courchaine, Feser/Ausschluss Keller) 0:1. 29. Weber (Feser, Courchaine) 0:2. 39. Heldstab (Botta, Altorfer) 1:2. 56. (55:25) Schmutz (Rapuzzi, Desmarais) 2:2. 57. (56:54) Schneuwly (Courchaine, Weber/Ausschluss Furer) 2:3. 58. (57:22) Dolana 3:3. 78. Wüst (Ganz, Feser/Ausschluss Schmutz) 3:4. - Strafen: 8-mal 2 plus 5 Minuten (Heynen) plus 10 Minuten (Heitzmann) plus Spieldauer (Heynen) gegen Visp; 11-mal 2 Minuten gegen Olten.
Visp: Schoder; Bucher, Leu; Wiedmer, Wollgast; Heynen, Heldstab; Guyenet, Geiger; Schmutz, Desmarais, Rapuzzi; Dolana, Brunold, Botta; Altorfer, Neher, Michailow; Keller, Heitzmann, Furrer.
Olten: Tobler; Meister, Pargätzi; Ganz, Parati; Schnyder, El Assaoui; Bagnoud, Aeschlimann; Courchaine, Feser, Weber; Schwarzenbach, Schneuwly, Hirt; Wüst, Burki, Wüthrich; Lüthi, Studer, Scherwey.
Bemerkungen: Visp ohne Müller (zurück zum SC Bern). Olten ohne Schild, Marolf, Brunner, Ruhnke (alle verletzt), Truttmann (krank) und Wiebe (überzähliger Ausländer). Heldstab und Weber als beste Spieler ihres Teams ausgezeichnet. 67. Lattensteifschuss Botta.

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker

Scribblelive: Eishockey, Playoff-Viertelinal NLB, Visp - Olten, Spiel 1